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DISKUSSION UM TRACHTENMESSER

Hirschfänger: Streit um Verbote

Gehört für manchen Lederhosenträger einfach dazu:Der Hirschfänger im Messertascherl.  Schlecker
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Gehört für manchen Lederhosenträger einfach dazu:Der Hirschfänger im Messertascherl. Schlecker

Trachtenmesser werden auf immer mehr Volksfesten und Umzügen aus Sicherheitsgründen verboten. Der Bezirksvorsitzende der Jungen Freien Wähler, Markus Erhorn, fordert jedoch, Messer auf solchen Veranstaltungen generell zu erlauben. Die OVB-Heimatzeitungen haben zu diesem Thema Meinungen aus der Region gesammelt.

Rosenheim – Als Teil der bayerischen Kultur und Brauchtumspflege sieht Erhorn den Hirschfänger. Allerdings sind die Trachtenmesser beispielsweise auf dem Trachten- und Schützenzug des Münchner Oktoberfestes aufgrund der Gefahr von terroristischen Anschlägen untersagt. Zunehmend werden sie auch auf kleineren Umzügen und anderen Veranstaltungen verboten.

„Diese Verbote stellen eine massive Einschränkung bei der Erhaltung von originalgetreuen Trachten dar“, beschwert sich der Bezirksvorsitzende Erhorn. Seine Bitte an die Verwaltung des bayerischen Landtags vor ein paar Monaten, Hirschfänger bei solchen Brauchtumsveranstaltungen grundsätzlich zu erlauben, wurde abgelehnt.

Auf dem Herbstfest in Rosenheim waren Trachtenmesser nicht verboten. „Wir haben an die Besucher appelliert, die Hirschfänger zu Hause zu lassen. Das gehört einfach zu unserem Sicherheitskonzept“, erklärt Anton Huber, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. „Bei den Gästen herrschte großes Verständnis, sie waren sehr vernünftig und haben die Hirschfänger teilweise sogar abgegeben“, so Huber weiter.

Josef Lausch, Kreisvorsitzender der Bayernpartei, ließ seinen Hirschfänger beim Herbstfestbesuch ebenfalls daheim, allerdings eher aufgrund der Diebstahlsgefahr. „Wenn die jungen Leute ein oder zwei Mass zu viel trinken, spielt es aber definitiv eine Rolle, ob mit den Fäusten zugeschlagen wird oder ob jemand ein Messer dabei hat“, versteht er die Sicherheitsbedenken der Polizei. In Bezug auf Erhorns Anliegen meint Lausch: „Wir sind grundsätzlich eine freiheitsliebende Partei, aber für eine generelle Erlaubnis würde ich mich nicht aussprechen“.

Peter Feldschmidt, Vorsitzender des Gebirgstrachten-Erhaltungsvereins Rosenheim Stamm, sieht es ähnlich: „Aus Sicherheitsgründen würde ich Verbote sogar befürworten.“

Dagegen spricht sich Paul Unterseher definitiv für eine grundsätzliche Erlaubnis aus. Der Sohn des Inhabers von Trachten Unterseher verkauft die Trachtenmesser im Geschäft am Ludwigsplatz in Rosenheim. „Jeder, der einen Hirschfänger in der Leserhose hat und sich vernünftig verhält, hat keine anderen Absichten, um damit irgendetwas zu unternehmen", meint der 25-Jährige.

Hirschfänger kein tragender Trachtenteil

Der Streit um den Hirschfänger ist für Lausch und Feldschmidt nicht das eigentliche Problem. Vielmehr steht für sie das Brauchtum an erster Stelle – und der Hirschfänger gehört für sie nicht zwingend dazu. „Das Trachtenmesser ist kein tragendes Merkmal der bayerischen Tradition. Da haben wir ganz andere Probleme mit Angriffen auf den guten Geschmack“, bezieht sich Lausch auf traditionsferne Trachten. Glitzer-Dirndl oder Badehosen im Lederhosenstil als Trachtersatz sind in seinen Augen eine viel größere Sünde.

Neben modischen Entgleisungen spielt auch die Vollständigkeit der Tracht eine Rolle. „Die wichtigsten Teile der Tracht müssen vorhanden sein. Der Hut und die Strümpfe sind bedeutsamer als das Messer“, so Feldschmidt.

Als Alternative zum Hirschfänger kann auch ein Flaschenöffner in die Lederhose gesteckt werden, meint Feldschmidt. Er erklärt: „Da sieht der Rehfuß aus der Lederhose heraus, aber es ist eben kein Messer.“

Lausch stellt sich auch die Frage, warum die Erlaubnis von Trachtenmessern überhaupt wieder eine Rolle spielt. „Ich glaube, die Aktion hat lediglich etwas mit dem Wahlkampf zu tun“, meint er.

Trotz der Verbote in einigen Fällen sind die Verkaufszahlen von Hirschfängern ungefähr gleich. „Ich merke nicht, dass wesentlich weniger Leute ein Trachtenmesser kaufen“, so Unterseher. Die Diskussion sieht er in Rosenheim sowieso nicht begründet: „Das Oktoberfest ist natürlich noch mal eine andere Hausnummer, als das Herbstfest in Rosenheim. Bei uns ist es ja doch ein bisschen familiärer.“

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