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Christian Wagner und Martin Roith im Interview

Siedlerfest im Kolbermoorer Norden: So will das 90-jährige Quartier die Energiewende angehen

Nur wenige Häuser in der alten Siedlung wie das Gebäude rechts erinnern noch an ihre Entstehung in den 1930er- oder 50er-Jahren. Damals waren die großen Grundstücke für die Selbstversorgung der Bewohner gedacht. Inzwischen wurde abgerissen, an- oder neu gebaut, und das Gebiet nachverdichtet.
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Nur wenige Häuser in der alten Siedlung wie das Gebäude rechts erinnern noch an ihre Entstehung in den 1930er- oder 50er-Jahren. Damals waren die großen Grundstücke für die Selbstversorgung der Bewohner gedacht. Inzwischen wurde abgerissen, an- oder neu gebaut, und das Gebiet nachverdichtet.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Die Siedler im Kolbermoorer Norden feiern ihr Siedlerfest. Dabei geht es ihnen nicht nur ums gesellige Beisammensein, sondern auch um ihre Zukunft, denn im fast 90-jährigen Quartier steht die Energiewende an.

Kolbermoor – Zum energetischen Quartierskonzept findet am Samstag, 20. August, um 17 Uhr, eine Informationsveranstaltung statt. Die OVB-Heimatzeitungen sprachen vorab mit Christian Wagner, dem Vorsitzenden des Siedlungsvereins, und mit dem Kolbermoorer Klimaschutzmanager Martin Roith.

Die alte Siedlung ist fast 90 Jahre alt. Wie ist sie entstanden?

Christian Wagner: Im Jahr 1933 hat das Tonwerk den Familien Grundstücke von 2000 Quadratmetern zur Verfügung gestellt, damit sie ein Haus bauen und sich mit Kleintierhaltung sowie Obst- und Gemüseanbau autark versorgen können. So entstand die alte Siedlung. 1952 hat auch die Spinnerei ein Grundstück für den Aufbau einer Siedlung bereitgestellt, und so wurde mit derselben Grundidee die neue Siedlung gebaut.

89 Jahre später ist von den einst großen Grundstücken kaum mehr etwas zu sehen.

Christian Wagner: Es gibt nur noch vereinzelte Häuser mit dem typischen Spitzdach, Schuppen und großen Grünflächen oder Gärten aus dieser Zeit. Inzwischen sind die Erbauer der Eigenheime verstorben, drei oder gar vier Generationen nachgewachsen. Viele Häuser aus den 30er-Jahren wurden abgerissen, an ihrer Stelle neue, moderne Gebäude errichtet. Andere wiederum wurden umgebaut und vergrößert. Auf den Grundstücken entstanden weitere Häuser, um für Kinder und Enkel Wohnraum zu schaffen. Die Siedlung ist stark nachverdichtet worden.

Hat die besondere Gemeinschaft der Siedler nach der Devise „Hilfst Du mir, helf ich Dir“ die Jahre überdauert?

Christian Wagner: Ja, das auf jeden Fall. Unsere Gemeinschaft ist noch immer sehr familiär. Man kann sich zwar heute nicht mehr beim Hausbau gegenseitig helfen, dafür aber bei kleineren Dingen. Wir haben immer noch einen Geräteschuppen mit Betonmischer, Rüttler und anderen Geräten für die Siedlergemeinschaft. Und während des Lockdowns haben wir für unsere betagten Siedler natürlich auch eingekauft.

Diese Gemeinschaft soll nun auch in ein energetisches Quartierskonzept einfließen?

Christian Wagner: Wir hatten schon vor Jahren die Idee, uns über Möglichkeiten zur Umstellung auf erneuerbare Energien zu informieren. Durch die Corona-Pandemie ist unsere Initiative eingeschlafen, deshalb wollen wir sie jetzt gemeinsam mit der Stadt wiederbeleben.

Wie die Siedlungsgebiete im Kolbermoorer Norden zu einem energetischen Konzept kommen, erklären Christian Wagner (links) und Martin Roith am Samstag, 20. August, ab 17 Uhr auf dem Siedlerfest.

Wie ist der Status quo der Energieversorgung?

Christian Wagner: Es geht vor allem um die Wärmeerzeugung. Da haben alle Hauseigentümer seit Bestehen der Siedlung schon mindestens viermal modernisiert, denn in den Anfangsjahren wurde hier mit Torf geheizt. Heute haben viele der Bestandsgebäude Ölheizungen. Die Neubauten sind teilweise schon Passivhäuser mit einem geringen Wärmebedarf und modernen Heizungen.

