Inhaberin erzählt

Wegen Corona: Aus für Kolbermoorer Kostümverleih

Schweren Herzens muss Irmgard Hilmer-Kreuzpaintner ihren Kostümverleih in der Rosenheimer Straße in Kolbermoor für immer schließen. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie zwingen sie zur Aufgabe.
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Schweren Herzens muss Irmgard Hilmer-Kreuzpaintner ihren Kostümverleih in der Rosenheimer Straße in Kolbermoor für immer schließen. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie zwingen sie zur Aufgabe.
  • Ulrich Nathen-Berger
    vonUlrich Nathen-Berger
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Die Ladentüren in Kolbermoor bleiben geschlossen: Die Corona-Pandemie zwingt Irmgard Hilmer-Kreuzpaintner zur Geschäftsaufgabe ihres Kostümverleihs. Im Interview blickt die 75-Jährige auf 40 Jahre zurück.

Kolbermoor – Faschingszeit ist die hohe Zeit der Maskierten: Ein Mal im Leben als Kaiserin Sissi gefeiert werden, sich als fescher Musketier bewundern lassen, oder in einem Traum aus Seide, Tüll und Pfauenfedern durch die Ballnacht tanzen… Wer für diese Zwecke ausgefallene Kleidung suchte, war bislang beim überregional bekannten Kostümverleih von Irmgard Hilmer-Kreuzpaintner in Kolbermoor an der richtigen Adresse. Damit ist heuer Schluss, denn die 75-Jährige wird ihren Laden endgültig schließen. Warum, erklärt sie im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen.

Schluss nach 40 Jahren – warum?

Irmgard Hilmer-Kreuzpaintner: Seit März letzten Jahres gibt es keinen Bedarf mehr an Kostümen. Es gibt weder private Anfragen zum Beispiel für Motto-Geburtsfeiern noch von den Theatern – Kostüme werden nicht mehr gebraucht.

Hier geht es zur OVB-Themenseite „Opfer des Lockdowns zeigen ihr Gesicht“.

Das Aus für Sie ist also der Corona-Pandemie geschuldet?

Hilmer-Kreuzpaintner: Ja. Anfang des vergangenen Jahres hatte ich mich noch so gefreut, weil ich im Januar und Februar sehr viel Anfragen bekommen hatte zum Faschingsmotto „Die goldenen Zwanziger Jahre“. Dann kam ab dem 2. März allerdings eine Absage nach der anderen. Es war furchtbar. Auch die vielen Anrufer waren oft verzweifelt.

Für jedes Kostüm das passende Accessoire im Angebot.

Sie haben auch mit Theatern zusammengearbeitet?

Hilmer-Kreuzpaintner: Wer was gebraucht hat, dem hab‘ ich was weiterverliehen. Auch viele Künstler die im Bereich vom Tegernsee bis München, Kufstein – bis weiß Gott wo – die hatten oft private Veranstaltungen wie Silvester-Galas, oder einen Sketch-Abend, oder eine Lesung, die haben sich gerne entsprechende Kostüme bei mir ausgeliehen. Das alles ist seit Frühjahr 2020 flachgefallen.

Welche Prominenz haben Sie denn bedient?

Hilmer-Kreuzpaintner: Namen möchte ich nicht nennen. Das wäre denen auch nicht recht.

Haben Sie auch Filmproduktionen bedient? Welche Filme waren es?

Hilmer-Kreuzpaintner: Das weiß ich nicht – in der Regel hat sich in den Fällen ein Kostümbildner gemeldet und mir seine Ideen vorgestellt. Im Laden haben sie dann ausgewählt und die Kostüme mitgenommen. (Lachend) Ich hatte immer nur die Adressen, an die ich die Rechnungen geschickt habe. Das war das Wichtigste.

Haben Sie einen Überblick, wie groß ihr Fundus ist?

Hilmer-Kreuzpaintner: Nein, das weiß ich nicht, ich habe keine Ahnung …

…schätzen Sie, es sind doch mehr als hundert…

Hilmer-Kreuzpaintner: … das auf alle Fälle. Mehr als 500, denke ich. Weil ich oft einfach nach Bedarf gearbeitet habe. Wenn zum Beispiel etwas gebraucht wurde aus der Biedermeierzeit, oder aus der Zeit der Jahrhundertwende, dann habe ich Biedermeierkleider mit Reifrock und Rüschen genäht, für die Herren oft Knickerbocker-Anzüge, zudem Hüte dazu gemacht. Ein bestimmter Bestand war immer da, aber für alle Größen und Farben konnte ich nicht vorhalten.

Sie haben Ihre Kostüme nicht eingekauft, sondern selbst geschneidert?

Hilmer-Kreuzpaintner: Das ist eigentlich mein Beruf, ich bin gelernte Schneiderin. Wenn die Kostüme zurückkamen, habe ich sie so gelassen oder wieder in den Urzustand zurückversetzt.

Kommt die ausgeliehene Ware auch mal anders als erwartet zurück?

Hüte und Kopfschmuck gehören auch dazu.

Hilmer-Kreuzpaintner: Ja, schon, da waren schon krumme Dinger dabei. Eine Dame hatte sich ein rotes, wadenlanges Lederkleid, bemalt mit Pfaufedern, ausgeliehen. Zurückgebracht hat sie es als Mini-Kleidchen – sie hat’s einfach abgeschnitten. Oder: Ein Obelix-Kostüm wurde vor der Rückgabe gewaschen – das Ergebnis war rosafarben statt blau. Dem Ausleiher eines Gehrocks müssen die Knöpfe so gut gefallen haben, dass er sie abgeschnitten hat. Mitsamt Stoffteilen. Aber meistens war’s schön, wenn die Leute bei der Rückgabe begeistert davon geschwärmt haben, wie wohl sie sich mit ihrem Kostüm gefühlt haben und wie gut sie angekommen sind. Das hat mich immer in meiner Arbeit bestärkt.

Wie sind Sie auf diese Idee gekommen, Kostüme zu schneidern und zu verleihen?

Hilmer-Kreuzpaintner: Ursprünglich wollte ich einen Second-Hand-Shop eröffnen. Bei einem Aufenthalt in den USA vor über 50 Jahren habe ich das Prinzip der Flohmärkte kennengelernt, so was kannte ich noch nicht. Ich habe mir tolle Sachen nach Hause geschickt, die ich auf den Märkten gefunden habe. So ist das hier entstanden, die Kleidung aus den USA habe ich allerdings nur verliehen.

Weniger schön werden ihre Gefühle sein, wenn Sie nach vier Jahrzehnten schließen müssen. Ab wann bleibt die Tür zu?

Hilmer-Kreuzpaintner:

Im März – wenn ich darf – möchte ich einen Ausverkauf starten. Ende April ist dann Schluss.

Was machen Sie danach?

Hilmer-Kreuzpaintner: (Lachend) Stink-faul sein. Ich werde viel auf der Couch liegen und lesen. Ich habe lang genug gearbeitet. Irgendwann geht mal alles dem Ende zu. Als Oma habe ich dann mehr Zeit für meine beiden Enkel und meine Tochter.

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