INFORMATIONSABEND AN DER BERUFSSCHULE II

Das Handy – die unterschätzte Gefahr?

+

Macht Handy-Nutzung krank? Darüber streiten Forscher schon lange. Die Berufsschule II in Rosenheim will ihre Schüler für dieses Thema sensibilisieren und hat darum zu einer Informationsveranstaltung mit dem Enthüllungsjournalisten und Dokumentarfilmer Klaus Scheidsteger eingeladen.

Rosenheim – Journalist Klaus Scheidsteger beschäftigt sich seit über zehn Jahren intensiv mit der Handyindustrie. Über gesundheitliche Risiken hat er sich zu Beginn noch keine Sorgen gemacht. „Ich war ein Handy-Junkie“, gesteht er. Nachdenklich wurde er erst, als er in seinem Freundes- und Bekanntenkreis immer wieder auf elektrosensible Menschen traf. Scheidsteger begann zu recherchieren und kam zu einem erschreckenden Ergebnis: „Die Handy-Strahlung verändert die DNA und ist krebserregend.“

Die Lobbyarbeit der Industrie verhindere, dass diese Fakten an die Öffentlichkeit kommen, behauptet er. Das Resultat seiner weltweiten Recherchen zu diesem Thema ist der Dokumentationsfilm „Thank you for calling“.

In Kooperation mit dem Bund Naturschutz hat die Berufsschule II Klaus Scheidsteger jetzt zu einer Info-Veranstaltung eingeladen. Neben Schülern nahmen daran Vertreter des Gesundheitsamtes, der Berufsschulen, Mittelschulen, Realschulen und Gymnasien teil sowie Benjamin Grünbichler von der Neon-Präventions- und Suchthilfe.

„Handy aus“ lautete der Appell der Lehrer kurz vor Beginn der Filmvorführung. Daran gehalten haben sich nicht alle Schüler. „Ohne geht es halt nicht mehr“, meinte eine 19-Jährige. Zwei bis drei Stunden täglich widme sie sich ihrem mobilen Telefon, gab sie offen zu: „Ich checke meine Nachrichten, schaue Filme auf Youtube oder spiele.“

Und die junge Frau ist keine Ausnahme. Laut einer aktuellen Studie zufolge sind junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren täglich 3,5 Stunden mit ihrem Smartphone beschäftigt. Über die Mikrowellen-Strahlung, die von ihren Geräten ausgeht, machen sich wohl nur die wenigsten Gedanken.

Genau das will die Berufsschule II in Rosenheim ändern. „Wir denken, dass das eine unterschätzte Gefahr ist“, meint Schulleiterin Christiane Elgass.

Mobiltelefone sorgen in den Schulen immer wieder für heftige Diskussionen; bisher geht es dabei aber meist um die Disziplin. „Schüler werden durch die Nutzung der Handys abgelenkt. Der Unterricht wird gestört“, sagt Erika Körner-Metz, Lehrerin an der Staatlichen Berufsschule II. An fast allen Schulen gibt es darum mittlerweile ein Handyverbot.

Wie genau dieses gehandhabt wird, ist von Schule zu Schule unterschiedlich. In der Berufsschule II hat das Handy während des Unterrichts nichts verloren. In den Pausen darf es aber genutzt werden. Erika Körner-Metz hat für ihren Unterricht „Handy-Garagen“ eingeführt: Betreten die Schüler das Klassenzimmer, legen sie ihr mobiles Telefon in eine Box und holen es nach dem Unterricht dort wieder heraus: „Das klappt wunderbar.“

Sie und Schulleiterin Elgass wollen die Schüler nicht mit erhobenen Zeigefinger auf die negativen Auswirkungen des Handy-Konsums hinweisen. „Sie sollen sich selbst eine Meinung bilden. Dafür braucht es neutrale Informationen. Von Seiten der Industrie kann man das nicht erwarten“, so Körner-Metz.

Auch Klaus Scheidsteger will kein „Spaßverderber“ sein, sondern vielmehr zum Nachdenken anregen. Ein großes Thema ist in seinem Film auch der Lobbyismus. „Ein Wort, mit dem viele Jugendliche gar nichts anfangen können“, hat er bei seinen Besuchen in Schulen schon festgestellt. Information sei deshalb wichtig.

Scheidsteger und Theo Schneider vom Bund Naturschutz sind sicher, dass man in zehn Jahren über die Nutzung der Smartphones ganz anders denkt als heute. In anderen Ländern stehe man dem Handy-Konsum schon wesentlich kritischer gegenüber als hierzulande. „In Frankreich ist die Nutzung von WLAN in Kindergärten bereits verboten. Nun sollen die Schulen folgen“, so Scheidsteger.

In Österreich hat die Ärztekammer zehn Regeln im Umgang mit den Handys aufgestellt. „Die Strahlung von Mobiltelefonen ist möglicherweise nicht so ungefährlich, wie von den Mobilfunkbetreibern behauptet wird“, heißt es dazu. Trotz aller Skepsis wird das Handyzeitalter aber wohl nicht jäh enden. Das schließt auch Klaus Scheidsteger aus. Er setzt aber für die Zukunft auf Datenübertragung per Licht. Diese Technik befinde sich bereits im Versuchsstadium.

Zehn Tipps von Ärzten

Kommentare