Zwei Stunden, zwei Kulturen: Schüler aus Indien und den USA besuchen Priener Rathaus

Farbenfroh in indischer und oberbayerischer Tracht: Die Schüler aus Indien waren gemeinsam mit ihren Gastgebern aus Prien im Rathaus zu Besuch. Berger
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Farbenfroh in indischer und oberbayerischer Tracht: Die Schüler aus Indien waren gemeinsam mit ihren Gastgebern aus Prien im Rathaus zu Besuch. Berger

Zwei Besuchergruppen, wie sie kulturell unterschiedlicher kaum sein könnten, waren am Dienstag kurz nacheinander im Priener Rathaus zu Besuch. Schüler aus Indien und aus den USA sind derzeit zu einem Austausch am Ludwig-Thoma-Gymnasium und statteten Bürgermeister Jürgen Seifert einen Besuch ab. Bei aller Unterschiedlichkeit einte sie jedoch eines: das Interesse daran, etwas über Deutschland zu lernen.

Prien

Den Auftakt machten die Gäste aus Indien, genauer gesagt vom Mayo-College aus Ajmer. Je eine Jungen- und eine Mädchenklasse aus der Stadt mit rund einer halben Million Einwohner waren mit ihrem Lehrer Harprabhjot Singh und ihrer Lehrerin Meena Shukla zu Besuch. Für ihre Zeit in Deutschland haben sie sich vorgenommen, einiges über die deutsche Unternehmenskultur zu lernen und diese mit Indien zu vergleichen. So stehen unter anderem Besuche bei den Firmen Goretex, Hefter Maschinenbau und ein Besuch des BMW-Werks in München auf dem Programm.

Indische Schüler besuchen Firmen

Für Singh ist es der zweite Besuch mit einer Klasse in Deutschland. Seine Kollegin Shukla ist zum ersten mal hier. Am Montag waren sie mit ihrer Reisegruppe in München gelandet. „Wir wurden sehr freundlich von unseren Gastfamilien empfangen und hatten auch schon ein sehr schönes gemeinsames Willkommensfrühstück“, berichtet der Lehrer in fließendem Englisch. Die Lehrer erzählen, dass einige ihrer Schüler auch Deutsch lernen.

Eher exotisch in Indien, wo Englisch und Französisch die am weitesten verbreiteten Fremdsprachen seien. Am Mayo-College in Ajmer würden allerdings seit vier Jahren auch regelmäßig Deutschkurse für die Schüler angeboten.

Indien holt rasant auf

Dem rasanten wirtschaftlichen Aufstieg Indiens zollte Priens Bürgermeister beim kleinen Empfang im Rathaus Respekt. Vor vielen Jahren sei ein Priester aus Indien bei ihm zu Gast gewesen. Der Mann habe aus einer Fischerfamilie gestammt, die einen Betrieb mit 100 Angestellten führte. Dennoch habe er als Priester in Deutschland mehr verdient, als die ganze Familie in Indien zusammen. „Diese Zeiten haben sich geändert“, stellte Seifert fest. Heute sei Indien weltbekannt für seine rasante Entwicklung und seine Ingenieurskunst.

Und was denken Inder über Deutschland? Gibt es gängige Vorurteile? Lehrer Singh lacht. Man sage über die Deutschen, dass Pünktlichkeit sehr wichtig sei, was er aber nicht als Vorurteil verstanden wissen möchte. „Das ist eine gute Sache“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Chicago - ein Großraum mit zwölf Millionen Einwohnern

Auch für die Schüler aus den USA ist der Besuch im kleinen Prien mit seinen 11 000 Einwohnern ein echtes Kontrastprogramm, kommen sie doch aus der 3,5 Millionen Metropole Chicago. Rechne man den kompletten Großraum dazu, lebten dort zwölf Millionen Menschen, berichtet Lehrerin Susanne Pralle, die die US-amerikanische Schülergruppe gemeinsam mit ihrer Kollegin Anette Steinbarth nach Deutschland begleitet.

Die Amerikaner haben seit Juni ihre großen Sommerferien. Sie opfern drei Wochen ihrer freien Zeit, um das deutsche Schulsystem kennenzulernen. Die beiden Lehrerinnen sprechen perfekt Deutsch. Ihre Schüler, gerade mit der achten beziehungsweise neunten Klasse fertig, stehen ihnen kaum nach. Seit der dritten Klasse lernen sie an ihrer Highschool – eine Privatschule, die zur Universität von Chicago gehört – bereits die deutsche Sprache. Dabei, so berichtet Lehrerin Pralle, sei Deutsch nur die Fremdsprache, die an der Schule an vierter Stelle gelehrt wird. Die meisten Schüler lernen Spanisch, gefolgt von Französisch und – Mandarin, die am weitesten verbreitete Sprache in China.

Deutsch meist schon dritte Fremdsprache

Die Schüler sind allesamt Hochbegabte, berichtet die Lehrerin. Sie kommen meist schon aus mehrsprachigen Familien. So seien unter ihren Schülern welche, die neben Englisch mit mit Französisch, Koreanisch oder Griechisch aufwachsen. Und an der Schule gilt der Grundsatz: Eine Sprache, die ein Schüler zu Hause breits spricht, darf in der Schule nicht mehr als Fremdsprache belegt werden.

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So sprechen die meisten Jugendlichen in der Klasse also Deutsch als zweite Fremdsprache.

Für drei Wochen sind die Amerikaner in Prien zu Gast. Im Oktober folgt dann der Gegenbesuch der Deutschen vom Ludwig-Thoma-Gymnasium. Bei der Begrüßung im Rathaus stellte Bürgermeister Seifert fest, dass Prien zwar nur rund 11 000 Einwohner habe, mit dem Chiemsee und der Herreninsel aber jedes Jahr bis zu 800 000 Touristen anlocke. Thematisiert wurde auch das Alte Schloss und der Verfassungskonvent, der dort im 1948 die entscheidende Grundlage für die Entstehung des Grundgesetzes der Bundesrepublik war.

Dann durften sich die Schüler aus der „Windy City“ – der windigen Stadt, wie Chicago oft genannt wird – im heißen Prien auf die Suche nach einer kleinen Abkühlung machen. Seifert empfahl ihnen ein Bad im Chiemsee, wo er selbst am morgen schon schwimmen gewesen sei.

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