Martin Roith: Ein Ziel des energetischen Quartierskonzeptes ist es, den aktuellen Stand der Wärme- und Stromversorgung sowie der energetischen Sanierung der Gebäude zu ermitteln. In den beiden Siedlungen besteht in Sachen Klimaschutz Handlungsbedarf, auch wenn es neue Häuser gibt, die bereits mit Erd- oder Luftwärmepumpen, mit Solarthermiekollektoren oder Pellets heizen.

Wie wollen Sie Hunderte Eigentümer dazu bringen, ihre Häuser zu sanieren und in neue Heizungen zu investieren?

Christian Wagner: Angesichts der aktuellen Energiekrise war das Thema nie so aktuell wie heute. Fakt ist auch, dass Ölheizungen, die älter als 30 Jahre sind, ausgetauscht werden müssen. Zudem soll nach dem Klimapaket der Bundesregierung der Einbau neuer Ölkessel ab 2026 nicht mehr erlaubt sein. Allein diese Fakten erklären den privaten Handlungsbedarf. Und ich weiß, dass das Interesse an diesem Thema groß ist.

Martin Roith: Es geht uns vor allem um jene Menschen, die gerade kurz vor einer Investition stehen. Mit unserem Quartierskonzept wollen wir aufzeigen, welche Investitionen langfristig Sinn machen. Es geht dabei um die energetische Sanierung der Gebäude, um Heizungen auf Basis erneuerbarer Energien und um mögliche Wärmenetze. Ziel ist es, den Energieverbrauch in der Siedlung zu senken.

Geht dann ein Energieberater von Haus zu Haus?

Martin Roith: Nein, nicht im ersten Schritt im Rahmen der Konzepterstellung. In der Phase der Umsetzung des Konzeptes ist dies denkbar. Sobald unser Förderantrag für das Konzept bewilligt ist, werden wir mit Fragebögen den Ist-Zustand und damit die Potenziale für Energieeinsparung ermitteln. Dabei geht es beispielsweise um das Alter des Hauses, die Geometrie, Dachform oder Dämmung. Wesentlich ist auch, ob das Haus unterkellert ist, ob es freisteht oder ob es sich um ein Reihenhaus handelt. Wir fragen nach dem konkreten Strom- und Wärmeverbrauch, ob und wie erneuerbare Energien bereits genutzt werden. Eine wichtige Frage ist auch die nach der persönlichen Sanierungsbereitschaft.

Christian Wagner: Mit dem Quartierskonzept wollen wir auch ermitteln, ob und welche Modernisierungen eventuell schon geplant sind oder ob Interesse an einer gemeinsamen Wärmeversorgung besteht.

Welche gemeinsamen Modelle schweben Ihnen denn vor?

Christian Wagner: Das wird sich im Verlauf der konzeptionellen Arbeit in den Arbeitsgruppen unserer Siedler zeigen. Vielleicht ist das Interesse an Fernwärme so groß, dass der Norden erschlossen wird. Vielleicht finden sich Nachbarn, die sich eine Wärmequelle teilen wollen. Wir sind komplett ergebnisoffen.

Martin Roith: Konkrete Projekte werden mit dem Konzept entstehen. Es ist ein Prozess, in dessen Verlauf durch die Gespräche mit den Hauseigentümern Lösungen entwickelt werden können. Dabei geht es neben der Energie-Effizienz auch um Mobilität, grüne Infrastruktur, Barrierefreiheit und Generationenwechsel. Es ist eine große Herausforderung, das ganze Quartier energetisch zu sanieren.

Was ist mit Menschen, die sich keine Investition leisten können?

Martin Roith: Das Quartierskonzept ist ein Angebot. Wir wollen die Menschen auf dem Weg zu einer klimaneutralen Stadt mitnehmen. Alles ist freiwillig. Es ergibt sich daraus keine Sanierungspflicht.

Siedlerfest am Wochenende

Der Siedlungsverein Kolbermoor lädt zum Siedlerfest am Siedlerplatz ein. Das Fest findet bei jedem Wetter statt. Am Freitag, 19. August, geht es um 18 Uhr mit dem traditionellen Kesselfleischessen los. Es spielen die „Vier Jungen Hinterberger“.

Aufbau für das Siedlerfest.

Am Samstag, 20. August, findet um 17 Uhr eine Informationsveranstaltung zur Erstellung des neuen Energiekonzepts für die Siedlung statt. Ab 18 Uhr startet dann das Fest: Es gibt Spezialitäten vom Grill. Für die musikalische Unterhaltung sorgen die „Gentlemen“.

Am Sonntag, 21. August, um 9 Uhr gibt es einen Feldgottesdienst mit anschließendem Frühschoppen. An allen Tagen werden Bier vom Fass, ausgesuchte Weine und alkoholfreie Getränke angeboten.

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