Auf der Alm eingeschlafen

Maria Furtner †
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Maria Furtner †

Aschau – Maria Furtner – unter Bergsteigern bekannt als „Marie vom Geigl stoa“ oder „Oberkaser-Marie“ – ist am Sonntag während der nur wenige Meter entfernt stattfindenden Bergmesse der Bergwacht Sachrang gestorben.

Im Alter von 92 Jahren schlief sie auf der Alm ein. Damit ist ihr Herzenswunsch („Auf meiner Oberkaseroim möcht i füa imma bleim“) in Erfüllung gegangen.

Die Marie kam schon als kleines Mädchen in den Schulferien stets zu Besuch auf die Alm. Seit über 70 Jahren war die Sennerin dann immer für längere Zeit unter dem Geigelstein zu Hause. Gut 20 Jahre hat sie sich um das sogenannte Ari-Haus unterhalb der Priener Hütte und das Vieh auf der Oberkaseralm gekümmert.

In den vergangenen 50 Jahren konnte man die Talbesuche der Marie an beiden Händen abzählen. Auch im Winter blieb sie unter teilweise sehr unwirtlichen Bedingungen in ihrer Hütte. Vermutlich würde sie im Guinnessbuch der Rekorde mit großem Vorsprung den ersten Platz einnehmen, wenn es um die Verweiltage auf einer Alm geht.

Ungewollte Berühmtheit erlangte sie, als im Lawinenwinter 2009 aufgrund von Schneefällen und -verwehungen nur noch der Kamin ihrer Hütte aus dem Weiß ragte. In einer aufwendigen Aktion wurde sie durch das freigeschaufelte Dach aus der verschütteten Alm gerettet. Doch schon zwei Tage später kehrte sie in ihr Heim und zu den in der Almhütte gebliebenen Katzen zurück – dank der für sie immer hilfsbereiten Bergwacht Sachrang.

Auch ein gebrochener Fuß im Winter 2013 konnte sie nicht ins Tal bewegen. „Der wächst hier oben auch wieder zusammen“, meinte die Marie. Sie kümmerte sich auch bis vor wenigen Jahren vorbildlich um ihr Almvieh auf der weitläufigen Fläche. Da konnte es schon mal passieren, dass aus regennassen Nebelschwaden plötzlich die Marie mit Gummistiefeln fast am Gipfel des 1808 Meter hohen Geigelstein auftauchte, um nach einer „Koim“ oder einem „Kaibal“ zu suchen. Selbst der fast 20 Zentner schwere Pinzgauer Ochse Giovanni ließ sich von der zierlichen 50-Kilo-Frau bereitwillig am Glockenriemen in den Stall ziehen.

Auch wenn die letzten zwei bis drei Jahre die körperlichen Altersbeschwerden zugenommen haben, war die immer zu Scherzen aufgelegte Marie bis zuletzt geistig auf der Höhe. Einen würdigeren Abschiedszeitpunkt hätte sich die Oberkaser-Marie kaum aussuchen können. Geistlichkeit, Bergwacht von Sachrang und viele Messbesucher würdigten in stillem Gedenken, während das Lied „In de Berg bin i gern“ durch Bariton und Flügelhorn erklang, die stets bescheiden lebende Maria Furtner und erhoben sich zu ihrer Ehre, als sie ein letztes Mal die Schwelle der Hütte überquerte und ins Tal gebracht wurde. Ein einzigartiges Original einer oberbayrischen Sennerin wird im Geigelsteingebiet nun für immer fehlen. pw

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