Aufzeichnungen eines Kolbermoorer Schulrektors: „Nazischriften nach Aibling gebracht“

Die Serie „Aufzeichnungen des Schulrektors 1944 bis 1948“ im Mangfall-Boten gibt einen Einblick, wie es den Kolbermoorer Schülern in jener Zeit erging. Die Unterlagen hat Anton Hamberger vom einstigen Rektor Georg Dobler (1922 bis 2016) bekommen. Die Einträge von 1945 bis 1948 stammen von Rektor Hanns Weigl.

Kolbermoor – Kein geregelter Unterricht war ab 1943/1944 mehr für die Schüler möglich: Schließlich war ein großer Teil der Mädchen- und Knabenschule anderweitig belegt: Im Mädchenschulhaus war die Wehrmacht untergebracht, in der Knabenschule unter anderem evakuierte Klassen aus München.

Ab Juni 1945 fand wieder der Unterricht statt, wenn auch nur in begrenztem Maße: Denn es standen nur zwei Klassenräume zur Verfügung. In den anderen Zimmern waren Flüchtlinge und Bombengeschädigte untergebracht.

9. Januar 1946

Knaben- und Mädchenschulhaus wieder ausschließlich im Dienst der Jugend. Abteilungsunterricht noch in der 7/8 Knabenklasse. Drei gemischte Klassen II, III und IV sind notwendig geworden. Schülerzahl ständig im Ansteigen. Mädchenabteilung erhält wieder eigene Leitung.

26. Januar 1946

Brennmaterial in ausreichendem Maße durch rechtzeitiges Eingreifen des Bezirksschulamtes und großzügiges Entgegenkommen der Gemeinde vorhanden. Keine Unterbrechung des Unterrichts.

25. Februar 1946

Alle Nazischriften nach Aibling gebracht. Neuordnung der Lehrmittelabteilung und der Lehrerbücherei.

17. März 1946

Beginn der Osterferien.

17. April 1946

Die zweitägige Verlängerung, Beginn sollte am Mittwoch 24. April sein, war notwendig, um eine gründliche Reinigung zu ermöglichen.

7. Juli 1946

Hochwasserkatastrophe. Dammbruch in der Aiblinger Au Häuser und Baracken müssen geräumt werden. In der Knabenschule müssen im Erdgeschoss drei Schulräume zur Verfügung gestellt werden, ebenso der Turnsaal im Mädchenschulhaus.

8. Juli 1946

Fast keine Kinder sind erschienen. Verschiedene Teile des Ortes unter Wasser und abgeschnitten. Wasser fällt aber bedeutend.

9. Juli 1946

Wieder normaler Unterricht. Alle besetzten Schulräume werden geräumt. Den Bemühungen von Bürgermeister, Gemeinderat und Schulleitung ist es gelungen, so rasch Abhilfe zu schaffen.

12. Juli 1946

Schulschluss. Um 9 Uhr Schlussgottesdienst, hernach Versammlung der Kinder vor dem Knabenschulhaus, Ansprache des Schulleiters mit der Ermahnung, die in den Schulhausgängen ausgehängten Merktafeln (1. Die Tiere sind meine Freunde! 2. Keine Woche ohne eine gute Tat! 3. Habe Ehrfurcht vor dem Alter! 4. Einmal in der Woche bin ich zu meiner Mutter besonders aufmerksam und artig!) auch in den Ferien zu beherzigen.

Dann Verteilung der Noten. Kurze Worte des Schulleiters an die Austretenden und Notenverteilung durch ihn an sie.

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