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Neue Wege für Fußgänger und Radler in Kolbermoor

Brückenschlag von Süd nach Nord: Wie das alte Garnmagazin zum Stadttor wird

Eingezäunt und unzugänglich ist das alte Garnmagazin heute. Das soll sich ändern. Mit der Umgestaltung entstehen öffentlicher Raum und neue Wege.
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Eingezäunt und unzugänglich ist das alte Garnmagazin heute. Das soll sich ändern. Mit der Umgestaltung entstehen öffentlicher Raum und neue Wege.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Einen Blick in die Zukunft des Garnmagazins der Alten Spinnerei eröffnete Investor Maximilian Werndl jetzt den Kolbermoorer Stadträten. Die waren fasziniert von den „beeindruckenden Ideen“ und stimmten mit einem 14:3-Votum der Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes zu. Doch was genau ist so beeindruckend an den Visionen der Architekten?

Kolbermoor – Wie Altes erhalten und Neues geschaffen werden kann, sehen die Kolbermoorer auf dem Areal der Alten Spinnerei. Die Industriedenkmäler wurden erhalten und mit Geschäften, Büros, Wohnungen und Restaurants revitalisiert. Die architektonischen Ideen sind preisgekrönt.

Nun folgt der nächste Schritt: Mit der Öffnung des Garnmagazins als „Schlussstein“ der Alten Spinnerei und dem Brückenschlag über den Triebwerkskanal sollen Barrieren weichen und eine Nord-Süd-Verbindung der Stadt geschaffen werden.

Umnutzung in vier Einzelpaketen

Maximilian Werndl, Geschäftsführer der Kolbermoorer Werndl & Partner GmbH, und Architekt Andreas Leupold nahmen die Stadträte mit in die Zukunft, denn bevor die Investoren ihr Projekt weiterdenken, sollte sich der „Souverän“, wie Werndl das Gremium bezeichnete, eine Meinung bilden können.

Das alte Garnmagazin ist in drei Bauabschnitten entstanden: 1908, 1922 und in den 1950er-Jahren. „Es wurde immer wieder verlängert. Deshalb steht es auch so sperrig in der Stadt“, erklärte Leupold. Bei seiner ersten „neuzeitlichen“ Sanierung wurde das ehemalige Vorratslager für Baumwolle in seiner ursprünglichen Ausdehnung von etwa 3000 Quadratmetern Fläche belassen und auf Unterteilungen verzichtet. So entsprach es den Bedürfnissen des Mieters.

Nachdem das „Haus der Trends“ im vergangenen Jahr nach Prien umgezogen ist, wurde das denkmalgeschützte Gebäude nun neu gedacht. Wieder sollen Historie und Moderne verbunden werden: „In vier Einzelpaketen, die nur miteinander Sinn machen,“ wie Werndl erläuterte. Denn damit aus dem bisher eingezäunten und nicht zugänglichen Garnmagazin ein öffentlicher Raum werden könne, müsse die Sanierung und Umnutzung des Denkmals mit einer Aufstockung, einem Brückenbau und der Verdichtung des Parkraums einhergehen.

Das ehemalige Zufahrtstor, das heute durch seine Verglasung einen Blick ins Innere des Garnmagazins erlaubt, soll geöffnet werden. „Hier führten einst die Schienen vom Bahnhof direkt ins Gebäude“, erinnert der Architekt. Jetzt soll an dieser Stelle eine Durchfahrt für Radfahrer und Fußgänger geschaffen werden.

Das einstige Zufahrtstor soll für einen Durchgang für Radfahrer und Fußgänger geöffnet werden.

Um Süden und Norden der Stadt miteinander zu verbinden, soll auch eine neue Brücke über den Triebwerkskanal geschlagen werden. Die alte ist stark sanierungsbedürftig und müsste über kurz oder lang gesperrt werden. „Egal ob Sanierung oder Neubau, eine neue Brücke würde etwa eine Million Euro kosten“, informierte Werndl das Gremium. Auf der Suche nach wirtschaftlichen Lösungen entwickelten die Architekten eine ungewöhnliche Idee: „Ein freispannendes Brückentragwerk mit Mehrwert. Die Tragwerkshöhe wird als Raum genutzt. Hier entstehen Büros“, so Leupold. Diese will die Werndl & Partner GmbH selbst nutzen.

Gleichzeitig sollen die Flächen rund um die Brücke wie der alte Ladehof des Garnmagazins für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Dialog von Altem und Neuem geht weiter

Das Garnmagazin selbst wird in Holzbauweise aufgestockt. Die Lasten kann das bestehende Gebäude tragen. „Es entsteht ein Dialog aus Alt und Neu. Die Holzkonstruktion führt die Proportionen des Ziegelbaus fort. Das schwere Massive aus dem historischen unteren Bereich setzt sich oben in leichter und offener Bauweise fort“, beschreibt der Architekt die Pläne.

Als künftige Nutzungsarten sind medizinische Einrichtungen mit Büros und Praxen sowie Modelle für ein Wohnen auf Zeit ähnlich der Boarding-Häuser geplant. Gründächer mit PV-Anlagen und Speicher sollen die Wohnungen und Gewerbeflächen sowie zusätzliche Ladesäulen für Fahrräder und Pkw mit Energie versorgen. Zudem könnten sich mit der Öffnung des Garnmagazins und der Brücke auch neue Möglichkeiten für die Verlängerung des Fernwärmenetzes ergeben, blickte Werndl voraus.

