BLAULICHTEMPFANG „SICHERES BAYERN“

Ehrenamt: Beim Arbeitgeber fängt es an

Als „ehrenamtsfreundlicher Betrieb“ geehrt: die Priener Firma Fischer Formtechnik von Gerhard Fischer (rechts aussen) hier mit Ehefrau Angie, Sohn Julian und Hans-Jürgen Schuster, dem Zweiten Bürgermeister von Prien.

Bei den Blaulichtempfängen des Bayerischen Innenministeriums dreht sich alles um jene Menschen, die für Sicherheit in Bayern sorgen. Das ist nicht nur die Polizei, es sind vor allem die 430 000 Bürger, die sich ehrenamtlich in Feuerwehr- sowie in Hilfs- und Rettungsdiensten engagieren.

Prien – Die Empfänge sind ein Zeichen der Anerkennung und des Dankes der Staatsregierung für dieses Engagement. Diesen Dank nahmen am Samstag rund 300 ehrenamtlich Engagierte aus dem gesamten Bezirk Oberbayern stellvertretend für all ihre Kolleginnen und Kollegen bei einer Schifffahrt auf dem Chiemsee entgegen.

Die Blaulichtempfänge haben aber auch eine zweite Aufgabe: Sie sollen in der Allgemeinheit das Bewusstsein für Sinn und Notwendigkeit des Ehrenamtes wachhalten, wenn möglich sogar neue Impulse geben.

Mit der Bereitschaft sich ehrenamtlich zu engagieren, so Innenminister Herrmann in seiner Ansprache, sei es so wie beim Fußball: Titel und Erfolg vom letzten Jahr seien in der aktuellen Saison nichts wert, sondern müssten stets aufs Neue frisch erworben werden.

Beim Empfang am Samstag hob die Staatsregierung eine Personengruppe hervor, die beim Stichwort Ehrenamt normalerweise weniger im Fokus ist: die Arbeitgeber. Mitarbeiter zu beschäftigen, die sich im Ehrenamt engagieren, setzt die Bereitschaft voraus, diese immer wieder freizustellen, nicht nur für Einsätze, sondern auch für Fortbildungen. Ob dies bereitwillig passiert, oder zurückhaltend, quasi nur zähneknirschend, ist für die betreffenden Mitarbeiter ein erheblicher Unterschied. So werden Betriebe gewissermaßen zu Quellpunkten ehrenamtlichen Engagements, ebenso gut kann die Bereitschaft dazu dort aber auch ausgetrocknet werden. Deshalb hat die Staatsregierung 2018 die Auszeichnung „ehrenamtsfreundlicher Betrieb“ neu geschaffen. Verliehen wurde sie am Samstag an die Firmen Infineon, das Mammendorfer Institut für Physik und Medizin, die Versicherungskammer Bayern sowie an die Firma Fischer Formtechnik aus Prien.

Gerade bei Fischer Formtechnik kann man die Bedeutung der Firmen für das Ehrenamt beispielhaft sehen. Von 28 Beschäftigten, so Firmeninhaber Gerhard Fischer, seien zwölf bei der Feuerwehr, einer bei der Bergwacht. Von den Feuerwehrlern engagieren sich drei noch zusätzlich bei der Wasserwacht. „Bei größeren Einsätzen“, so Fischer, „kann es schon sein, dass es in der Firma a bissl leer wird“.

Warum er das Engagement seiner Mitarbeiter trotzdem nach Kräften unterstützt, hat für ihn nicht nur mit der unmittelbaren Hilfeleistung zu tun. Es geht um mehr. „In den Dörfern in unserem Landstrich“, so sagt Fischer, „haben wir noch lebendige Gemeinschaften, man lebt miteinander und nicht nebeneinander her.“

Das sei ein Gut, das man gerade heute gar nicht hoch genug schätzen könne. Die Vereine – zu denen auch die Feuerwehr gehöre – seien der Ort, an dem das Zusammenleben aktiv gestaltet werde. Salopp übersetzt: Handeln und Gestalten statt Abwarten und Maulen ist dort die Devise. Eine Haltung übrigens, in die gerade die jungen Leute automatisch mit hineinwachsen, sagt Fischer. Auch sein Sohn Julian sei, wie er selbst, ganz selbstverständlich Mitglied bei der Feuerwehr.

Deshalb betont Innenminister Herrmann, dass er zu Blaulichtempfängen immer gern geht: „Die Leute, die sich ehrenamtlich engagieren, machen es mit Leidenschaft. Das spürt man, da ist Herzblut dabei und diese Stimmung springt über.“

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