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Neue Urnenfelder auf Friedhof „Am Rothbachl“

Aus Rosen und Stahl: Kolbermoorer schaffen einen Ort für die Lebenden und die Toten

Der Rosengarten am neuen Friedhof wurde jetzt offiziell eingeweiht. Hier ist ein schöner Ort für die Lebenden und die Toten entstanden.
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Der Rosengarten am neuen Friedhof wurde jetzt offiziell eingeweiht. Hier ist ein schöner Ort für die Lebenden und die Toten entstanden.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Eine würdevolle letzte Ruhestätte für die Verstorbenen, eine grüne Lunge für die Stadt, ein Stück Natur zum Verweilen – das sind die neuen Bestattungsflächen auf dem neuen Friedhof in Kolbermoor. Jetzt wurden die Baum- und Rosengrabflächen offiziell eröffnet. Seit Montag, 1. August, können hier Urnenbestattungen erfolgen.

Kolbermoor – Im November vergangenen Jahres hat sich der Stadtrat dazu entschlossen, mit neuen Bestattungsformen dem Wandel der Gräberkultur gerecht zu werden. Nach Informationen des Bestatterverbandes Bayern werden nur noch 30 Prozent aller Verstorbenen erdbestattet. Urnenbestattungen machten inzwischen 70 Prozent aus.

600 Grabplätze für Kolbermoorer Bürger

Am neuen Friedhof sind 600 Urnengrabplätze entstanden – 100 für Baumbestattungen, 500 im Rosengarten. Gedacht sind sie ausschließlich für Verstorbene, deren Leben und Familien eng mit Kolbermoor verbunden waren oder sind. „Hier finden die Angehörigen einen Platz, an dem sie ihrer Verstorbenen in aller Ruhe gedenken können. Sie haben Zeit, sich zu erinnern, aber keinen Aufwand mit der Pflege der Grabstätte“, erläuterte Michael Hartl vom Rosenheimer Friedhofs-Kompetenz-Zentrum.

Gemeinsam mit der Stadtverwaltung, den Stadtgärtnern, Landschaftsarchitekten und den Schmieden hatte er die Pläne für die neue Anlage entwickelt. „Wir haben bewusst auf unterschiedliche Entwürfe gesetzt, damit sich die Hinterbliebenen die Gestaltung auswählen können, die ihnen am besten gefällt“, erinnerte Bürgermeister Peter Kloo an den Ideenwettbewerb.

Etwa 1800 Rosenblätter schmiedete Michael Ertlmeier aus Wolfratshausen.

Jetzt konnte das Ergebnis begutachtet werden. Die drei Schmiede erläuterten den Gästen ihre Ideen. Jeder hatte ein Blumenbeet mit einer individuellen Reling umrandet. Hans Reif war für seinen Bruder Reinhard nach Kolbermoor gekommen. Die Schmiede aus Moosburg an der Isar haben die Skizzen auf klassische Art umgesetzt. Ihre Rosen ranken um die Reling aus Rundstahl. An Blütenkelch und -blättern jeder einzelnen der 300 Rosen haben sie etwa zwei Stunden geschmiedet. Als liebevolle Details. schmiedeten sie eine Libelle und eine Schnecke.

Der Kolbermoorer Schmied Josef Still hat für sein Rosenbeet eine moderne Umrandung geschaffen. „Inmitten der vielen Pflanzen dachte ich an eine schlichte Ausführung“, erläuterte er. Deshalb wählte er Flachstahl, die Stützen wurden in Form von Blättern geschmiedet, die in Pulslinien das Beet umranden. Der Stahl wurde zudem geölt. Derzeit arbeitet Still am Laubengang, der im Herbst den Rosengarten vervollständigen soll.

Michael Ertlmeier, der „Rosenkavalier“ aus Wolfratshausen, hatte Spaß am Floralen und schmiedete für seine Sektion 1800 Rosenblätter und 42 Stützen. Jeder der drei Schmiede hat auch Halterungen für die Bronze-Namenstafeln und Kerzenträger entwickelt. Das jeweilige Modell können Hinterbliebene bei den Kolbermoorer Steinmetzen auswählen. Aber: „Es muss nicht jeder eine Tafel oder einen Kerzenträger anbringen. Das ist nur ein Angebot“, klärt Ulrike Scheugenpflug von der städtischen Friedhofsverwaltung auf.

Die ersten Besucher der Urnengrabanlage fragten auch nach der Haltbarkeit der geschmiedeten Einfassungen. „Mindestens 100 Jahre“, ist sich der Bürgermeister sicher. Dass der Stahl rosten wird, ist gewollt. „Das verdeutlicht das Vergängliche“, erklärt Kloo.

Mit Lebenslinien umrandet der Kolbermoorer Schmied Josef Still das Rosenbeet.

Im neuen Friedhof gibt es neben dem Rosengarten auch Bereiche für Baumbestattungen. An 13 Bäumen entstanden Grabplätze für jeweils 20 Urnen. Die Namen der Verstorbenen können an Holzstelen verewigt werden.

Die Stadt Kolbermoor hat das Projekt innerhalb weniger Monaten umgesetzt. Die Kosten belaufen sich auf circa 300.000 Euro.

Anlage wird als einzigartig gewürdigt

Der Rosengarten ist so konzipiert, dass verschiedene Pflanzen fast das ganze Jahr über blühen. „Wir möchten die Menschen dafür begeistern, zum Friedhof zu kommen, denn es ist ein Ort, um die Seele baumeln zu lassen“, wünscht sich Michael Hartl. Dass das gelingen wird, bestätigt Angelika Bauer, die Schwester der Moosburger Schmiede: „Drei Rosen befinden sich im Wappen unserer Stadt. Deshalb heißt Moosburg auch die Drei-Rosen-Stadt. Doch so etwas Schönes wie dieses Rosenmeer hier auf dem Kolbermoorer Friedhof gibt es bei uns nicht.“

Natur und Schmiedekunst verbindet Reinhard Reif aus Moosburg an der Isar in seiner Arbeit.

Wer mehr über die Entstehung des neuen Urnengrab-Areals auf dem neuen Friedhof in Kolbermoor wissen möchte, sollte den Vortrag am Samstag, 6. August, nicht verpassen. Um 15 Uhr erläutern alle, die am Projekt mitgewirkt haben, ihre Ideen. Auch die drei Schmiede stellen im Saal der Musikschule ihre Arbeiten vor. Genaueres und das gesamte Programm der XIII. Schmiede-Biennale unter www.metall-zentrum.de.

Welche Regeln gelten im Rosengarten

• Die Kosten für eine Grabstätte im neu entstandenen Rosengarten oder unter einem Baum auf dem Friedhof „Am Rothbachl“ belaufen sich auf 1260 Euro für zehn Jahre. Es ist möglich, die Grabstätte nach Ablauf des Nutzungsrechts zu verlängern.

• Die Angehörigen haben die Möglichkeit, eine Namenstafel über einen Steinmetzbetrieb zu erwerben. Die Größe der Namenstafel ist vorgegeben, die Gestaltung bleibt den Angehörigen überlassen.

• Bei den beiden Bestattungsformen handelt es sich um pflegefreie Bestattungsformen. Kerzen, Blumen und ähnliches dürfen nur auf den dafür vorgesehenen Plätzen abgestellt werden. Alle auf den Bestattungsflächen abgestellten Gegenstände werden von der Stadtverwaltung entfernt.

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