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Veronika Gmeiner ist selbst auf Rollstuhl angewiesen

Wie barrierefrei ist Kolbermoor? So bewertet die Inklusions-Beauftragte den Fortschritt

An der Kreuzung Rosenheimer Straße/Ludwigstraße ist in puncto barrierefreiere Bordsteine noch nichts passiert, da die Stadt dort sowieso einen Kreisverkehr installieren will und den Bereich dann umplanen muss.
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An der Kreuzung Rosenheimer Straße/Ludwigstraße ist in puncto barrierefreiere Bordsteine noch nichts passiert, da die Stadt dort sowieso einen Kreisverkehr installieren will und den Bereich dann umplanen muss.
  • Mathias Weinzierl
    VonMathias Weinzierl
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Viele Kommunen reden von Barrierefreiheit – doch tun sie auch was dafür? Die Stadt Kolbermoor hat jüngst Bordsteine abfräsen lassen, um Barrieren abzubauen. Doch ist das genug? Inklusionsbeauftragte Veronika Gmeiner hat dazu eine klare Meinung.

Kolbermoor – Gebäude mit Treppen, aber ohne Rampe, hohe, oftmals unüberwindbare Randsteine oder Kopfsteinpflaster, das zur Sturzfalle wird: Für Menschen mit Behinderungen, ältere, gehschwache Bürger, aber auch Kinder gibt es viele Barrieren, die das Leben zusätzlich erschweren. In den vergangenen Wochen hat die Stadt daher an einigen Stellen – genauer gesagt an Borsteinkanten – Hand angelegt, um das Leben dieser Menschen zu erleichtern. „Da ist einiges passiert“, sagt Kolbermoors Mobilitätsmanagerin Veronika Winkler – und bekommt dafür Lob von der Inklusionsbeauftragten der Stadt, Veronika Gmeiner: „Kolbermoor tut in dieser Hinsicht wirklich viel.“

Mit Rollatoren oder Kinderwagen

Die Absenkungen der Randsteine – beispielsweise im Kreuzungsbereich von Flur- und Bergstraße, an der Adolf-Rasp-Grundschule und am Kindergarten an der Bodenseestraße – seien zwar im Rahmen des Radwegekonzepts erfolgt. „Unser Auge richtet sich aber auf alle Menschen, die unterwegs sind“, sagt Winkler, die dabei beispielsweise an Menschen mit Behinderungen, Senioren mit Rollatoren, Eltern mit Kinderwagen oder junge Radler denkt.

„Bewusst nicht perfekt“ gemacht

„Unser Anliegen ist es, dort wo es geht, die Kanten, die zum Hindernis werden, abzufräsen“, sagt die 41-Jährige. Wobei sie dabei selbst manchmal auf hohe Hürden stößt – und zwar im übertragenen Sinn.

Mobilitätsmanagerin Veronika Winkler

An manchen Stellen könne die Stadt gar nichts machen, da Flächen gar nicht im Besitz der Kommune seien. An anderer Stelle reiche Platz einfach nicht aus, um diese Bereiche richtig barrierefrei zu gestalten. Und dennoch wolle die Stadt auch dort die Gegebenheiten zumindest verbessern. Um schnelle Abhilfe zu schaffen, führe die Stadt manche Arbeiten daher „bewusst nicht perfekt“ aus.

Bewusst nicht angegangen hat die Stadt auch den Kreuzungsbereich der Ludwigstraße zur Rosenheimer Straße, der mit seinen hohen Bordsteinen für Rollstuhlfahrer und Radler gleichermaßen „eine echte Herausforderung“ darstelle, wie Gmeiner, die seit ihrem vierten Lebensjahr auf den Rollstuhl angewiesen ist, betont.

Inklusionsbeauftragte Veronika Gmeiner

Gmeiner: „Wie oft es mich da schon mit dem Rollstuhl gewaffelt hat, kann ich gar nicht mehr zählen.“ Dennoch hat die Stadt bislang darauf verzichtet, dort Barrieren abzubauen. „Nachdem dort sowieso ein Kreisverkehr entstehen soll, wäre das wirklich Verschwendung von Steueggeldern gewesen, wenn wir da jetzt etwas machen, und dann sowieso komplett umgebaut werden soll.“ Eine Einschätzung, die Gmeiner teilt.

