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Von Schnurrbaum bis Kuchenbaum

Aha-Erlebnisse beim Stadtrundgang - Von Baum zu Baum durch Kolbermoor

Jürgen Halder vom städtischen Bauamt erklärt, warum am Edmund-Bergmann-Platz heute ein Tulpenbaum steht anstatt wie einst eine Trauerweide. Thomae
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Jürgen Halder vom städtischen Bauamt erklärt, warum am Edmund-Bergmann-Platz heute ein Tulpenbaum steht anstatt wie einst eine Trauerweide. Thomae
  • VonJohannes Thomae
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Einblicke in das Leben der städtischen Bäume gab Jürgen Halder. am vergangenen Samstag bei einer Führung, organisiert vom Katholischen Bildungswerk Rosenheim. Doch was steckt hinter dem besonderen Rundgang durch Kolbermoor und kann man eigentlich mit einem Baum per Du sein?

Kolbermoor – „Man glaubt es kaum“, sagte eine Dame, „jetzt sind wir in Kolbermoor, mitten in der Stadt und hier gibt es mehr verschiedene Bäume als draußen in der freien Natur“. Das ist kein Wunder, denn in der Stadt gibt es jemand, der für diese Vielfalt sorgt: Jürgen Halder. Er gab am vergangenen Samstag bei einer Führung, organisiert vom Katholischen Bildungswerk Rosenheim, Einblick in das Leben der städtischen Bäume.

Über 4000 davon gibt es in Kolbermoor, doch auf dem Rundgang gewann man den Eindruck, Jürgen Halder kenne jeden einzelnen von ihnen nicht nur persönlich, sondern er sei mit ihm per Du.

Pflanzung sogar ein Thema für Stadtrat

Etwa mit dem Baum am Edmund-Bergmann-Platz. Es ist ein Tulpenbaum, der seit etwa fünfzehn Jahren dort steht und der bei seiner Pflanzung sogar ein Thema für den Stadtrat war. An seiner Stelle stand nämlich ursprünglich eine Trauerweide, für viele Kolbermoorer zu einem lieb gewordenen Anblick, fast schon zu einem Wahrzeichen geworden. Die Weide war allerdings von einem Pilz befallen und musste gefällt werden. Die Frage war, was an ihre Stelle setzen: Wieder eine Trauerweide?

Schnurbäume am Carl-Daniels-Platz.

Keine gute Lösung argumentierte Jürgen Halder damals, Weiden brauchen viel Wasser, das der Baum an dieser Stelle mittlerweile eigentlich nicht mehr hat, zudem laugen sie den Boden aus. Eine Dorflinde stattdessen, wie der Gartenbauverein vorschlug? Auch nicht optimal, Linden haben Läuse, deren Ausscheidungen alles, was unter dem Baum ist klebrig und schwarz werden lässt.

Wo stehen in Kolbermoor die Gingkobäum?

So kam es, dass dort heute der vergleichsweise pflegeleichte Tulpenbaum steht und er zeigt, wie viel Überlegung nicht nur hinter ihm, sondern eigentlich bei allen Bäumen in der Stadt steckt. Das gilt nicht zuletzt für alle Neupflanzungen, etwa entlang der Rosenheimer Straße beim Rathaus. Dort stehen Gingkobäume. Bei der Auswahl der dortigen Bepflanzung war nämlich nach einer Baumart zu suchen, die gut mit den Standortbedingungen, zum Beispiel der Hitzerückstrahlung des Straßenbelags, zurechtkommt. Auch sollten die Bäume dort vergleichsweise lichtes Laubwerk haben, um den Wohnungen in den Straßenhäusern noch einen Durchblick zu gestatten.

Seit der Führung wissen ihre Teilnehmer, warum entlang der Rosenheimerstraße Gingkobäume stehen.

Was die Mittelinsel im „neuen“ Teilstück der Rosenheimer Straße anbelangt, so hätte Jürgen Halder, wie er erzählte, am liebsten eine durchgängige Begrünung gehabt. Das war aber aus Verkehrsplanungsgründen nicht möglich: die Insel soll ja vor allem auch eine leichtere Überquerung ermöglichen, also begehbar bleiben und befahrbar auch: Sie darf im Falle des Falles für Einsatzfahrzeuge von Feuerwehr und Polizei sowie Rettungswägen kein Hindernis darstellen.

26 Teilnehmer bei der Stadtführung in Kolbermoor

Die Grünplanung in der Stadt, das lernten die sechsundzwanzig Teilnehmer der Führung hier, hat auf die unterschiedlichsten Belange Rücksicht zu nehmen. Sie erfuhren so auch, warum der Rathausplatz im Moment noch „kahl“ ist, wissen aber seit der Führung ebenfalls, wie er in Zukunft aussehen wird.

Ohne Baum ist er im Moment, weil die Akazien, die bislang dort standen, für den Standort eigentlich nicht geeignet sind: Ihre Äste sind bei Schneebelastung stark bruchgefährdet, ihre Rinde platzt bei starker winterlicher Sonnenbestrahlung auf, der Baum damit anfällig für jeden Pilzbefall. In naher Zukunft, das heißt bereits in den nächsten Wochen, werden dort Schnurbäume stehen und wie schön diese sind, war beim weiteren Rundgang am Carl-Daniels-Platz zu erleben: dort steht nämlich ein bereits ausgewachsenes Exemplar.

Aha-Erlebnisse beim Rundgang

Und noch ein Aha-Erlebnis bot der fast dreistündige Rundgang: Wie viele Grünzonen Kolbermoor eigentlich hat. Im Alltag werden sie meist als selbstverständlich hingenommen, dabei steckt auch hier in jedem Baum viel Überlegung.

In den Grünzonen verjüngt Jürgen Halder den Bestand meist mit einheimischen Bäumen, achtet bei der Auswahl nicht zuletzt auch auf das Farbenbild, das sie vor allem im Herbst abgeben: Bunt soll es sein und doch in stimmiger Harmonie. Und selbst auf persönliche Eigenheiten der Anlieger wird Rücksicht genommen, zumindest wenn man von königlichem Geblüt ist: König Ludwig II ist auf seinem Sockel an der Hasslerstraße von zwei Rotbuchen umrahmt, rings um ihn finden sich aber auch Blauglockenbäume, Trompetenbäume und auch Lampionbäume: „Diese Umgebung“, so Jürgen Halder, „hätte „dem Kini“ bestimmt gefallen“.

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