EISIGE TEMPERATUREN IN DER REGION

Kälte hält Pannendienst auf Trab

Wenn die Batterie den Geist aufgibt, muss die Werkstatt ran – wie hier im Fiat-Autohaus Strasser in Rosenheim. Nicht immer liegt es nur an den Minusgraden. Manche Batterien sind in die Jahre gekommen.
+
Wenn die Batterie den Geist aufgibt, muss die Werkstatt ran – wie hier im Fiat-Autohaus Strasser in Rosenheim. Nicht immer liegt es nur an den Minusgraden. Manche Batterien sind in die Jahre gekommen.

Schnee, Eis, klirrende Kälte: Temperaturen im zweistelligen Minusbereich halten die Region aktuell in Atem. Aber nicht jeder fällt gleich in Kältestarre: Die Skifahrer freut‘s, Autowerkstätten haben regen Zulauf und die Streufahrzeuge sind im Dauereinsatz. Ein frostiger Überblick.

Rosenheim/Traunstein– Um 3 Uhr früh ist es vorbei mit der Nachtruhe im wohlig-warmen Bett. Dann starten die Fahrer der Räum- und Streufahrzeuge in den Gemeinden, um die Straßen von Schnee und Eis zu befreien. Gibt es bei zweistelligen Minusgraden mehr zu tun? „Nein, aufwendigere Einsätze oder Komplikationen haben wir nicht zu verbuchen“, erklärt Christoph Ober vom Obinger Bauhof.

„Bei minus 12 Grad und kälter liegt das Problem eher darin, dass das Salz nicht mehr greift und es länger dauert, bis die Straßen eisfrei sind“, sagt er. Auffällig sei der Schneefall am Dienstagmorgen gewesen: „Bei solchen Minusgraden schneit es normalerweise nicht.“ Die Fahrer selbst frieren nicht in den frostigen Morgenstunden. „Unsere Bulldogs haben gute Sitzheizungen“, lacht Markus Weindl, der für die Nachbargemeinde Pittenhart unterwegs ist.

Auch wenn die Straßen geräumt sind, viele Autofahrer unterschätzen die Bedingungen bei Schnee und Eis. Das kann Rudolf Vogler von der ADAC-Pressestelle Südbayern mit Zahlen belegen: „428 Einsätze gab es für den ADAC-Pannendienst auf der Strecke München-Salzburg allein am Montag. Das entspricht einem Anstieg um das 2,6-Fache. Durchschnittlich rücken die Pannenhelfer an einem normalen Tag 164-mal aus. In Bayern gab es 8000 Einsätze, deutschlandweit 20000.“ Entsprechend glühen auch die Leitungen der Pannenhandys, Vogler bittet betroffene Autofahrer um Geduld. Den Scheitelpunkt sieht er am morgigen Donnerstag, wenn die Temperaturen milder werden. Noch aber hält sich die Kälte auf hohem Niveau und die ADAC-Helfer auf Trab.

So haben auch die Autowerkstätten alle Hände voll zu tun – möchte man meinen. Dem sei jedoch zumindest in Rosenheim in der Werkstätte von Fiat Strasser nicht so, erklärt Meister Sepp Huber: „Wir haben auch nicht mehr zu tun als sonst. Die Dieselkraftstoffe halten durch, da müssten die Temperaturen schon unter minus 20 Grad sinken.“

Auch wetterbedingte Unfälle häuften sich nicht spürbar. „Die Autofahrer sind offenbar vorsichtiger, sobald es kalt wird“, vermutet Huber. „Freilich, einige Batterien geben den Geist auf, aber eher wegen des Alters. Nach drei bis sechs Jahren hat eine Batterie einfach ausgedient – das hängt von den Kurzstreckenfahrten ab.“

Bei Minusgraden gibt es nichts Gemütlicheres, als in der warmen Wohnung eingemümmelt auf der Couch zu entspannen. Das ist aber schnell passé, wenn die Heizung ausfällt. „Logisch gibt‘s bei der Kälte mehr Störungen und Einsätze für uns“, bestätigt Christian Sedlmayr vom gleichnamigen Heizungs- und Installationsbetrieb in Rosenheim.

Oft handele es sich um Brennerstörungen. Die Einsätze der Installateure würden dabei „locker mal zwei Stunden“ in Anspruch nehmen. Bisher allerdings hat sich Sedlmayr noch mit keinen geplatzten Leitungen herumärgern müssen, was den Installateur wundert. „Möglicherweise kommt das noch, wenn es milder wird“, mutmaßt er: „Wenn das Eis schmilzt und die Rohre auftauen, platzen sie eher.“

Für Skisportler hingegen ist die Kälte ein Traum. Auf der Zugspitze wurden am Dienstag frostige minus 30 Grad gemessen. Auf ein bisserl Luxus wollen die Sportler bei eisigen Temperaturen aber doch nicht verzichten, wie Egid Stadler, Geschäftsführer des Skigebiets Sudelfeld, schmunzelnd verrät: „Die Besucher favorisieren bei dieser Eiseskälte Lifte mit Sitzheizung.“ Anfang der Woche habe dichter Hochnebel den Sportlern einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Aber jetzt läuft der Betrieb wieder. Wir sind recht zufrieden, die Bedingungen sind top“, so Stadler. Darüber freuen sich viele Gäste aus den Niederlanden, weil da gerade Krokusferien sind. Probleme mit den Liften gebe es bei den eisigen Temperaturen nicht, lediglich der Diesel eines Schneeräumfahrzeugs ist eingefroren: „Nichts Außergewöhnliches bei der Kälte.“

Und was passiert, wenn die Nase nicht mehr nur wegen der Kälte trieft? Arzthelferin Martina Schauss von der Gemeinschaftspraxis Biermaier in Bruckmühl erklärt: „Erkältungen und Grippe haben eingeschlagen – allerdings ist das im Februar normal. Unser volles Wartezimmer steht eher weniger in Verbindung mit den zweistelligen Minusgraden.“ Einen akuten Anstieg wegen der Kältekeule erkennt Schauss nicht. „Der ganz normale Wahnsinn eben“, schildert die Arzthelferin lachend.

Auch Elisabeth Siebeneicher kann das im Namen der Romed-Kliniken bestätigen: „Trotz Kälte, Schneefall und Glätte halten sich Unfälle im Rahmen. Ein ganz normaler Krankenhausalltag.“ Brüche durch Stürze auf Eis und Schnee sind langwierige und teilweise komplizierte Geschichten. „Insofern sind wir froh, dass so wenig passiert ist, und hoffen, dass es auch so bleibt“, so Siebeneicher.

Dass die Unfälle nicht zugenommen haben, bestätigt die Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. „Wir hatten keine vermehrten Einsätze in den letzten Tagen und auch im Notruf gibt es keine Zunahme“, sagt Pressesprecher Thomas Schelshorn.

Kurios, aber wahr: In den Rosenheimer Eisdielen „San Marco“ am Busbahnhof und „Da Noi“ am Mittertor brennt tatsächlich Licht. Wer schleckt denn im Februar bei Minusgraden ein erfrischendes Eis? Das fragt sich so manche Frostbeule. Die meisten Gäste werden sich aber wohl eher bei einer heißen Schokolade oder einem Latte Macchiato aufwärmen. Aber der Wetterumschwung ist in Sicht. Bald wird es wärmer – und dann gibt es den ersten Eisbecher des Jahres.

Kommentare