Buben (5 und 8) hat er schon gebissen: Schäferhund macht Kindern in Rimsting Angst

Der kleine Nathan Weinland steht vor dem Spielplatztor im Rimstinger Gartenweg. Das hatten er und seine Freunde am 8. Juni gerade geschlossen, als der Schäferhund einer Nachbarin auf ihn und einen weiteren Jungen losging. Seitdem mag Nathan nicht mehr allein dorthin gehen. Für das Foto traute er sich aber.
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Der kleine Nathan Weinland steht vor dem Spielplatztor im Rimstinger Gartenweg. Das hatten er und seine Freunde am 8. Juni gerade geschlossen, als der Schäferhund einer Nachbarin auf ihn und einen weiteren Jungen losging. Seitdem mag Nathan nicht mehr allein dorthin gehen. Für das Foto traute er sich aber.
  • Elisabeth Sennhenn
    vonElisabeth Sennhenn
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Zwei Kinder in Rimsting sind nach dem Angriff eines Schäferhunds aus ihrer eigenen Straße traumatisiert. Die Halterin verweigert die Überprüfung des Tieres, geht aber mit dem Tier zur Hundeschule. Die Eltern der Kinder wünschen sich trotzdem „schärfere Maßnahmen“.

Rimsting – „Das hätte ich meinem Kind gern erspart“, sagt Nina Weinland. Ein Schäferhund aus der Nachbarschaft im Rimstinger Gartenweg hat ihren fünfjährigen Sohn Nathan am 8. Juni aus dem Nichts heraus angegriffen und ihn ins Gesäß gebissen. Ein zweiter, achtjähriger Junge wurde unmittelbar zuvor von dem Tier attackiert, konnte sich aber noch befreien.

Als Kind ist Weinland selbst von einem Hund angegangen worden. „Seitdem habe ich Angst vor Hunden, wollte das aber nicht auf meine Kinder übertragen.“ Leider sei jetzt passiert, was sie selbst erleben musste: „Mein Sohn ist seitdem traumatisiert, traut sich nicht mehr allein auf die Straße und auf den Spielplatz, wo er sich immer gern mit den Nachbarskindern getroffen hat.“

Der Hund schnappt nach dem Schienbein

Dort ist das Unglück passiert: Nathan und weitere Kinder wollen am Spätnachmittag des 8. Juni nach Hause gehen und schließen gerade das Tor zum Spielplatz hinter sich, als die Hundehalterin auf der anderen Straßenseite ihr Auto parkt. Sie öffnet den Kofferraum. „Die Kinder haben erzählt, dass der Hund rausgesprungen und auf die Kinder zugestürmt sei“, schildert Weinland. Zuerst läuft das Tier auf den achtjährigen Jungen zu, dessen Familie anonym bleiben möchte. Sein Vater erzählt der Chiemgau-Zeitung: „Der Hund wollte ihn am Schienbein packen und hat nach seiner Hose geschnappt. Zum Glück konnte unser Sohn sich losreißen, aber der Angriff hängt ihm noch sehr nach.“

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Er spricht von einer Traumatisierung des Kindes. „Im Anschluss hat sich der Hund dann auf Nathan gestürzt, ihn zu Boden gerissen“, fährt Weinland fort, und dass es der Halterin erst dann gelungen sei, das Tier unter Kontrolle zu bringen. Trotzdem schafft der Hund es noch, Nathan zu beißen.

Hund bellt spielende Kinder an

Im Gartenweg ist das Tier schon länger als potenziell aggressiv bekannt. Weinland schildert unserer Zeitung, es belle die Kinder auf dem Spielplatz laufend an. Dass der Biss keine tiefe Fleischwunde war, sondern eine Abschürfung, habe ihr Sohn der doppelt genähten Hose zu verdanken, sagt sie. „Es hätte aber auch ganz anders ausgehen können.“

Sofort zum Kinderarzt

Mit ihrem Sohn ging es dann sofort zum Kinderarzt, kurz darauf hat Weinland Anzeige gegen die Halterin erstattet. „Aus der Nachbarschaft wissen wir, dass der Hund im Haus der Frau schon einmal jemanden gebissen hat“, so Weinland.

Laut Polizei ist dies auf Nachfrage unserer Zeitung aber nie aktenkundig geworden.

Die Familien der Jungen sind jedenfalls der Ansicht, die Frau sei zu alt für den agilen Schäferhund: „Sollte der Hund mal ordentlich Gas geben, sie käme ihm nicht mehr hinterher“, ist sich der Vater des Achtjährigen aufgrund seiner Beobachtungen sicher.

Die Polizei ermittelt

Die Halterin selbst, deren Name der Redaktion bekannt ist, war für unsere Zeitung nicht zu erreichen. Kontakt zu ihr aufgenommen hat auf die Anzeige hin jedoch Diensthundeführer Bernd Weber, Oberkommissar bei der Polizei Rosenheim. „Es handelt sich hier um eine fahrlässige Körperverletzung durch einen Hundebiss. Beide Kinder wurden leicht verletzt“, bestätigt er. Ermittlungen seien eingeleitet worden, in deren Rahmen auch eine Überprüfung des Hundes stattfinden könne, allerdings für den Hundehalter freiwillig.

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In diesem Fall habe die Halterin dies abgelehnt. Die Begründung: Sie gehe mit dem Tier nun in eine Hundeschule. Weber hat das überprüft und meint: „Sie hat sich uns gegenüber einsichtig gezeigt“. Auch bei Familie Weinland wollte sich die Frau offenbar entschuldigen, sei nach dem Angriff hinter den aufgeregten Kindern hergelaufen, wie die Mutter erwähnt: „Aber mein Sohn weinte und schrie, da habe ich sie in der Aufregung erst mal weggeschickt.“ Zu einem erneuten Kontakt kam es nicht. Im Nachhinein sind die Weinlands zwiegespalten: Sie würdige die Entschuldigung zwischen Tür und Angel, sagt die Mutter, wünsche sich aber ein schärferes Vorgehen gegen die Halterin. Die Weinlands haben sich vorsorglich eine Anwältin zur Seite geholt.

„Erster Fall in 40 Dienstjahren“

Die Polizei übergibt den Fall nach Abschluss der Ermittlungen an die Staatsanwaltschaft Traunstein. Jetzt liegt der Ball beim Ordnungsamt der Gemeinde, der „weitere Maßnahmen oder Anordnungen, wie Leinenpflicht und das Tragen eines Maulkorbs obliegen“, so die Polizei.

Oberkommissar Weber hat Leinenpflicht empfohlen, kann sie aber nicht anordnen. Wolfgang Dettendorfer vom Ordnungsamt sagt: „Wir nehmen das Ganze sehr ernst.“ In 40 Jahren Dienstzeit habe er so einen Fall in Rimsting noch nicht erlebt. Auch, wenn der Hund nun trainiert werde, ad acta gelegt werde der Fall nicht: „Ob diese Maßnahme ausreicht, wird sich zeigen.“

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