OVB-SERIE „DAS KRÄUTERREZEPT“

Bad Aiblinger Kräuterpädagogin verrät, ob für jedes Wehwehchen ein Kraut gewachsen ist

Christine Liebhart vor ihren Salben, Tinkturen und Likören, die sie selbst aus gesammelten Kräutern herstellt.
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Christine Liebhart vor ihren Salben, Tinkturen und Likören, die sie selbst aus gesammelten Kräutern herstellt.
  • Ines Weinzierl
    vonInes Weinzierl
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Für den Feiertag Mariä Himmelfahrt am 15. August Kräuterbuschen zu binden hat in Bayern eine lange Tradition. Auch für die Kräuterpädagogin Christine Liebhart (61) aus Bad Aibling. Doch ist wirklich gegen jedes Wehwehchen ein Kraut gewachsen? Die OVB-Heimatzeitungen haben nachgefragt.

Bad Aibling – „Die Königskerze muss in die Mitte“, sagt Christine Liebhart (61) kompromisslos. „Ja, wirklich“, erklärt sie und lacht. Welche man nimmt, sei jedem selbst überlassen, erklärt sie. Auch die Bad Aiblingerin bindet jedes Jahr – pünktlich zu Mariä Himmelfahrt am 15. August – Kräuterbuschen. So bald die Buschen dann gesegnet sind, werden die Kräuter getrocknet. Dann kocht Kräuterpädagogin Liebhart Tee daraus. „Das war schon so, als ich ein kleines Mädchen war.“

Gut gehütetes Geheimnis

Sieben Kräuter bindet sie in einem bunten Strauß zusammen: Königskerze, Beifuß, Schafgrabe, Frauenmantel, Mädesüß, Engelwurz und Johanniskraut. Der Haken: Viele der Kräuter seien bereits verblüht, wie beispielsweise Johanniskraut, sagt Liebhart. Deshalb ist sie schon einige Wochen vor Mariä Himmelfahrt in der Natur unterwegs, um die sieben grünen Zutaten für den Buschen zu sammeln. Wo sie die Kräuter findet, verrät sie allerdings nicht. Das sei wie bei einem Pilzsammler. Der verrät auch nicht, an welchen Stellen er die besten Exemplare findet.

Die bisher erschienenen Teile der OVB-Serie „Das Kräuterrezept“:

Ein Grund, warum sie bei den Kräuterwanderungen, die sie bei AIB-Kur veranstaltet, immer Kräuter dabei hat ist, damit die Teilnehmer probieren können. „Die sind oft überrascht, dass sie so gut schmecken.“ Und während sich einige Hobby-Gartler über das Kraut Gundermann ärgern, weil es bei ihnen wie verrückt wächst, darf es bei Liebhart nach Lust und Laune wachsen und gedeihen.

Nach der Stallarbeit auf die Wiese

Heute sammelt die 61-Jährige in und um Bad Aibling Kräuter, als Kind war sie in Niederbayern auf der Suche nach den Pflanzen. Dort ist sie auf einem Bauernhof aufgewachsen. Nach der Stallarbeit ist die kleine Christine über die Wiesen gelaufen und hat Kräuter gesammelt. Kam sie mit einem bunten Strauß nach Hause, hat Mama Hedwig alle unter die Lupe genommen. Und die, die sie nicht kannte oder giftig waren, aussortiert.

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Und dann hat ihre Mama von damals erzählt: Von den Soldaten, die nur überlebt haben, weil sie Brennnesseln gegessen haben. Und davon, dass bestimmte Tees für die Soldaten gekocht wurden, wenn sie beispielsweise Magenprobleme hatten. „So habe ich auch erfahren, dass man daraus Tees kochen, Tinkturen oder Salben herstellen kann.“

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Dann fing Liebhart an, selbst die Rezepte auszuprobieren. Am spannendsten fand sie es, als junges Mädchen, Rotöl herzustellen: „Da konnte ich meinem kindlichen Forschergeist ausleben. Denn die Johanniskrautblüten in Öl verfärben sich in der Sonne von Tag zu Tag intensiver.“ Behandeln kann man damit diverse Wunden.

Diese sieben Kräuter bindet Christine Liebhart in ihren Kräuterbuschen. Klinger

Waldpralinen und Brennesselwaffeln

Das Wissen, das Mama Hedwig ihr vermittelt hat, gibt Liebhart jetzt den Mädchen und Buben im Kindergarten „Wilde Wiese“ in Hundham weiter. Dort ist Liebhart die Leiterin. Gemeinsam kreieren sie Wiesensuppen, Waldpralinen und Brennnesselwaffeln. Oder sie stellen Salbenaus Spitzwegerich her –  gegen Insektenstiche.

Von manchen Kräutern lieber die Finger lassen

Es gibt aber auch Kräuter, von denen sie selbst die Finger lässt: die Doldenblütler zum Beispiel – die sind giftig und fast überall zu finden.

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Aber stimmt es eigentlich, dass gegen jedes Wehwehchen ein Kraut gewachsen ist? „Wild- und Heilkräuter nutze ich zur Vorbeugung und Unterstützung der Abwehrkräfte. Das ganze Jahr immer ein paar Wildkräuter mit in den Speiseplan aufnehmen, dann bleiben wir gesund.“ Aber: Es sei nochmal ausdrücklich darauf hingewiesen, dass auch Wildkräuter und Heilpflanzen den Gang zum Arzt nicht ersetzen können, sagt sie.

OVB-Serie „Das Kräuterrezept

Gegen welche Wehwehchen welches Kraut gewachsen ist und was man aus den jeweiligen Kräutern machen kann verrät Christine Liebhart in den kommenden Tagen in der zwölfteiligen OVB-Serie „Das Kräuterrezept“, die ab Mitte August erscheint.

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