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"So kann man mit uns nicht umspringen"

Straßen- und Zugverkehr wie hier am Brenner verursachen auch im Inntal viel Lärm. Politiker auf allen Ebenen ziehen an einem Strang und wollen mehr Lärmschutz für die Schiene - egal, ob für die neue Trasse oder für die Ertüchtigung der Bestandsstrecke. Foto ammelburger
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Straßen- und Zugverkehr wie hier am Brenner verursachen auch im Inntal viel Lärm. Politiker auf allen Ebenen ziehen an einem Strang und wollen mehr Lärmschutz für die Schiene - egal, ob für die neue Trasse oder für die Ertüchtigung der Bestandsstrecke. Foto ammelburger

Auch einen Tag nach der Pressekonferenz zum Ausbau der Zulaufstrecke zum Brennerbasistunnel (BBT) durchs Inntal hat sich die Stimmung bei Landrat Wolfgang Berthaler nicht entscheidend gebessert. Wie berichtet, soll die Kapazität auf dieser Strecke von aktuell 180 auf 300 Züge pro Tag erhöht werden.

Aber Berthaler hat ein Ass im Ärmel. "Am kommenden Dienstag wird Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) die Region besuchen. Dann werde ich ihn zu einem Verkehrsgipfel einladen."

Rosenheim/Landkreis - Sollte Dobrindt für seinen Parteifreund in den folgenden zwei Monaten Zeit finden, sei alles in Ordnung, ansonsten "werden wir uns hier Maßnahmen einfallen lassen, um auf uns aufmerksam zu machen", so der Landrat. Das klingt dann eher nach einer Drohung und ist wohl auch so gemeint. Denn es sei inzwischen nicht mehr "fünf vor zwölf", sondern bereits "zwölf Uhr", was den zeitlichen Ablauf des Streckenausbaus betreffe. Seit vielen Jahren wird im Inntal mehr Bewegung bei der Bahn gefordert, nun soll die neue Trasse geschlagene zehn Jahre nach Inbetriebnahme des BBT fertig werden. "Das können wir so nicht hinnehmen", meint der Landrat geladen. Denn bis die Trasse im Jahr 2036 fertig wird, muss das vermehrte Zugaufkommen über die Bestandsstrecke laufen.

In einer ähnlichen Gemütslage befindet sich derzeit offensichtlich auch Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer. "Ich bin in den Vorgesprächen mit der Bahn am Montag etwas in Rage geraten. Das bitte ich zu entschuldigen", sagt sie höflich. Doch in der Sache sei sie immer noch "auf der Palme". "Uns wurde ein Ergebnis präsentiert, das keines ist." 300 Züge täglich ohne ausreichenden Lärmschutz: Wie könne man so mit 40000 Menschen im Inntal und 60000 Rosenheimer umspringen, schimpft sie im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Sie fordert beim Lärmschutz den "gleichen Standard wie in Tirol", also Einhausung und Bergdurchstiche. Keinesfalls will sie hohe Mauern gegen den Bahnlärm errichten. "In Berlin haben wir sie eingerissen, in Rosenheim und im Inntal bauen wir sie wieder auf. Das kann doch nicht sein", sagt sie. Sie will für das Verursacherprinzip kämpfen. Das bedeutet, dass die Bahn für den Lärmschutz sorgen muss.

"Sturm laufen" will die Oberbürgermeisterin, falls die neue Trasse vor der Stadt Richtung Raubling abbiegt und durch das dortige Moor - ein Landschaftsschutzgebiet - führen sollte. Vehement macht sie klar, dass die Stadt verkehrlich nicht ins Hintertreffen geraten darf. "Die Stadt Rosenheim lebt vom Verkehr. Wir dürfen keinesfalls von den großen Verkehrsströmen abgehängt werden." Täglich pendeln zudem rund 20000 Menschen in die Stadt.

Außerdem sieht Bauer eine neue Gefahr durch den Ausbau der Bahnstrecke München - Mühldorf - Freilassing - Salzburg auf die Stadt zukommen. "Wir müssen aufpassen, nicht von Salzburg abgeschnitten zu werden", sagt sie. Hinzu komme, dass Züge auch auf dem Ostkorridor über Regensburg in den Süden fahren können. Mit günstigen Preisen und schnellen Verbindungen nach Fernost locken die in den letzten fünf Jahren gut ausgebauten Adriahäfen. Über den Tauerntunnel sind sie bequem zu erreichen.

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Ähnlich sauer auf die Bahn ist auch Oberaudorfs Bürgermeister Hubert Wildgruber. "Seit vielen Jahren fordern die Bürgermeister im Inntal, endlich eine Zukunftsplanung anzugehen und in den Bürgerdialog einzusteigen." Im Dezember 2012 hätte er Hoffnung geschöpft, als der Koalitionsvertrag zwischen Deutschland und Österreich durch die zuständigen Verkehrsminister unterzeichnet wurde. Doch wieder sei nichts passiert und unnötig Zeit vertan worden, obwohl - das bestätigte Stefan Kühn von der DB Netz Bayern - der Bahn bereits fünf Millionen Euro durch den Bund für Vorplanungen zur Verfügung gestellt wurden.

Die Bahn sollte nun laut Wildgruber ihre Hausaufgaben machen, indem sie die geologischen, naturschutzrechtlichen und wasserrechtlichen Vorplanungen auf den Tisch legt. "Dann bleiben wie in Tirol nur einige wenige Trassenvarianten übrig, über die wir dann gemeinsam mit den Bürgern sprechen können", meint der Oberaudorfer.

Auch die beiden Landtagsabgeordneten Klaus Stöttner und Otto Lederer fordern umfangreiche und effiziente Lärmschutzmaßnahmen, die bei Flüsterzügen mit neuester Technik und superleisen Bremsen beginnen und bei Einhausungen noch lange nicht enden. Denn, so geben sie zu bedenken, bei der Bahn gibt es laut Kühn nicht wie im Flugverkehr Nachtfahrverbote.

Auf jeden Fall ist jetzt die Deutsche Bahn am Zug, betont die Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig. "Sie muss als Projektträger so schnell wie möglich konkrete Aussagen darüber vorlegen, welcher Lärmschutz durchs Inntal nötig ist." Beim Planungsdialog an der Autobahn A 8 sei Geschichte geschrieben worden: Erstmals wurde bei einem Autobahnausbau deutlich mehr Lärmschutz genehmigt, als im Gesetz vorgeschrieben ist. "Das wollen wir auch für das Inntal erreichen", sagt Ludwig kämpferisch.

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