„Alleinstehende besonders isoliert“

Der Kontakt der Kolbermoorer Seniorenbeschränkt sich derzeit aufs Telefon, heißt es bei der AWO Kolbermoor. DPA

Kolbermoor – Kein Ratsch, kein Kaffeekränzchen, kein Kegeln, kein Spielenachmittag: Viele alleinstehende Kolbermoorer Senioren sind durch die Corona-Krise  isoliert.

Schließlich sind derzeit alle Veranstaltungen abgesagt.

„Es ist schwer für sie. Sie können ja nicht den ganzen Tag Fernsehschauen  und Radio hören“, sagt Katharina Nebauer, Vize-Vorsitzende der Kolbermoorer Arbeiterwohlfahrt (AWO). Auch die AWO hat ihre Treffen abgesagt: Kegeln an jedem Montag und der Spielenachmittag samt Mittagessen, der alle 14 Tage dienstags stattfindet, sind beispielsweise abgesagt. Jetzt hat Nebauer auch die Fahrt zu den Osterbrunnen nach Franken Mitte April storniert. „Es hilft ja nichts“, sagt sie. An die viele Zeit, die sie in die Organisation gesteckt hat, mag sie gar nicht denken. „Aber es ist nicht zu ändern.“

Nebauer kann die Maßnahmen voll und ganz nachvollziehen, ist dennoch traurig über die momentanen Umstände. Aber:  „Ich kann ja nicht zu denen sagen, die gesund sind, wir treffen uns trotzdem“, sagt sie und deshalb beschränken sich die derzeitigen Kontakte ausschließlich aufs Telefon, das bei Nebauer oft klingelt. Und dann werde geratscht.

Aber wer ist am schlimmsten betroffen? „Die, die alleine leben, die sind ja wirklich isoliert.“

Aber nicht nur die Senioren, die AWO-Angebote wahrnehmen, sind betroffen: Sondern auch die, die Teil des gemeinsamen Besuchsdienstes der Kolbermoorer Nachbarschaftshilfe und der Kirchen der Stadt sind.

„Das Angebot ist zum Erliegen gekommen“, sagt Gabriele Endter auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. Seitens der Stadtkirche bestätigt das auch die Pastoralreferentin Monika Langer. Schließlich gelte es jetzt, die älteren Menschen zu schützen.

Vor rund einem Jahr haben sich die katholische und die evangelische Kirchengemeinde mit der Nachbarschaftshilfe entschlossen, etwas für einsame Senioren der Mangfallstadt zu tun. Seither gibt esdieses Angebot – rund zwölf Kolbermoorer, die die älteren, einsamen Bürger besuchen, sind dabei. Es wird geratscht, Kaffee getrunken und spazieren gegangen. „Von einigen Helfern weiß ich, dass sie sich mit den Senioren telefonisch kurzgeschlossen haben und die Treffen verschoben haben“, erklärt Endter, die auch an die „einsamen, alleinstehenden Bürger, die in Pflegeheimen leben“ denkt. Auch im Bürgerhaus sind alle Veranstaltungen abgesagt: Kuchenbacken inklusive  Kaffeenachmittag, das Seniorenkino im Rathaus und  das gemeinsame Kochen. Anstelle dessen hat die Leiterin Dagmar Badura jetzt einen Einkaufslieferdienst für Risikogruppen auf den Weg gebracht. Wer Hilfe beim Einkaufen benötigt, meldet sich bei Badura unter Telefon 0 80 31/2 31 92 57.

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