Abrissballett der Riesen – Südteil der Kolbermoorer Tonwerksunterführung ist Geschichte

Die Bagger beim „Abriss-Ballett“:Binnen drei Stunden ist von der Unterführung kaum noch etwas zu sehen. Vorn rechts im Bild ragen aus der „Arbeitsplattform“ einige Köpfe der 13 Meter hohen Spundwände heraus, die tief unter das ehemalige Straßenniveau gedrückt wurden. Thomae

Mehr als dreißig Jahre schon beschäftigt sich Kolbermoor mit einer neuen Tonwerksunterführung. Fast ein Jahrhundertbauwerk also, bedenkt man die Bauzeit von knapp zwei Jahren: So stellte sich die Frage, ob die Arbeiten tatsächlich je beginnen würden. Nun ist die südliche Unterführung Geschichte.

Kolbermoor – Dreißig Jahre schon beschäftigt man sich in Kolbermoor mit dem Bau einer neuen Tonwerksunterführung. Dem Gefühl nach also ein Jahrhundertbauwerk, wenn man bedenkt, dass die Planungen von einer Bauzeit von knapp eineinhalb Jahren ausgehen: Und so stellte sich die Frage, ob die Arbeiten tatsächlich je beginnen und fertig würden.

Abriss in rasanter Geschwindigkeit

Vor diesem Hintergrund sah sich der Beobachter am vergangenen langen Wochenende in einen Film mit schnellem Vorlauf versetzt, denn in geradezu rasender Geschwindigkeit wurde dem Südteil der alten Unterführung nun tatsächlich der Garaus gemacht.

Erdwall als Arbeitsplattform

Schon im Laufe des Donnerstags war sie von der Haßlerstraße aus nicht mehr zu sehen, die Unterführung war hinter einem enormen Erdwall verschwunden, mit dem auf der Höhe der Bahntrasse eine ausgedehnte Arbeitsplattform geschaffen wurde.

Freitagabend greifen die Bagger ein

Am Freitagabend setzte der Bagger dann zum ersten Mal an. Am Ende seines Auslegers war eine Art überdimensionaler Presslufthammer montiert. Das mag dauern, dachte man sich da noch, doch dann griff ein zweiter Bagger mit ein, und keine drei Stunden später war die Betondecke der Unterführung bereits vollkommen weg. Auch von ihren seitlichen Wänden waren nur noch spärliche Reste zu sehen.

Perfekte Choreografie

Der ganze Abriss schien wie ein Ballett der beiden Riesengeräte: Ein Bagger hämmerte, der andere entfernte mit einer überdimensionalen Schere die freigelegte Eisenarmierung der Brücke. Zwischendurch verluden beide den angefallenen Schutt auf Lastwagen. Das Ganze in perfekter Choreografie, ohne dass sich die beiden Riesen – die nah beieinander standen – mit ihren Auslegern in die Quere gekommen wären.

Spundwände sichern Baustelle

Zeitgleich wurden weitere Spundwände gesetzt – eine Arbeit, mit der schon am Vormittag begonnen worden war, und die auch am Samstag fortgesetzt wurde. Diese Spundwände bestehen aus einzelnen ineinander verzahnten Stahlteilen, die den zukünftigen Baustellenbereich am Bahndamm und an den Seiten vor nachrutschendem Erdreich und auch vor Grundwasser absichern sollen.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Auch hier ging es zu wie beim Brezenbacken. Die 13 Meter hohen Stahlelemente verschwanden eins nach dem anderen im Boden. Sie wurden von einem Spezialgerät überraschend schnell durch die aufgeschüttete „Arbeitsplattform“ hindurch und tief in das darunter liegende ehemalige Straßenniveau gedrückt.

Trennlinie zwischen Nord und Süd

Der Arbeitsabschnitt, der mit am längsten dauerte und auch eine wesentliche Voraussetzung für den eigentlichen Abriss darstellte, war dagegen optisch eher unscheinbar: Die Trennung des südlichen vom nördlichen Unterführungsteil.

Bahnbetrieb noch einspurig möglich

Dabei musste die Trennungslinie so gesetzt werden, dass der südliche Gleisverlauf bestehen bleibt, um einen einspurigen Bahnbetrieb zu ermöglichen. Zum Einsatz kam dabei eine Seilzugsäge. Der südliche Unterführungsteil wurde buchstäblich abgeschnitten. Ein Vorgang, der sich am Freitag über mehrere Stunden hinzog. Unter anderem auch, weil zu Beginn das Steuergerät der Säge ausgefallen und ersetzt werden musste.

Straffer Zeitplan unterboten

Dennoch gelang es, wie Polier Mario Koller letztlich feststellen konnte, den Zeitplan insgesamt nicht nur zu halten, sondern ihn sogar noch zu unterbieten: Eine Tatsache, die ihn mehr als zufrieden stimmte, „denn bei diesem Bauabschnitt lag die eigentliche Herausforderung in der genauen Einhaltung des Zeitplans“.

Das könnte Sie auch interessieren:

Aus Maibock wird Desinfektionsmittel: Kolbermoorer Brennerei verwertet Flötzinger-Starkbier

Kolbermoor: Feuerwehr befreit Esel aus Reifen – nun musste das Tier eingeschläfert werden

Kommentare