UNGLÜCK AM GROSSGLOCKNER FORDERT ZWEI OPFER AUS DER REGION ROSENHEIM

Freunde sterben in Lawine

Die Unglücksstelle: Die Lawine soll sich rechts oben im Bild gelöst haben. Polizei Matrei
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Die Unglücksstelle: Die Lawine soll sich rechts oben im Bild gelöst haben. Polizei Matrei

Entsetzen hat der Tod der über die Region Rosenheim hinaus bekannten Skifahrer Michael Ortner (26) aus Stephanskirchen und Dominik Wörndl (26) aus Aschau ausgelöst. Sie gerieten in Kals am Großglockner unter das Schneebrett einer Lawine und konnten nur noch tot geborgen werden.

Rosenheim – Bei der Rosenheimer Sportgala am Freitag, 26. Januar, sollte Michael Ortner als Stadtmeister geehrt werden. Der Stephanskirchener, der morgen 27 Jahre alt geworden wäre, galt als bester Skifahrer des Skiclubs (SC) Rosenheim. „Wenn er gefahren ist, hat er gewonnen“, erinnert sich Vorsitzender Markus Pongratz an den leistungsstarken DSV-Punktefahrer. Dominik Wörndl fuhr für den Wintersportverein Aschau (WSV). Die beiden waren enge Freunde und von der Kindheit an als Rennfahrer und auch als Trainer des heimischen Skinachwuchses aktiv.

„Das waren Vollblutsportler“, so Pongratz. „Beide waren überhaupt keine Draufgänger, bestens ausgebildet und ausgerüstet und seit vielen Jahren in extremem Gelände unterwegs. Doch ein gewisses Restrisiko bleibt immer. Es ist eine Riesentragödie für die Familien.“ Fassungslosigkeit herrsche auch in den beiden Vereinen. Einige Mitglieder reisten gestern nach Matrei, um sich vor Ort ein Bild der Lage zu machen und den betroffenen Familien beizustehen. Betreut wurden sie dort von Kriseninterventionsdiensten.

Inngau-Verband sagt Wettbewerb um Sparkassen-Pokal ab

Der Skiverband Inngau sagte die vom SC Rosenheim für das vergangene Wochenende in der Wildschönau angesetzten Rennen um den Inngau-Sparkassen-Pokal der Schüler U14/U16 ab. „Niemand vom Veranstalter wie auch die gesamte Inngauer Skifamilie waren nach der Schreckensnachricht mehr zur Durchführung der Veranstaltung in der Lage“, teilte der Vorstand mit. „Michael Ortner wie auch Dominik Wörndl haben den Inngau viele Jahre als Aktive regional wie auch überregional erfolgreich vertreten“, erinnert sich der Skiclub. Beide waren mehrfache Inngaumeister und als Mitglieder der bayerischen Städtemannschaft bei FIS-CIT-Rennen, dem Deutschlandpokal und bei DSV-Punkterennen im Einsatz. Michael Ortner war unter anderem auch bayerischer und deutscher Städtemeister. Noch im vergangenen Winter hatte er einige Rennen um den Deutschland-Pokal gewonnen, wie auch die Gesamtwertung der Rheinland-Pfalz-Sportwoche in Hochkrimml (wir berichteten im Sportteil).

Das Lawinenunglück am Großglockner, das den beiden Skisportlern das Leben kostete, gehört zu einer ganzen Reihe von Katastrophen im Alpenraum, die sich am Wochenende ereigneten. Es kam zu mehreren Lawinenabgängen und Verschüttungen von Personen mit Todesfolgen, ein Schwerpunkt war Osttirol.

Laut Landespolizeidirektion Tirol und einem Bericht der Tiroler Tageszeitung hat sich das Unglück in Kals am Großglockner vermutlich folgendermaßen ereignet: Michael Ortner und Dominik Wörndl waren am Freitagvormittag gemeinsam mit einem weiteren befreundeten 27-jährigen Skifahrer, der aus Aschau stammen soll, oberhalb des „Kals-Matreier-Törls“ auf rund 2300 Metern Höhe unterwegs. Sie sollen in Richtung Matrei ab- und dann auf Höhe der Talstation „Happeck“ wieder in das Skigebiet eingefahren sein. Gegen 12.30 Uhr haben Michael Ortner und Dominik Wörndl diese Tour wiederholt, während ihr Freund an der Talstation in Kals auf sie wartete.

Die jungen Männer wurden gegen 13 Uhr anscheinend im freien Skiraum von einem etwa 400 Meter langen und 100 Meter breiten, sich plötzlich lösenden Schneebrett erfasst. Als sie nicht zurück zur Talstation zurückkamen, schlug der 27-Jährige, der auf sie wartete, Alarm.

Die Lawine, die die beiden unter sich begraben hatte, war anscheinend von einheimischen Skifahrern entdeckt worden. In den Lawinenkegel sollen zwei Skispuren hinein, jedoch keine herausgeführt haben. Die Ersthelfer versuchten, die Verschütteten zu orten. Ein Piepser der Beiden, die mit Lawinenairbags und Verschüttetensuchgeräten ausgerüstet waren, muss wohl angeschlagen haben.

Doch die Hilfe kam zu spät. Die etwa 150 im Einsatz befindlichen Bergretter und freiwilligen Helfer, die aufgrund der schlechten Wetterlage zu Fuß zur Unglücksstelle aufsteigen mussten, konnten Dominik Wörndl gegen 16.45 Uhr zwar aus einer Tiefe von etwa zwei Metern bergen. Die Reanimationsversuche blieben jedoch erfolglos.

Die Suche nach seinem Freund musste Freitag gegen 18 Uhr wegen der hohen Lawinengefahr unterbrochen werden. Hubschrauber konnten aufgrund des Nebels nicht starten. Michael Ortner hatte auch nach stundenlangen Sondierungen nicht geortet werden können. Seine Leiche wurde am Samstagvormittag in einem Meter Tiefe in einer zweiten Rinne entdeckt.

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