Was dem Streben nach Barrierefreiheit angeht, stellt die 67-Jährige der Stadt sowieso ein „sehr gutes“ Zeugnis aus. „Hier wird wirklich richtig viel getan“, sagt die Inklusionsbeauftragte und ergänzt: „Da hat unser Bürgermeister Peter Kloo wirklich immer ein offenes Ohr.“ Auch wenn er nicht jedem Wunsch nachkomme, so die 67-Jährige. „Aber er hört immer zu und versucht, auf die Wünsche einzugehen.“

Querungen an der Tonwerkunterführung

Der Inklusionsbeauftragten fallen ad hoc einige Beispiele ein, wo die Stadt Menschen, die auf Barrierefreiheit angewiesen sind, unter die Arme gegriffen hat.

Hier im Bereich der Brücke über die Mangfall wurden die Bordsteine bereits abgeschliffen.

Beispiel Mangfallbrücke: Dort könne sie sich – nach den Umbaumaßnahmen der Stadt – jetzt auch gut mit dem Rollstuhl bewegen. „Das hat die Stadt wirklich super gemacht“, lobt die 67-Jährige.

Direkt vor dem Eingang zum Friedhof sind zwei Parkplätze für Menschen mit Behinderung ausgewiesen.

Auch die Parkplätze für Menschen mit Behinderung direkt am Friedhof oder die Auffahrt zur Kapelle, die nun für Rollstuhlfahrer und gehbehinderte Bürger gut möglich sei, habe die Stadt „zwar nicht schön, aber praktisch umgesetzt“. Ebenso seien die Straßenüberquerungen rund um die Tonwerkunterführung gut gelungen.

Arbeiten am Bahnhof im kommenden Jahr

Schwierigkeiten bereite ihr selbst allerdings oftmals der Einstieg über eine Rampe in die Stadtbusse an den Bushaltestellen, da die Rampen oftmals aus Platzgründen nicht ordentlich ausgeklappt werden könnten. Wobei Gmeiner betont, dass „hier kaum Handlungsmöglichkeiten für die Stadt sind, da der Platz ja oftmals gar nicht vorhanden ist“. Gespannt ist darauf, wie 2023 – auch hier ist die Stadt ja nur Beobachter – die Bahngleiserhöhung am Kolbermoorer Bahnhof seitens der Deutschen Bahn umgesetzt wird.

Um den Einstieg in den Zug zu erleichtern, will die Bahn den Mittelbahnsteig im kommenden Jahr erhöhen.

Fazit der Rollstuhlfahrerin: Es gebe zwar noch viele Bereiche in Kolbermoor, die Menschen mit Einschränkungen das Leben schwer machen, aber: „Ich kann als Rollstuhlfahrerin wirklich froh sein, in dieser Stadt zu leben.“ In der Nachbarstadt Rosenheim seien die Probleme in puncto Barrierefreiheit deutlich größer: „Dort ist es für Menschen mit Behinderungen teilweise wirklich eine Katastrophe sich fortzubewegen.“

„Mobil vor Ort“: Anregungen von Bürgern aufgegriffen und umgesetzt

Meistens mit dem Fahrrad, jüngst aber auch mit dem Stadtbus: Mit der Veranstaltungsreihe „Mobil vor Ort“ hat die Kolbermoorer Mobilitätsmanagerin Veronika Winkler Bürger der Stadt dazu eingeladen, im direkten Gespräch und direkt vor Ort Schwachstellen im Stadtgebiet anzusprechen. Einige Anregungen, die die Teilnehmer dabei gegeben haben sind, hat die Stadt laut Winkler mittlerweile auch aufgenommen und – so weit möglich – umgesetzt. So wurden beispielsweise am sogenannten Huberberg Absenkungen an den Bordsteinen verbreitert, um so Radler, aber auch gehbehinderten Menschen oder Familien mit Kinderwagen das Leben zu erleichtern. An der Pauline-Thoma-Schule hat die Stadt zudem zwei enge Kurven, die immer wieder zu brenzligen Situationen geführt hatten, entschärft, sowie einen stark frequentierten Trampelpfad anhand von Graswaben leichter begehbar gemacht. Auch an der Adolf-Rasp-Schule wurden auf Wunsch von Bürgern Bordsteine abgesenkt und somit Hindernisse abgebaut.

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