Bereit für eine Städtepartnerschaft?

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Soll mit der israelischen Stadt Hevel Modiin eine Städtepartnerschaft angestrebt werden? Damit beschäftigte sich jetzt der Kolbermoorer Stadtrat. Verbindungen nach Israel gibt es seit geraumer Zeit, der SV-DJK führte mit Modiin bereits einen Jugendaustausch durch. Die Eckpunkte hatte zudem die Jugendbeauftragte im Stadtrat, Dagmar Levin, ausgelotet, die dazu eine Konferenz in Jerusalem besucht und auch dem Bezirk Hevel Modiin eine Stippvisite abgestattet hatte. Während sich Dagmar Levin angetan von der Idee einer Partnerschaft zeigte, äußerte sich das Gremium zurückhaltend.

Kolbermoor - Begeisterung versprühte Dagmar Levin (SPD) in ihrem Bericht vor dem Stadtrat: Sie hatte in ihrer Funktion als Jugendbeauftragte die deutsch-israelische Partnerstadt-Konferenz "In Freundschaft verbundene Städte" in Jerusalem besucht - auf einhelliges Votum des Gremiums hin. Hintergrund: die Bestrebungen der israelischen Stadt Hevel Modiin, eine Städtepartnerschaft mit Kolbermoor ins Leben zu rufen.

Die Verbindungen in den Bezirk Hevel Modiin, der in etwa auf der Hälfte der Strecke zwischen Tel Aviv und Jerusalem liegt, gibt es bereits seit Ende der 80er-Jahre: Damals hatte der Bayerische Landessportverband (BLSV) einen ersten Jugendaustausch ins Leben gerufen, an dem Sportvereine aus Pang, Raubling und Rosenheim beteiligt waren. Im Jahr 2009 hatte dann der SV-DJK Kolbermoor den Kontakt nach Israel wieder aufleben lassen, eine Delegation aus der Mangfallstadt, allen voran Bürgermeister Peter Kloo, war in die Region gereist, um Verbindungen zu knüpfen. Ein Jahr später kam dann die erste Jugendgruppe nach Kolbermoor, 2011 starteten die Jugendlichen des SV-DJK ihren Gegenbesuch in Israel. Offiziellen Charakter hatte sodann die Delegation aus Hevel Modiin, die vergangenes Frühjahr der Mangfallstadt einen Besuch abstattete: eine Städtepartnerschaft sollte angestoßen werden (wir berichteten).

Erwartungen und Modalitäten von israelischer Seite wollte nun Dagmar Levin abklopfen: auf der Konferenz in Jerusalem, zu der neben Vertretern deutscher Partnerstädte auch zahlreiche an Partnerschaften interessierte Delegationen aus Deutschland angereist waren. "Das Interesse war groß", berichtete Levin nun vor dem Stadtrat. Etwa 120 deutsche Bürgermeister und Referenten seien zu Gast gewesen, insgesamt habe die Konferenz an die 350 Personen umfasst. Als absoluten Höhepunkt bezeichnete Levin neben Workshops und Vorträgen zu verschiedenen Themen wie Jugendkriminalität und Jugendarbeitslosigkeit den Galaabend: mit Israels Präsident Shimon Peres. "Eine beeindruckende Persönlichkeit", unterstrich Levin.

Ein weiterer Schwerpunkt der Reise war der Besuch des Bezirks Modiin, laut Levin eine reine "Wohnstadt", 1996 am Reißbrett entstanden und inzwischen auf rund 120000 Einwohner angewachsen. "Alles sehr durchdacht, die einzelnen Wohnsiedlungen haben jeweils eine eigene Infrastruktur mit Schulen, Kindergarten und Freizeitmöglichkeiten", beschreibt sie die potenzielle Partnerstadt.

Und Levin brachte an die Stadträte eine klare Botschaft mit: Hevel Modiin will eine Städtepartnerschaft. Und auch sie selbst würde den Kontakt gerne ausbauen und weiter verfolgen, wie die Jugendreferentin betonte. Ihre Vorstellungen gehen dabei über einen reinen Schüleraustausch hinaus, auch kulturelle Verbindungen könnten entstehen, beispielsweise über die Musikschule, aber auch über die Trachtenvereine oder andere Organisationen.

Zurückhaltend auf die Begeisterung ihrer Ratskollegin äußerte sich ein Großteil der Stadträte. Sebastian Daxeder (CSU) wollte die Frage nach einer Städtepartnerschaft "so spontan nicht beantworten" und sah das Thema mehr auf der "Ebene Sportjugendaustausch" angesiedelt - alles andere müsste "dauerhaftes Interesse voraussetzen".

Als eine "wunderbare Angelegenheit" bezeichnete Gerhard Duschl (CSU), gleichzeitig Vorsitzender des SV-DJK, den Austausch mit Israel, betonte aber auch, dass bei einem offiziellen Charakter der Sportverein an seine Grenzen stoße. Er selbst würde es begrüßen, wenn die Verbindung weitergeführt würde - "eine gute Geschichte" -, wobei Duschl allerdings eine "lockere Form" bevorzugen würde, wie er vor dem Stadtrat verdeutlichte.

Aufgeschlossen zeigte sich auch Günther Zellner (CSU), der einem Aufbau der Partnerschaft über die Jugend den Vorzug geben würde. "Wir sollten offen sein und versuchen, etwas daraus zu machen", appellierte er.

Skepsis überwog indes bei Else Huber (Grüne), die aus anderen Kommunen von der Belastung durch Partnerstädte wusste: "Wir sollten den erheblichen Aufwand bedenken", mahnte sie und erinnerte zudem daran, dass es sich um ein Krisengebiet handle. "Eine heiße Kiste, wir sollten abwarten, wie es sich entwickelt."

Sind langfristige Kontakte überhaupt machbar und gewünscht in Kolbermoor? Diese Fragen stellte Günter Schirmer (Freie Wähler) in den Raum und warnte vor einem "künstlichen Steigbügel".

Offen zeigte sich indes Bürgermeister Kloo, der die gesamtgesellschaftliche Bedeutung herausstellte und gleichzeitig betonte, dass für eine Städtepartnerschaft Multiplikatoren benötigt würden: "Wenn der Stadtrat das will, müssen alle als Multiplikatoren dahinter stehen", so sein Appell an das Gremium, verbunden mit der Aufforderung, über das Ansinnen nachzudenken.

Einen nächsten Schritt sieht Levin darin, eine Delegation aus Modiin zur Festsitzung 150 Jahre Kolbermoor Anfang Oktober in die Mangfallstadt einzuladen.

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