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Pandemie legt Betrieb lahm

„Ich kann das alles nicht verstehen“ - Keine Corona-Dezemberhilfe für Fahrschul-Inhaber aus Kolbermoor

„Hoffentlich müssen wir wegen der steigen Corona-Zahlen nicht bald wieder schließen“: Claudia Cetin führt mit ihrem Mann Selami seit sieben Jahren die SC Fahrschule in Kolbermoor.
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„Hoffentlich müssen wir wegen der steigenden Corona-Zahlen nicht bald wieder schließen“: Claudia Cetin führt mit ihrem Mann Selami seit sieben Jahren die SC Fahrschule in Kolbermoor.
  • Ines Weinzierl
    VonInes Weinzierl
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Die steigenden Inzidenzwerte machen Claudia Cetin (49) Angst. „Nicht, dass wir wieder schließen müssen“, bangt die Kolbermoorerin, die mit ihrem Mann Selami seit sieben Jahren die SC-Fahrschule betreibt.

Kolbermoor – Denn die letzten eineinhalb Jahre haben den Cetins viele schlaflose Nächte bereitet. Corona hatte sie im Griff: Schließen, öffnen, schließen, Hilfen beantragen. Jetzt dreht sich gerade alles bei ihr um die Dezemberhilfe, die ihr zunächst „unter Vorbehalt“ zur Hälfte ausgezahlt wurde. Nun soll sie sie zurückzahlen. Die Cetins verstehen die Welt nicht mehr.

Miete, Leasingverträge – alles läuft weiter

Aber von vorne: Das Ehepaar Cetin hat seit sieben Jahren eine Fahrschule in Kolbermoor. Alles lief gut, dann kam Corona. Im März vergangenen Jahres griff der Lockdown und im Zuge dessen mussten die Cetins ihre Fahrschule schließen. Die Kosten liefen weiter: Miete, Leasingverträge. Einnahmen gab es keine. Claudia Cetin hat die erste Corona-Hilfe beantragt und auch bekommen. Ende Mai durften die Cetins, wie alle anderen Fahrschulen auch, wieder öffnen. „Gott sei Dank.“

November 2020: Nächster Lockdown zeichnete sich ab

Ab November zeichnete sich der nächste Lockdown ab – die Zahlen stiegen. Claudia Cetin setzte sich ans Telefon – Landratsamt, Fahrschulverband in München. „Keiner wusste was“, erinnert sie sich. „Bis es dann hieß: Auch Fahrschulen müssen ab 1. Dezember schließen“, erinnert sie sich. „Lediglich Schüler, die kurz vor der Prüfung standen, durften bis 7. Dezember betreut werden.“

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Wieder ging der Papierkram los: Über ihre Steuerberaterin hat Claudia Cetin die Dezemberhilfe beantragt. „Die Hälfte habe ich unter Vorbehalt bekommen“, sagt sie. Dabei handelte es sich um einen niedrigen vierstelligen Betrag. Dann wartete das Ehepaar. Die Steuerberaterin hakte erneut bei der Industrie- und Handelskammer nach. „Eine weitere Förderung wurde dann abgelehnt. Und mir wurde mitgeteilt, dass ich die erste Hälfte zurückzahlen sollte“, sagt Cetin, die die Welt nicht mehr versteht.

Bayern hat eine Schließung angeordnet

„Da kann man nur dem dem Kopf schütteln“, sagt auch Siegfried Weber, Vize-Vorsitzender des Landesverbandes Bayerische Fahrlehrer in München. „Die Gelder kommen vom Bund, nicht vom Freitstaat und weil Bayern eine Schließung angeordnet hat, kommt eben kein Geld vom Bund.“ Die Steuerberaterin erklärt: „Der Antrag wurde abgelehnt, da es sich nur um eine lokale Schließungsanordnung für Stadt und Landkreis Rosenheim handelte“, teilt sie schriftlich mit.

Schließlich lag die 7-Tage-Inzidenz bei über 200, so die Steuerberaterin. Daraus folgte die Schließung der Fahrschulen im Landkreis Rosenheim. Und nun? „Der Steuerberaterin waren die Hände gebunden“, so Cetin. Sie riet ihr, einen Anwalt zu nehmen. „Der riet mit von einer Klage ab“, sagt Cetin. Und an diesen Rat hat sie sich gehalten. „Wir klagen nicht.“

Sie fühlt sich im Stich gelassen. Kann nicht verstehen, dass die Hilfe nicht gezahlt wird, obwohl sie schließen musste. Hat sie denn Kontakt mit anderen Fahrschulen? „Ja, viele haben gesagt, dass sie die Hilfen gar nicht beantragt haben, weil es zu aufwendig ist.“ Aber das wollte Cetin nicht. Und deshalb hat sie auch mit ihrer Steuerberaterin die Überbrückungshilfe III beantragt. Gehört und gesehen hat sie bisher noch nichts. Ende Februar durfte das Ehepaar Cetin seine Kolbermoorer Fahrschule wieder öffnen. Und was passiert jetzt, wenn sie wieder schließen muss? „Wir werden es irgendwie schaffen. Ich bin ein positiver Mensch“, sagt sie. Und das ist sie seit 49 Jahren.

Landesverband „Bayerische Fahrlehrer“: „Uns sind die Hände gebunden“

Beim Landesverband Bayerische Fahrlehrer in München stapeln sich die Anfragen hinsichtlich der Dezemberhilfe, die „viele nicht bekommen oder zunächst zur Hälfte bekommen haben“, sagt Vize-Vorsitzender Siegfried Winter auf Anfrage des Mangfall-Boten. Die Antwort des Verbandes: „Sie müssen sich an den Steuerberater wenden“, so Winter. Denn dem Verband seien die Hände gebunden. „Die Gelder werden nicht ausbezahlt, weil der Freistaat Bayern entschieden hat, die Fahrschulen ab Dezember zu schließen – nicht der Bund.

Weil die Schließung eben nicht auf Bundesebene geschah, werden die Gelder seitens des Bundes auch nicht ausgezahlt. Da kann man nur mit dem Kopf schütteln“, erklärt Winter. Aber macht sich der Verband denn nicht für die Fahrschulen stark? „Doch wir sind immer wieder beim Wirtschaftsministerium vorstellig geworden“, so Winter. Aber dort habe man sich eben auf die Gesetze berufen. „Was wir aber erreicht haben ist, dass die bayerischen Fahrschulen schon vor den Friseuren wieder öffnen durften“, erklärt Winter. Am „schlimmsten war es für Fahrschulen, die an einer Bundesland-Grenze lagen, erinnert er sich. „Einer bayerischen Fahrschule in Feuchtwangen sind die Schüler weggebrochen, da sie den Unterricht in Baden-Württemberg weiter gemacht haben. Die hatten zu dem Zeitpunkt die Fahrschulen auf.“

Und was rät er den Fahrschul-Inhabern? Sollen Sie klagen? „Bloß nicht, das Geld kann man sparen.“

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