HAFT FÜR 53-JÄHRIGEN NIEDERLÄNDER

Fast zehn Kilo Drogen im Auto

Das Schöffengericht Rosenheim befand einen 53-jährigen Niederländer wegen unerlaubter Einfuhr von knapp zehn Kilogramm Drogen und Beihilfe zum Rauschgifthandel für schuldig. Der Mann wurde zu einer Haftstrafe von drei Jahren und acht Monaten verurteilt.

Bad Feilnbach – Bei einer Routinekontrolle auf der Autobahn München-Salzburg staunten die Beamten der Polizeiinspektion Rosenheim nicht schlecht. In der Nähe des Parkplatzes Eulenauer Filz im Gemeindebereich Bad Feilnbach hatten sie einen Renault Laguna mit niederländischem Kennzeichen gestoppt und bei genauerer Betrachtung des Wagens über 15 000 Ecstasy-Tabletten (6,5 Kilo) und 3,3 Kilo Amphetamine sichergestellt. Unter anderem wurden die Beamten hinter dem Autoradio fündig. Der Grund, warum die Anklage bei einer so hohen Menge an Betäubungsmitteln beim Amtsgericht und nicht vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Traunstein gelandet ist, war einzig die Kooperationsbereitschaft des Angeklagten.

Von Anfang an hatte der Niederländer die Tatvorwürfe eingeräumt und Angaben zu Tathergang und Auftraggeber gemacht. Demnach war der 53-Jährige mit den Drogen im Auftrag eines gewissen Z. in der Nacht vom 12. auf den 13. Juli des Vorjahres in die Bundesrepublik eingereist und auf dem Weg nach Süden, als er gestoppt wurde. Laut Auskunft des zuständigen Sachbearbeiters beim Landeskriminalamt bestätigte die Handyauswertung die Reiseroute und einen regen Chatverlauf mit dem Auftraggeber. Darin sei es um konspirative Begriffe rund um die Abwicklung des Drogengeschäfts und die Entlohnung gegangen. Später habe der Angeklagte seine Angaben zu seinem Auftraggeber aber wieder revidiert, „weil er lieber zwei Jahre sitzen würde, als seine Familie zu gefährden“.

Keine Angaben zu möglichen Mittätern

Vor Gericht bestätigte der Holländer diese Aussage und machte keine Angaben mehr zu möglichen Mittätern. Über seinen Verteidiger Jens Breidert bekräftigte er, dass ihm klar gewesen sei, dass er eine nicht geringe Menge Betäubungsmittel illegal an Bord habe. Für den Transport hätte er 1000 Euro plus 300 Euro Spesen erhalten sollen. Er sei zu diesem Zeitpunkt in Geldnöten gewesen, deshalb habe er das Angebot leichtfertig angenommen. Sein Mandant sei ein fünffacher Vater, der sich aufgrund seiner prekären finanziellen Situation in die Sache habe reinziehen lassen. Nachdem er aufgeflogen sei, habe er aber gleich die Verantwortung für sein Tun übernommen und sich sofort mit der Einziehung der sichergestellten Gegenstände, einschließlich des Wagens, einverstanden erklärt. „Alles andere als eine Haftstrafe wäre eine Illusion“, sagte Breidert. Deshalb plädierte der Verteidiger für ein Strafmaß zwischen zwei und drei Jahren.

Die Anklagevertretung hatte zuvor beantragt, mit einer Freiheitsstrafe von vier Jahren den Strafrahmen des Schöffengerichts auszuschöpfen und den Kurierlohn von 300 Euro einzuziehen. Der Angeklagte habe das 94-Fache der juristisch gesehen „nicht geringen Menge an Betäubungsmitteln“ mit sich geführt und bisher zwei Einträge im belgischen Strafregister. „Allerdings wäre der Tatnachweis ohne Geständnis schwierig geworden“, so der Staatsanwalt.

Das Schöffengericht blieb schließlich unter dem geforderten Strafmaß und betonte, dass bei diesen Mengen nicht mehr viel Luft nach unten gewesen sei. Allein das überschießende Geständnis und die Kooperationsbereitschaft hätten den Angeklagten vor einer Haftstrafe bewahrt, die sich durchaus auch zwischen sechs und sieben Jahren hätte bewegen können. Zudem sehe der Gesetzgeber vor, dem Angeklagten den Lohn wegzunehmen. Deshalb würden die 300 Euro als Wertersatz eingezogen, betonte Richter Christian Merkel. „Verbrechen sollen sich schließlich nicht lohnen“, so der Richter in seiner Urteilsbegründung.

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