Um der Stellplatzsatzung der Stadt Kolbermoor gerecht zu werden, soll der bestehende Parkplatz im Westen des Garnmagazins in eine Parkrampe umgewandelt werden. „Diese hat zwei Etagen: Von links fährt man nach unten, von rechts nach oben. Dadurch wird die Rampe kaum sichtbar sein“, verdeutlichte Leupold.

Positives Feedback

Das Feedback der Stadträte auf die architektonischen Visionen für das Garnmagazin der Alten Spinnerei war vor allem positiv: „Wahnsinn, das muss ich erstmal sacken lassen“, reagierte Dagmar Levin-Feltz (SPD) auf die Präsentation von Werndl & Partner. „Sie hat mich sehr überzeugt. Die Pläne passen zum Spinnerei-Konzept. Ich denke, wir können ihnen zustimmen und sie auch in Zukunft begleiten.“

Die vier Bausteine zum großen Ganzen: Umnutzung, Aufstockung, Brücke und Parkrampe.

Caroline Schwägerl (Grüne) lobte die Ideen für Brücke, Parkdeck und PV-Anlagen. Auf ihre Nachfrage erklärte Architekt Andreas Leupold, dass die Höhe des Gebäudes bei 13 Metern liege und alle Abstandsflächen eingehalten würden. Schwägerl geht davon aus, dass die Parkplätze nicht ausreichen werden und auch alternative Stellplätze auf der anderen Seite der Brückenstraße notwendig seien. Bürgermeister Peter Kloo (SPD) blickte in die Vergangenheit: „Der Parkplatz vorm Garnmagazin hat früher für alle Spinnereimitarbeiter gereicht.“

Dieter Kannengießer (Parteifreie) würdigte die „Brücke mit Raum“ als „etwas ganz Neues“. Er war besonders von der Öffnung des Areals für die Allgemeinheit sehr angetan.

Die Brücke über den Triebwerkskanal ist dringend sanierungsbedürftig. Sie soll durch ein freispannendes Brückentragwerk mit Büros unter der Fahrbahn ersetzt werden.

Markus Schiffmann (CSU) erkundigte sich nach dem Einfluss von Hochwassersituationen auf die Brückenkonstruktion und Souterrain-Bereiche. Der Bürgermeister erklärte: „Wenn die Mangfall steigt, entleert sich der Kanal, weil der Einlauf gesperrt wird.“ Die Investoren hatten ihre Planungen im Vorfeld bereits mit Wasserwirtschaftsamt und Kraftwerksbesitzer besprochen. Demnach gehe von Mangall und Triebwerkskanal keine Gefahr für den Bereich aus.

Andrea Rosner (Grüne) wollte den „Souverän“ stärker mitgenommen wissen. Bei der Planung von Boarding-Häusern beispielsweise sollte man nachfragen, was die Stadt brauche. Maximilian Werndl darauf: „Wir holen Sie heute ab. Was immer auch kommt, ob Kritik, Anregungen oder Ideen, werden wir aufnehmen. Heute haben wir den Vorschlag in den Raum gestellt. Und erst jetzt geht es los.“

Brücke mit Raum – so stellen sich die Architekten den Brückenschlag mit Mehrwert vor.

Rosner befürchtete zudem, dass mit der geplanten Aufstockung des Garnmagazins und der Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes für ein Gebiet mit rechtskräftigem Bebauungsplan ein Präzedenzfall für andere Bauwerber geschaffen werde. Bürgermeister Kloo geht davon aus, dass es so sein wird, denn: „Wir können es uns nicht mehr leisten, Fläche zu versiegeln. Wir müssen in die Höhe gehen.“

Rosner kritisierte, dass die Planer bei der Entwicklung des Areals nicht „autoarm“ gedacht hätten. Als Impuls gab sie mit: „Autofreiheit wäre wünschenswert.“ Damit stieß sie bei Investor Werndl auf offene Ohren, der selbst am liebsten mit dem Fahrrad unterwegs ist. Zudem, so betonte er, liege der „finanzielle Schmerz jedes Projektes in den Stellplätzen“. Doch zum geltenden Recht gehört unter anderem die Stellplatzsatzung der Stadt Kolbermoor aus dem Jahr 2020. Zudem erinnerte der Bürgermeister an geltendes Baurecht: „Im Bebauungsplan ist ein neun Meter hohes Parkhaus vorgesehen, das nun nicht gebaut wird.“

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Thema war auch die Verkehrssituation auf der Brückenstraße vor dem Garnmagazin. Kerim Bacak (CSU) fragte nach, ob dort ein Kreisel denkbar wäre. Architekt Leupold nahm die Anregung mit in die nächsten Beratungen des Projekt-Teams, zu dem auch ein Verkehrsplaner gehört. Allerdings dämpfte der Bürgermeister die Hoffnungen auf eine mögliche Einflussnahme auf die Verkehrsführung in diesem Bereich, da die Brückenstraße als Kreisstraße in der Verantwortung des Landkreises liegt.

Vor der Abstimmung wurde die Sitzung auf Antrag der Grünen-Fraktion unterbrochen, die sich beraten wollte. Die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes wurde mit 14 Stimmen gegen die drei Grünen-Stimmen auf den Weg gebracht.

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