Europatour-Start auf Top-Niveau

Baritonsaxofonist der Extraklasse: Gary Smulyan aus Massachusetts bei seinem Auftritt im Rosenheimer „Le Pirate“. Samuel Langer

Rosenheim – „The Le Pi rate is one of my favourite places to play“, lobte Gary Smulyan bei seinem Konzert im voll besetzten Rosenheimer Jazz-Club.

Dort startete der zur Zeit wohl führende US-amerikanische Baritonsaxofonist seine Europatournee mit dem nicht minder bedeutenden Tenorsaxofonisten Ralph Moore und einer erlesenen Rhythmusgruppe, bestehend aus dem Pianisten Olivier Hutman (Frankreich), dem Bassisten Stephan Kurmann (Schweiz) und dem österreichischen Drummer Bernd Reiter.

Das Quintett präsentierte Hard Bop der Spitzenklasse und ist der Beleg dafür, dass die Live-Musik im „Le Pirate“ auch unter der neuen Führung von Wolfgang Lentner, der bis Juli noch von der ehemaligen Wirtin Petra Rose unterstützt wird, auf hohem Niveau weitergeht.

Einen stilistischen Schwerpunkt der Veranstaltung bildete die Musik des Baritonisten Pepper Adams, der für Gary Smulyan eine Art Vorbildfunktion einnimmt, vor allem Stücke aus dessen 1968 aufgenommenen Album „Encounter!“ standen auf dem Programm. Schon beim ersten Blues aus dieser LP spielten sich die beiden Saxofonisten virtuos die Bälle zu und setzten Energien frei, die bis zum Schluss des Konzerts anhielten, ja noch gesteigert wurden.

Smulyan spielte seine Improvisationen mit kräftigem, sonorem Klang. Aus seinem musikalischen Füllhorn sprudelten die Ideen, angereichert mit Zitaten aus dem Repertoire Charlie Parkers, motivisch fortschreitend mit viel Liebe zum Detail und gesteigert bis zum ekstatischen Aufschrei. Dass er auch lyrisch musizieren kann, bewies Smulyan bei einem Balladen-Medley im Duo mit dem filigran phrasierenden Pianisten Olivier Hutman.

Dessen Ausdrucksspektrum reichte von sparsam gesetzten Harmonien über perlende Läufe bis zu dampfenden Blockakkorden. Dabei vergaß er nie zu swingen, wie besonders in den Joe-Henderson-Kompositionen „Serenity“ und „Punjab“ zu hören war. Dazu kamen die klaren und melodiösen Linien Stephan Kurmanns, der mit seinem langen weißen Bart wie ein Philosoph am Kontrabass wirkte.

Ralph Moore bewegte sich stilistisch in der Nachfolge prägender Tenoristen wie Hank Mobley, Sonny Rollins und John Coltrane. Er strukturierte seine Soli sowohl mit langen Tönen als auch mit rasanten Läufen und bewegte sich in einem Kosmos voller melodischer Ideen. Sein Feature-Stück war die Ballade „My Ideal“.

„Body And Soul“, eigentlich ebenfalls eine bekannte Ballade, erklang diesmal ganz anders: Das Quintett machte daraus einen schnellen Jazzwalzer, ein gefundenes Fressen für den temperamentvoll trommelnden Bernd Reiter, der gerade bei ekstatischen Stücken abwechslungsreiche Soli spielte. Einen Höhepunkt bildete dabei die offizielle Schlussnummer „Verdandi“ von Tommy Flanagan, die im Höllentempo virtuos gespielt wurde und bei der Reiter in einem Schlagzeugfeuerwerk förmlich explodierte.

Selbstredend, dass das enthusiastische Publikum die Band erst nach einem heiß erklatschten „Tenor Madness“ als Zugabe von der Bühne ließ.

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