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Das Geheimnis der verschollenen Totenmaske

König Ludwig II. und Dr. Bernhard von Gudden (rechts) starben gemeinsam. Die Totenmaske des Psychiaters wurde erst jetzt, nach 128 Jahren, wiederentdeckt. Foto re
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König Ludwig II. und Dr. Bernhard von Gudden (rechts) starben gemeinsam. Die Totenmaske des Psychiaters wurde erst jetzt, nach 128 Jahren, wiederentdeckt. Foto re

Jahrelang lag sie verborgen im Städtischen Museum Rosenheim: Die Totenmaske von Dr. Bernhard von Gudden, dem Gutachter von König Ludwig II.

1897 schenkte der Rosenheimer Architekt Max Lutz die Gipsmaske dem Museum - woher er sie hatte, ist bis heute nicht geklärt.

Rosenheim - Es ist eines der großen Rätsel der Geschichte, wie und warum König Ludwig II. zusammen mit seinem Gutachter im Starnberger See den Tod fand. Sicher ist jedoch, dass beiden am Abend des 14. Juni 1886 eine Totenmaske abgenommen wurde.

Die Maske von König Ludwig II. ist im Museum auf Herrenchiemsee ausgestellt. Guddens Maske geriet jedoch völlig in Vergessenheit. Der Bildhauer Johann Nepomuk Hautmann, der für den König bereits an Schloss Linderhof gearbeitet hatte, fertigte die Maske an und nahm sie danach in Verwahrung.

Später gelangte sie in den Besitz von Max Lutz, einem Rosenheimer Architekten. Wie er an die Maske kam, weiß bis heute niemand. 1897 schenkte Lutz sie dem Städtischen Museum Rosenheim. Dort wurde sie seither verwahrt und 1999 von Museumsleiter Walter Leicht in einer alten Orangenkiste auf dem Speicher, eingewickelt in Zeitungspapier und Holzwolle, gefunden.

Leicht erkannte sofort, was er da in Händen hielt. Denn auf der Rückseite der Maske waren Todesdatum und Name von Gudden sowie "Schloss Berg", der Aufbahrungsort, eingraviert.

"Ich habe dann nachgeforscht und herausgefunden, dass damals tatsächlich auch von Gudden eine Maske angefertigt wurde, über die aber niemand etwas wusste", berichtet Leicht. Jahrelang habe er versucht, etwas über sein Fundstück in Erfahrung zu bringen. Doch selbst Guddens Nachkommen wussten nichts von einer Maske.

Leicht konnte aber in Erfahrung bringen, dass die Maske 1902 möglicherweise einmal ausgestellt worden war, weil aus dieser Zeit eine Objektkarte existiert. "Das ergibt nur dann Sinn, wenn die Maske in einer Ausstellung zu sehen war", ist er überzeugt. Aufzeichnungen gibt es außerdem über die Auslagerung der Maske während des Zweiten Weltkriegs von 1944 bis 1946 ins Kloster Reisach. Danach lag sie viele Jahre im Verborgenen.

Bei seinen Nachforschungen stieß Leicht schließlich auf Alfons Schweiggert, der bereits acht Bücher über König Ludwig II. veröffentlicht hat. 2011 lud er den Experten nach Rosenheim ein und der war begeistert von dem Fund. Bei seinem zweiten Besuch brachte er Bezirksheimatpfleger Dr. Norbert Göttler mit. Gemeinsam beschlossen die drei, dass es Zeit sei, die Maske endlich öffentlich auszustellen.

Schweiggert übernahm die Aufgabe, die Ausstellung zu konzipieren. Sie dreht sich nicht nur um die Maske, sondern um das Leben von Gudden. "Er war ein angesehener Psychiater und wurde immerhin 62 Jahre alt. Trotzdem wird er immer auf die letzten acht Tage seines Lebens reduziert - von der Erstellung des Gutachtens bis zu seinem Tod", erklärt der Kurator. Das soll sich in seiner Ausstellung "Dr. Bernhard von Gudden, der Gutachter König Ludwigs II." ändern. Sie arbeitet das Leben, Wirken und Sterben des Psychiaters auf.

Die Totenmaske sei natürlich ein bedeutendes Exponat, vor allem aber ein bedeutendes historisches Dokument. "Viele Zeugen haben Verletzungen beschrieben, die von einem tätlichen Angriff auf Gudden stammten. Später wurden die Aussagen angezweifelt", berichtet der Experte. Die Maske belege nun eindeutig, dass er eine Beule über einem Auge sowie Kratzspuren auf Nase und Stirn gehabt habe.

Lange Zeit wurde Gudden nach seinem Tod geächtet - viele gaben ihm aufgrund seines Gutachtens die Schuld am Tod des Königs. Die Ausstellung könne nun zu einer Revision des öffentlichen Bildes des Psychiaters führen, hofft Schweiggert.

Zu sehen sind die zahlreichen Ausstellungsstücke - und natürlich auch die Totenmaske - von Mittwoch, 15. Mai, bis 17. Juli in der Fachberatung Heimatpflege, Maierhof Benediktbeuern, Michael-Ötschmann-Weg 4. Geöffnet ist jeweils sonntags von 11 bis 16 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 13 bis 17 Uhr. ra

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