Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


NEUE RECHTSPRECHUNG FÜR FINDER VON TIEREN

Ab zum Fundamt statt ins Tierheim

Entläuft ein Hund,wird er in der Regel im Tierheim abgegeben. Doch darauf können sich Hundebesitzer nicht mehr verlassen.  re
+
Entläuft ein Hund,wird er in der Regel im Tierheim abgegeben. Doch darauf können sich Hundebesitzer nicht mehr verlassen. re

Wer einen herrenlosen Hund findet, bringt ihn ins Tierheim: So könnte man meinen. Doch ein neues Urteil des Bundesverwaltungsgerichts Leipzig stellt fest: Im Heim darf ein Tier nur dann abgegeben werden, wenn die Kommune, in der es aufgegriffen wurde, eine Vereinbarung zur Kostenübernahme mit dem Tierheim abgeschlossen hat.

Rosenheim/Bruckmühl/Oberaudorf – Nur wenige Tage nach Bekanntwerden der neuen Rechtsprechung war es schon soweit: In Bad Aibling wurde ein herrenloser Hund aufgegriffen. Die Polizei hätte ihn gerne im Tierheim Rosenheim abgegeben, doch dies ging nicht. Denn Bad Aibling hat keine Vereinbarung zur Kostenübernahme mit dem Tierheim. Erst nach einem Anruf im Rathaus und dem schriftlichen Versprechen der Stadt, auch für die Kosten aufzukommen, konnte das Tierheim den Hund aufnehmen.

Noch komplizierter wird es am Wochenende oder nachts, wenn die Rathäuser und ihre Fundämter – anders als das Tierheim mit seinem Notdienst – geschlossen haben: „Wenn zu diesen Zeiten ein Finder mit einem Tier vor dem Tierheim steht, das in einem Ort ohne Kostenvereinbarung mit uns gefunden wurde, müssen wir den Finder ab sofort wegschicken“, ärgert sich die Erste Vorsitzende des Tierschutzvereins, Andrea Thomas. Sie fragt sich außerdem: „Was ist, wenn das Tier in einem schlechten Gesamtzustand ist oder Verletzungen hat?“

Nicht nur Bad Aibling, auch Bad Endorf, Bad Feilnbach, die Gemeinden Chiemsee, Edling, Feldkirchen-Westerham, Flintsbach, Frasdorf, Großkarolinenfeld, Halfing, Höslwang, Nußdorf, Oberaudorf, Prutting, Ramerberg, Riedering, Rohrdorf, Schechen und Schonstett haben keine Vereinbarungen mit dem Tierschutzverein Rosenheim abgeschlossen. Albaching, Amerang, Bruckmühl, Eiselfing, Pfaffing, Rott, Soyen, Tuntenhausen, Haag, Kirchdorf, Maitenbeth und Rechtmehring sind vertraglich mit dem Tierheim Ostermünchen verbunden, die Stadt Rosenheim und alle weiteren Kommunen im Landkreis haben Kostenvereinbarungen mit der Einrichtung in Rosenheim-Kolbermoor.

Nachdem Oberaudorf und Bruckmühl Rechnungen für die Unterbringung und Versorgung von Fundtieren im Rosenheimer Tierheim nicht bezahlen wollten, war es zum Rechtsstreit gekommen, der jetzt vor dem Bundesverwaltungsgericht endete. In der ersten Instanz hatte das Verwaltungsgericht München noch zugunsten des Tierschutzvereins entschieden. Bruckmühl und Oberaudorf waren jedoch in Berufung gegangen. Im November 2015 hatte dann der Verwaltungsgerichtshof München entschieden, dass die Kosten nicht erstattet werden, da der Tierschutzverein Rosenheim nicht von den Gemeinden beauftragt worden sei, die Tiere in Obhut zu nehmen. Die Finder wären verpflichtet gewesen, die Tiere direkt bei den Gemeinden abzugeben, so die Argumentation.

„Das Urteil richtet sich gegen die Tiere und gegen die Finder.“ Andrea Thomas, Vorsitzende des Tierschutzvereins

Den Prozess in letzter Instanz vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig führte der Bundesverband, der Deutsche Tierschutzbund, für die angeschlossenen Tierheime Rosenheim und Cham. Hierbei wurde nun die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs München bestätigt, wonach Tierheime ohne entsprechende Verträge mit den Kommunen Fundtierkosten nur dann erstattet bekommen, wenn die Tiere vorher im Fundamt abgegeben werden.

„Leider richtet sich dieses Gerichtsurteil in letzter Instanz gegen die Tiere selbst und die Finder, die einem Tier helfen möchten“, bemängelt Thomas. „Auch für Tierbesitzer ist dieses Urteil ein Schlag ins Gesicht. Sie konnten bisher davon ausgehen, dass ihren entlaufenen oder verletzten Tieren im Tierheim umgehend geholfen wird. Das hat aber nun der zuständige Senat des Bundesverwaltungsgerichts unterbunden, wenn kein entsprechender Vertrag mit einer Kommune existiert.“

Der Tierschutzverein Rosenheim bedauert es in diesem Zusammenhang sehr, dass es 2015 trotz der Unterstützung durch Landrat Ber thaler nicht zu einer landkreisweiten Einigung zu Fundtierpauschalen gekommen war. Berthalers Vorschlag damals: 50 Cent pro Jahr pro Einwohner.

Statt einer einheitlichen Lösung für alle Kommunen haben im Landkreis einzelne Gemeinden und Städte mit dem Tierheim Kostenvereinbarungen mit Pauschalen pro Einwohner oder Fundtier in unterschiedlicher Höhe abgeschlossen. Das reicht bei Weitem nicht aus, um die Fundtierkosten von 477 000 Euro im Jahr zu decken, so Thomas. Schließlich kommen über die Pauschalen nur etwa zehn Prozent dieser Kosten zusammen.

Kommentare