HITZEWELLE IN DER REGION

Cool bleiben am heißen Herd

Bis es weh tut: Sous Chef Andreas Schütze hängt seine Arme zur Abkühlung in einen Eimer mit Eiswasser. Berger
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Bis es weh tut: Sous Chef Andreas Schütze hängt seine Arme zur Abkühlung in einen Eimer mit Eiswasser. Berger

Eine Hitzewelle hält die Region in beziehungsweise außer Atem. Die Schüler, die gestern offiziell in die Sommerferien gestartet sind, freuen sich – die Berufstätigen in der Region weniger. Die OVB-Heimatzeitungen haben mit zwei Arbeitnehmern gesprochen: Einer schwitzt, der andere zieht sich warm an.

Rosenheim/Landkreis – Wenn er die Wahl hätte, würde er derzeit auf einer Forschungsstation in der Antarktis arbeiten, erzählt Andreas Schütze und lacht. Nicht unbedingt aus wissenschaftlicher Neugier, zumindest nicht in erster Linie, sondern vielmehr temperaturbedingt. Der 41-Jährige verdient seine Brötchen – Entschuldigung, Semmeln – als Sous Chef, also stellvertretender Küchenchef, im Yachthotel Chiemsee in Prien. Wer glaubt, an seinem Arbeitsplatz sei es heiß, der sollte mal in die Küchen in der Region schnuppern. „Das ist zur Zeit sehr krass“, sagt Schütze. Auf bis zu 60 Grad Celsius erhitze sich die Luft, wenn die Öfen an sind. „Da klappt ein Schmalbrüstiger schon mal zusammen.“

Die Unterarme in kaltes Wasser hängen

Nach zehn Minuten am Herd sind Schütze und seine Kollegen klatschnass geschwitzt. Die verlorene Flüssigkeit muss selbstverständlich wieder zugeführt werden. Also: genug trinken. „Darauf schauen wir auch“, sagt Schütze. Zudem stehen an jedem Arbeitsplatz Eimer mit Eiswasser bereit. „Da hält man die Unterarme rein, bis es weh tut. Dann geht es zumindest eine Zeit lang.“ Ventilatoren sind dagegen keine Option. Die, so Schütze, brächten zwar vorübergehend Abkühlung. Das habe aber seinen Preis: „Manche sind da empfindlich und werden krank. Das können wir uns nicht leisten.“ Zumindest einen positiven Aspekt kann der Sous Chef der Hitze aber abgewinnen: „Egal wie viel man trinkt, man muss nicht aufs Klo“, sagt Schütze und lacht.

Augen auf bei der Berufswahl – so oder so ähnlich denkt derzeit wohl Andreas Daxenbichler. Der 27-Jährige arbeitet als Brauer und Mälzer in der Flötzinger Brauerei in Rosenheim. Dort herrscht ein vergleichsweise – Achtung Wortspiel – angenehmes Arbeitsklima: Zwischen fünf und 10 Grad Celsius hat es im Lagerkeller. Der derzeit wohl angenehmste Beruf überhaupt? „Das kann man so sagen“, sagt Daxenbichler schmunzelnd. Nicht umsonst werde er in seinem Bekanntenkreis beneidet. „Ja, du in deinem Keller“, heißt es da.

Während andere Berufstätige angesichts der Hitze nicht wissen, was sie als Erstes ausziehen sollen, geht es für Daxenbichler darum, sich richtig anzuziehen. Er trägt eine lange Hose, zwei T-Shirts, eine Fleece-Jacke und zwei Paar Socken, normale und darüber Rosshaarstrümpfe. Wichtig ist das vor allem dann, wenn er nach einer Pause im Freien an den Arbeitsplatz zurückkehrt. Andernfalls ist die Erkältung quasi vorprogrammiert.

Besagte Pausen im Freien vermeidet Daxenbichler nach Möglichkeit ohnehin. „Ich freue mich nicht aufs Warme“, sagt er. Logisch, wenn man fünf Grad gewohnt ist, dann fühlen sich Temperaturen jenseits der 35-Grad-Marke noch einmal ganz anders an. Da hilft nach Feierabend nur eins: baden. Oder den Körper von innen kühlen. Gut, wenn man buchstäblich an der Quelle sitzt.

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