Rat und Hilfe – jederzeit

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Wenn das Telefon klingelt, wissen Fritz Schaubel und seine Kollegen in der Einsatzzentrale der Polizei nie, was sie erwartet – eine kleine Ruhestörung, eine vermisste Person, jemand, der einen Suizid androht, alles ist möglich. Da sind starke Nerven gefragt und viel Einfühlungsvermögen. Rund 50 bis 60 mal klingelt es pro Schicht. Die Mitarbeiter betonen: Unwichtige Anrufe gibt es nicht und im Zweifelsfall sollte man sich nie scheuen, die Notrufnummer 110 zu wählen.

Rosenheim – Immer noch schrecken viele davor zurück, bei einem Problem die 110 anzurufen. Damit kann ich doch die Polizei nicht belästigen, denken sie. Genau diese Bedenken wollen Fritz Schaubel, stellvertretender Leiter Einsatzzentrale, und seine Kollegen den Menschen nehmen. „Sie können uns immer anrufen, 365 Tage im Jahr rund um die Uhr. Wir nehmen jeden Anruf gern entgegen“, betont er.

Oft hätten die Leute Bedenken, einen Verdacht mitzuteilen. Da schleicht ein Unbekannter durch den Garten des Nachbarn – aber was, wenn das nur dessen Bruder ist? Oder ein Handwerker? Sie haben Zweifel und alarmieren die Polizei darum nicht. Aber der Unbekannte kann genausogut ein Einbrecher sein. Darum rät Schaubel: „Alarmieren Sie uns bei jedem Verdacht, gemeinsam finden wir schon heraus, ob dieser begründet ist.“ Und wenn das nicht der Fall war, bekommt der Anrufer natürlich keine Schwierigkeiten. Außer bei absichtlichen Falschmeldungen, da versteht die Polizei keinen Spaß. „Wenn jemand anruft und sagt, dass es brennt, nur um zu sehen, wie schnell die Einsatzkräfte anrücken, dann muss er die Kosten tragen und es gibt eine Anzeige.“

Die Einsatzzentrale in Rosenheim ist in mehrere Abteilungen gegliedert und für die Bereiche Rosenheim, Traunstein und Weilheim zuständig. Mindestens drei Leute arbeiten in jeder Schicht in der Notrufannahmen. Sie sprechen mit dem Anrufer, ordnen das Problem ein und schreiben den Fall ins System. Oft handelt es sich auch um medizinische Notfälle, dann schicken die Beamten die Meldung über eine elektronische Schnittstelle an die Integrierten Leitstellen. Zuvor werden die W-Fragen gestellt: Wer ist dran, wo ist er, was ist wann passiert? „Wenn uns der Anrufer plötzlich umkippt, müssen wir unbedingt vorher wissen, wo er ist“, erklärt Schaubel.

Hilfreich ist, dass den Beamten jede Rufnummer angezeigt wird, auch unterdrückte Nummern. So können Anrufe – diese werden auch aufgezeichnet – zurückverfolgt werden, wenn es ein Problem gibt.

Während die Beamten in der Notrufannahme sich schon um den nächsten Fall kümmern, alarmieren die Kollegen in der Funkdisposition die zuständige Dienststelle, buchen ein Streifenfahrzeug und begleiten den Einsatz bis zum Ende. „Wir fordern beispielsweise auch einen Abschleppwagen, Hubschrauber oder eine Hundestaffel an, wenn nötig“, erklärt Schichtleiter Jürgen Manhart. Auch um die Handypeilung, etwa bei Vermissten, kümmert er sich. Die ist übrigens anders als im Fernsehen nicht sehr genau: Gemeldet wird der letzte Funkmast, an dem sich das Handy eingebucht hat. Das Suchgebiet umfasst meist mehrere Quadratkilometer.

Dritter Bereich der Einsatzzentrale ist die Verkehrsmeldestelle, die für ganz Bayern und Überschneidungen mit angrenzenden Ländern und Bundesländern zuständig ist. Die Meldestelle ist für die Verkehrsnachrichten im Radio und die Warnungen im Navi zuständig.

Doch der Kern der Einsatzzentrale ist und bleibt die Notrufannahme. Hier landet jeder Anrufer, der die 110 wählt. Wer etwas melden wolle, könne ganz beruhigt diese Nummer nehmen, die Zentrale leite immer an die richtige Stelle weiter. „Versuchen Sie gar nicht erst, die Nummer der örtlichen Polizei anzurufen. Das machen wir dann schon. Aber bis sie die Nummer gesucht, gefunden und gewählt haben, ist der Einbrecher oder der betrunkene Autofahrer schon über alle Berge“, sagt Schaubel. Die 110 hingegen könne man sich gut merken. Und am anderen Ende der Leitung wartet immer ein Beamter, der auf den richtigen Umgang mit Notrufen spezialisiert ist und Hilfe leistet.

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