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Anwohner wegen Rauchentwicklung besorgt

64 Kameraden in schweißtreibendem Einsatz: Warum in Pullach bewusst Brände gelegt werden

Dicker, brauner Rauch steigt aus dem Brandübungscontainer auf.
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Dicker, brauner Rauch steigt aus dem Brandübungscontainer auf.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Dicker, brauner Rauch steigt über dem Gelände der Feuerwehr Pullach auf. Am Freitagmittag, 26. August, brannte es hier wieder lichterloh. In der vergangenen Woche wurden insgesamt neun Brände gelegt. Das steckt dahinter.

Kolbermoor – Der Qualm dringt aus dem Brandübungscontainer, in dem Kameraden den Einsatz mit Atemschutzgeräten trainieren. Draußen brennt die Sonne bei 30 Grad. Drinnen lodert das Feuer. 600 Grad Celsius sind am Brandherd.

Der Qualm und züngelnde Flammen ziehen keine 80 Zentimeter über die Kameraden hinweg, die am Boden knien. „Alle sind ausgebildete Atemschutzgeräteträger“, erklärt Christoph Meierdierks, Kreisbrandmeister für den Fachbereich Atemschutz.

Erfahrungen für den Ernstfall

Mehr als 2000 Atemschutzgeräteträger leisten bei den Feuerwehren des Landkreises Rosenheim ihren ehrenamtlichen Dienst. Sie haben dafür nach der Grundausbildung in ihrer Freizeit einen speziellen Lehrgang absolviert und müssen ihre Tauglichkeit jährlich auf der Atemschutzstrecke nachweisen. „Heute trainieren sie unter realen Bedingungen, denn sie müssen wissen, wie sich ein Brand entwickelt, wie die Rauchgase ihre Farbe verändern, wann es zu einer Rauchgasdurchzündung kommen kann und welche Auswirkungen die Wasserabgabe auf Feuer und Rauch hat“, verdeutlicht Meierdierks die komplexen Aufgaben.

Einsatz beendet: Anstrengende 20 Minuten im Brandcontainer liegen hinter den Kameraden. Doch nach dem schweißtreibenden Einsatz kann die Montur nicht einfach vom Körper gerissen werden. Kontaminierte Schutzkleidung und Masken müssen vorschriftsmäßig abgelegt werden, bevor sie in der Feuerwehr Kolbermoor gewaschen werden.

„Durch diese Sicherheitstrainings und Einsatzerfahrungen können die Kameraden beim Eintreffen am Brandobjekt beispielsweise schon an der Farbe des Rauches erkennen, ob ein Flashover unmittelbar bevorsteht oder ob noch ein Atemschutztrupp ins Gebäude eindringen kann“, beschreibt Josef Hoffmann, Kommandant der Pullacher Wehr.

Anwohner reagieren besorgt auf Rauch

In Kooperation von Bayerischem Innenministerium, Landesfeuerwehrverband und der Dräger-Akademie werden den Feuerwehren Trainings angeboten. Eine Woche lang stand der Brandübungscontainer deshalb jetzt in Pullach. „Wir konnten 64 Kameraden weiterbilden“, bilanziert der Kreisbrandmeister.

In Vollmontur und mit Atemschutzgeräten verfolgen die Kameraden im Container die Entwicklung von Feuer und Rauch.

Anfangs sorgten die dunklen Rauchwolken für ein wenig Aufregung bei den Anwohnern. „Wir hatten in den ersten Tagen eine ungünstige Wetterlage, da hat es den Qualm Richtung Pullach gedrückt“, bedauert Kommandant Hoffmann. Also wurde ein großer Ventilator aufgestellt, um die Rauchschwaden aufzulösen. „Trotzdem ist die Lage der Pullacher Feuerwache günstiger als bei anderen Wehren, die direkt in den Ortszentren sind. Hier ist die Bebauung mindestens 500 Meter weg“, begründet der Kreisbrandmeister die Auswahl des Standortes.

