ABBRUCH IN DER NACHT ZUM OSTERMONTAG

Aus für den Kleppersteg

Spezialkräne werden in der Nacht zum Ostermontag bei der Demontage des Klepperstegs im Einsatz sein. Aerzbäck
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Spezialkräne werden in der Nacht zum Ostermontag bei der Demontage des Klepperstegs im Einsatz sein. Aerzbäck

In der Nacht auf Ostermontag verschwindet ein Stück Rosenheimer Geschichte. Der Kleppersteg wird abgerissen. Über 60 Jahre bestand die Fußgängerbrücke über den Gleisen am Rosenheimer Bahnhof. Im Rahmen einer aufwendigen Aktion wird der Steg abgerissen. Die Bahn rechnet mit vielen Schaulustigen.

Rosenheim – Wenn der letzte Zug am Ostersonntag gegen 24 Uhr am Rosenheimer Bahnhof angekommen ist, geht es erst so richtig los in dieser Nacht. In einer rund sieben Stunden langen, präzise geplanten Aktion wird der tonnenschwere Kleppersteg abgerissen. Zwei Spezialkräne heben die Fußgängerbrücke nacheinander über die Oberleitungen hinweg auf das Areal nördlich beziehungsweise südlich des Bahngeländes. Der rund 140 Meter lange Steg wird in fünf große Teile geteilt.

Da die Arbeiten über dem Gleisbereich stattfinden, wird nach Angaben eines Bahnsprechers zuerst der Strom in den Oberleitungen abgeschaltet. Sobald der „Saft“ weg ist, beginnt der im Norden positionierte Kran – er ist mit einem Ausleger von rund 78 Metern Länge der größere der beiden – mit dem Ausheben des mittleren Teilstücks. Das soll gegen 1 Uhr der Fall sein.

Anschließend arbeiten die Hebemaschinen parallel von beiden Seiten weiter – eine ganz besondere Herausforderung auch für erfahrene Kranführer. Insgesamt sorgen laut Bahnangaben rund 50 Mann für einen geregelten Ablauf in dieser Nacht. Da runter sind auch einige Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes, den die DB beauftragt hat. Denn das Unternehmen rechnet mit vielen Schaulustigen und etlichen Hobbyfotografen aus der ganzen Region Rosenheim, die sich das Spektakel nicht entgehen lassen wollen. Die Baustelle wird großräumig und leistungsstark ausgeleuchtet. Grundsätzlich sind Bahnhof und Bahnsteige zwar wie in jeder normalen Nacht zu den regulären Öffnungszeiten begehbar. Die zusätzlichen Sicherheitskräfte sollen aber die Leute etwas im Zaum halten, heißt es. Die abgesperrten Baustellenbereiche sind tabu.

Fernverkehr eingeschränkt

Da der Fernverkehr aufgrund der Großbaustelle zwischen Rosenheim und Übersee (wir berichteten) in der Nacht auf Ostermontag sowieso eingeschränkt ist, kommt es zu keinen zusätzlichen Zugausfällen. Lediglich im Nahverkehr müssen die Fahrgäste der letzten Verbindungen mit Behinderungen rechnen. Der Meridian setzt einen Schienenersatzverkehr mit Bussen ein, da der Bahnhof mit Beginn des Abbruchs auf dem Schienenweg nicht mehr angefahren werden kann. Die Nachtzüge der ÖBB werden zudem umgeleitet.

Spätestens um 7 Uhr früh am Ostermontag müssen die Arbeiten beendet sein. Denn dann rollt der Personen- und Güterverkehr wieder mitten durch Rosenheim. Für eventuelle Unwägbarkeiten lässt der eng getaktete Abrissplan deshalb keine Zeit.

Mit den Konzeptionen der umfangreichen Maßnahme hat die Bahn bereits im Januar begonnen. Weggefallen sind deshalb auch viele Parkplätze auf der Südseite der Gleise. Das Unternehmen bittet noch bis Ende des Monats alle Pendler, möglichst auf andere Verkehrsmittel umzusteigen. Für die zur Herstellung der Aufstellfläche zu rodenden Bäume gibt es nach Bauende Ersatzpflanzungen.

Der Kleppersteg war rund 50 Jahre lang die einzige Fußgängerverbindung zwischen den Bereichen nördlich und südlich des Bahnhofs. Der Vorgänger des jetzigen Modells war bereits im Jahr 1891 erbaut worden, fiel aber den Bombenangriffen im Jahr 1945 zum Opfer.

1954 entschied man sich schließlich für einen Ersatzbau.

Die Deutsche Bahn, die Stadt Rosenheim und die Klepperwerke hatten sich damals die Kosten für den Bau des später viel genutzten Stegs geteilt. Mit der Eröffnung der parallel verlaufenden Unterführung im Frühjahr 2010 verlor er seine zentrale Bedeutung.

Ein Ersatz, quasi ein Kleppersteg der dritten Generation, ist aber bereits in Planung. Im Rahmen der weiteren Entwicklung des nördlichen Bahnhof-Areals in Rosenheim soll ein neuer Steg zwischen der Kreuzung Münchener Straße/Luitpoldstraße und der Einmündung der Kunstmühlstraße in die Enzenspergerstraße entstehen, der auch von Radfahrern gut genutzt werden kann.

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