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Um das Leben der Bewohner zu verbessern

Caritas-Altenheim St. Franziskus in Kolbermoor erhält Anerkennung für Demenzstudie

Mehr Ruhe und Zufriedenheit: Bewohner mit Demenz brauchen eine individuelle Betreuung ganz besonders.
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Mehr Ruhe und Zufriedenheit: Bewohner mit Demenz brauchen eine individuelle Betreuung ganz besonders.
  • VonKatharina Heinz
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Das Leben und Arbeiten in einem Altenheim ist eine Herausforderung – insbesondere dann, wenn Bewohner aufgrund von Krankheiten ein auffälliges Verhalten zeigen. Wie man Bewohnern mit Demenz gut versorgen kann, sodass es den Betroffenen selbst, den Mitbewohnern und den Mitarbeitern besser geht, wurde im Caritas-Altenheim St. Franziskus in Kolbermoor in einer Studie untersucht.

Kolbermoor – Dafür gab es Ende Juni eine Anerkennung im Rahmen des Bayerischen Demenzpreises. Heimleiter Jakob Hartmann im Interview mit dem Mangfall-Boten, worauf es beim Umgang mit Menschen mit Demenz ankommt, und was sich generell ändern müsste, damit sie besser versorgt werden können.

Jakob Hartmann ist der Leiter des Caritas-Altenheimes St. Franziskus in Kolbermoor.

Herr Hartmann, was ist das Tückische an der Erkrankung Demenz?

Jakob Hartmann: Vor allem ist die Erkrankung tückisch, weil man nicht voraussehen kann, wie die Entwicklung verläuft. Bleibt der Betroffene lieb oder wird er aggressiv? Es gibt zwar bestimmte Arten von Demenz, aber keine Prognose, wie sie sich beim Einzelnen entwickeln und präsentieren.

Wie viele Bewohner mit Demenz leben derzeit im Caritas-Altenheim St. Franziskus in Kolbermoor?

Jakob Hartmann: Die Diagnose ist nicht ganz einfach zu stellen, doch wir gehen davon aus, dass rund die Hälfte unserer 110 Bewohner betroffen ist.

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Welche Herausforderungen gab es bezüglich der Bewohner mit Demenz, bevor das Projekt 2018 gestartet wurde?

Jakob Hartmann: Es gibt sehr unterschiedliche Verläufe und Formen. Manche sind sehr herausfordernd. Da gibt es Menschen, die verlernen, wie man schluckt. Es gibt solche, die nur noch teilnahmslos herumsitzen und sich an nichts erfreuen können. Eine Herausforderung in einem Altenheim sind besonders Verhaltensformen, die die Mitbewohner stören: Schreien, in fremde Zimmer gehen, das Essen der anderen essen zum Beispiel. Für uns wird es problematisch, wenn die Bewohner das Zusammenleben in der Einrichtung erschweren.

Gab es einen bestimmten Auslöser, das Projekt durchzuführen?

Jakob Hartmann: Historisch bedingt ist es in unserer Einrichtung so, dass besonders viele Menschen mit schwierigen Lebenssituationen bei uns Platz gefunden haben. Im Alltag haben wir bemerkt, dass wir eigentlich eine zusätzliche Planstelle deswegen bräuchten. Wir mussten uns also schon immer ein bisschen mehr anstrengen. Im Projekt wurde uns nun eine zusätzliche Planstelle durch Stiftungsgelder ermöglicht. Damit wollten wir schauen, wie man die Situation noch weiter verbessern kann, wenn man das systematisch angeht und mit Daten erhärtet. Die Frage war: Welche Entlastungen bringt es, wenn man die Bewohner mit Demenz spezieller betreut?

Für das Projekt wurden zwölf Patienten intensiv begleitet. Welche Verhaltensauffälligkeiten zeigen sie?

Jakob Hartmann: Einige sorgten für massive Störungen der Mitbewohner, etwa durch Schreien, ständiges Klopfen und die andauernde Suche nach Aufmerksamkeit.

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Wie sah die Betreuung der betroffenen Bewohner in der Praxis aus?