Während die Anwohner den Brand vor allem rochen, saßen die Kameraden der Wehren mittendrin. „Im Container wird ein Holzfeuer entfacht, damit wir den Brandverlauf und seine Phänomene beobachten können“, beschreibt Seminarleiter Marco Höhn von der Werkfeuerwehr der ZF Friedrichshafen AG in Schweinfurt. In ihrer Schutzausrüstung mit Vollmaske und Pressluftamter klettern neun Kameraden zu ihm in den Container. „Solch ein Einsatz ist eine enorme körperliche Belastung“, erklärt Meierdierks. „Die Ausrüstung wiegt etwa 30 Kilo. Zur dicken, isolierten Schutzkleidung, dem eingeschränkten Sichtfeld und dem Atmen mit Maske kommt die körperliche Arbeit beim Einsatz hinzu.“

Schutzkleidung und Atemschutzgeräte werden vor dem Einsatz gemeinsam angelegt und gewissenhaft kontrolliert.

Wie bei einem normalen „Innenangriff“ auch, ist draußen ein Sicherheitstrupp in Bereitschaft. „Der Rauch ist das Gefährlichste“, erklärt der Fachbereichsleiter Atemschutz: „Bei einem Wohnungsbrand mit modernen Möbeln aus verschiedenen Kunststoffen enthält er eine Vielzahl hochgiftiger und hochbrennbarer Gase.“

Dicht am Feuer und mitten im Rauch wird mit Ausdauer geübt.

Von außen beobachtet der Sicherheitstrupp, wie der Rauch anschwillt und an der Decke entlangkriecht. Flammen züngeln.

Körperlich enorm belastender Einsatz

„Jetzt muss der Rauch mit Sprühstößen abgekühlt werden, damit es nicht zu einer Rauchgasdurchzündung kommt und alles in Flammen steht“, erklären die Profis den Ablauf. Nach 20 schweißtreibenden Minuten ist die Übung beendet. „Es war spannend, die Flammen und Rauchschichten vom Entstehen bis zum Vollbrand zu beobachten, auch die Wärmeunterschiede zu spüren“, beschreibt Moritz Jung von der Pullacher Wehr. Er ist komplett durchgeschwitzt: „Wenn man Sprühstöße setzt und sich Wasserdampf entwickelt, wird es extrem heiß“, sagt er.

Auch wenn die Kleidung vor hohen Temperaturen schützt, spüren die Einsatzkräfte zur eigenen Körperhitze auch die Außentemperatur. „Man schwitzt extrem“, beschreibt Moritz. Nina Schrank, Kolbermoorer Jugendwartin und seit 20 Jahren bei der Feuerwehr aktiv, hat zum wiederholten Mal an der dreistündigen Ausbildung teilgenommen. „Man lernt immer wieder etwas dazu, im theoretischen und im praktischen Teil“, resümiert sie den Einsatz. Am Ende sitzen alle erschöpft auf der Wiese am Gerätehaus. Sie schnaufen durch, erfrischen sich und werten die Übung aus.

Geschafft und zufrieden: Seminarleiter Marco Höhn (Dritter von links) wertet die Übung mit den Teilnehmern aus.

Kreisbrandmeister Christoph Meierdierks spricht das aus, was für alle Kameraden selbstverständlich ist: „Ich danke Euch für Euer Ehrenamt, denn das ist nicht mehr selbstverständlich in Deutschland.“ Wie so oft haben sie auch für diesen Einsatz frei oder Urlaub genommen, um sich für ihren ehrenamtlichen Dienst bei der Feuerwehr fit zu halten. „Wenn es irgendwo brennt, der Keller vollgelaufen ist oder technische Hilfe gebraucht wird, erwarten die Leute professionelle Hilfe“, betont der Kommandant: „Dafür brauchen wir Training.“

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