Jakob Hartmann: Zu unseren Maßnahmen wurden gehörten unter anderem eine engmaschige Betreuung, eine Freistellung der Fachkräfte für ihre Arbeit mit den Demenz-Patienten, ein Assessment zur Erfassung der Bedürfnisse jedes Patienten und mehr. Wir haben zwei Mitarbeiterinnen nur für dieses Projekt freigestellt. In meinen Augen ist das der Schlüssel: Denn auf diese Weise können sie rein für den Bewohner da sein. Andere Mitbewohner wünschen ja auch immer etwas, und wenn es nur das Lüften des Zimmers ist. Durch die Freistellung von den anderen Alltagstätigkeiten konnten die Mitarbeiterinnen wirklich Zeit mit den Bewohnern verbringen und dadurch einen viel besseren Zugang finden. Man muss verstehen: Die Bewohner mit Demenz handeln ja oft aus einer Hilflosigkeit heraus. Je besser angenommen sie sich fühlen, desto sicherer fühlen sie sich. Das ist mit dieser Betreuung so gut gelungen, dass die abschließende Befragung ergeben hat, dass wir es so unbedingt beibehalten wollen. Zwar wird uns inzwischen die zusätzliche Planstelle nicht mehr finanziert, wir konnten sie aber durch Umstrukturierung erhalten.

Welche weiteren Ergebnisse hatte das Projekt?

Jakob Hartmann: Ganz deutlich wurde, wie wichtig das Raumangebot ist. Es braucht Rückzugsorte und Ruhe. Außerdem müssen die Mitarbeiter natürlich rund um die Demenz geschult sein – und zwar alle Mitarbeiter. Es gibt bei uns regelmäßige Fallbesprechungen, bei denen auch die Mitarbeiter der Verwaltung oder unsere Reinigungskräfte mit eingebunden werden. Denn alle müssen an einem Strang ziehen.

Ist das nicht ein großer Mehraufwand?

Jakob Hartmann:Ja, aber er lohnt sich. Bei fast allen Bewohnern gab es sichtbare Verbesserungen. Sie zeigen positive Emotionen, einige können wieder durchschlafen oder wieder mit Begleitung zum Einkaufen gehen.

Für das Projekt wurde Ihre Einrichtung mit einer Anerkennung im Rahmen des Bayerischen Demenzpreises ausgezeichnet.

Jakob Hartmann: Darauf sind wir auch sehr stolz, doch ehrlich gesagt: Die Anerkennung bringt uns nicht weiter. Wir bräuchten ein System, das außerhalb der Pflegegrade ein Mehr an Planstellen ermöglicht. Diese Verbesserungen, die wir haben, könnten auch in anderen Häusern möglich sein. Doch viele können das nicht umsetzen, weil die Verbesserungen erst mit der Zeit spürbar werden, der Mehraufwand aber sofort zu stemmen ist.

Praxisstudie zum Verhalten von Bewohnern mit Demenz

• Das Projekt startete im Oktober 2018. Dabei haben eine Gerontologin und eine gerontopsychiatrische Pflegefachkraft mit beteiligten Pflege-Azubis zwölf Demenzerkrankte mit auffälligen Verhaltensweisen intensiv begleitet. Die beiden Mitarbeiterinnen wurden für das Projekt freigestellt. Das Projekt wurde von der Geschäftsleitung Altenheime im Caritasverband München und Freising initiiert.

• In einer ersten Erhebung wurden der Ist-Zustand ermittelt – insbesondere die Belastungen durch das auffällige Verhalten, die Rahmenbedingungen vor Ort und die Verhaltensformen der Bewohner mit Demenz.

• Zu den Maßnahmen gehörten unter anderem eine engmaschige Betreuung, eine ausführliche Bedürfnis-Erfassung eines jeden Bewohners, themenbezogene Schulungen der Mitarbeiter sowie ein neuer Aktivierungsraum.

• In einer zweiten Phase wurden die Ergebnisse überprüft: Es zeigten sich unter anderem deutliche Hinweise, dass sich das Wohlbefinden der Bewohner verbesserte, weniger Konflikte auftraten und eine Entlastung der Mitarbeiter erfolgte. Also wurden die Maßnahmen verstetigt.

• Für das Projekt überreichte Gesundheitsminister Klaus Holetschek der Eiinrichtung im Juni eine Anerkennung im Rahmen des Bayerischen Demenzpreises.

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