Zwei junge Priener Mütter erzählen: Kinder kriegen in Corona-Zeiten fast ein Kinderspiel

Katrin und Hans Wallner mit der kleinen Hannah, die mitten in der Corona-Zeit auf die Welt kam, und der 16 Monate alten Schwester Julia.
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Katrin und Hans Wallner mit der kleinen Hannah, die mitten in der Corona-Zeit auf die Welt kam, und der 16 Monate alten Schwester Julia.

Corona verlangt allen etwas ab: Wer jetzt Nachwuchs bekommt, ist vielleicht verunsichert wegen der Hygiene. Wenn es nach zwei jungen Priener Familien geht, gibt es dafür keinen Grund. Sie haben die Geburten ihrer Töchter fast als normal in Erinnerung.

Von Dirk Breitfuß

Prien – Mundschutz und regelmäßiges Händewaschen sind die wichtigsten Hygienemaßnahmen, um sich nicht mit Covid-19 anzustecken. Als die Frauen der Priener Gemeinderäte Hans Wallner (CSU) und Florian Fischer (ÜWG) schwanger wurden, dachte noch niemand an Corona. Als sie entbunden haben, war das Virus in aller Munde. Aber die beiden jungen Mütter können allen Schwangeren Mut machen: Kinder kriegen in Corona-Zeiten ist fast ein Kinderspiel.

Schreckensberichte von Maskenpflicht beim Pressen im Kreißsaal können Katrin Wallner und Barbara Fischer nicht bestätigen. Beide haben im Klinikum Traunstein entbunden. Marlene, das erste Kind von Barbara und Florian, kam am 14. Mai zur Welt. Hannah, die zweite Tochter von Katrin und Hans Wallner, folgte eine Woche später, am 21. Mai. Inzwischen wachsen und gedeihen beide Mädchen in der elterlichen Obhut in Prien.

Nicht mehr fähig, an Mundschutz zu denken

Bei beiden Geburten haben Hebammen und Ärzte im Kreißsaal nicht darauf bestanden, dass die werdenden Mütter eine Maske tragen. „Da war ich auch nicht mehr fähig, an den Mundschutz zu denken“, lacht Barbara Fischer, weil ihr auf dem Weg aus dem Krankenzimmer in den Kreißsaal tausend andere Dinge durch den Kopf gingen. Sie war schon einen Tag zuvor ins Klinikum gekommen.

Bei Katrin Wallner ging alles viel schneller – so schnell, dass der werdende Vater fast zu spät gekommen wäre, denn die Männer mussten auf Abruf zuhause warten, bis sie angerufen wurden, um die Zeit im sensiblen Kreißsaal zu minimieren. „Hannah kam wie eine Rakete“, erzählt sie. Ihr Mann schaffte es von Prien nach Traunstein gerade noch rechtzeitig. Die Wallners hatten sich umentschieden. Eigentlich sollte Hannah in Rosenheim zur Welt kommen., aber dort seien die Vorschriften strenger gewesen und Maskenpflicht im Kreißsaal wollte sich die werdende Mama nicht antun.

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Am präsentesten war Corona bei der Ankunft im Krankenhaus, berichten beide Frauen übereinstimmend. In einem provisorischen Zelt, das als Schleuse diente, mussten beide Abstriche machen und ihre Temperatur messen lassen. Erst , wenn das negative Ergebnis des Corona-Tests vorliegt, kommen die Frauen in der Entbindungsstation in ein Mehrbettzimmer. Bis dahin bleiben sie in einem Einzelzimmer. Die Aufnahme im Zelt inklusive zeitraubender detaillierter Besprechung aller Angaben im Mutterpass haben beide Mütter als sehr anstrengend in Erinnerung, Katrin Wallner kam sie fast vor „wie ein Verhör“.

Corona hat für die beiden jungen Mütter sogar etwas Gutes gehabt, räumen sie nach kurzen Nachdenken unabhängig voneinander im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung ein. Sie hatten in den Tagen in der Klinik und danach zuhause Ruhe, denn der Ansturm der Gratulanten aus den großen Familien der jungen Eltern blieb aus. Beide Mütter empfanden das als angenehm. Störend seien in der Klinik die vielen „Besuche“ von Reinigungspersonal gewesen, erinnert sich Wallner. Alle paar Stunden sei irgendwas geputzt oder desinfiziert worden.

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Bei den Wallners hat sich das zuletzt geändert, denn viele Verwandte und Freunde haben vorbeigeschaut und ihre Hilfe oder zumindest moralische Unterstützung angeboten, seit das Unwetter vor knapp zwei Wochen das Anwesen vom Moar z´ Bruck schwer getroffen und verwüstet hat. Aber die Erinnerung daran lässt Mama und Papa nur kurz ernst werden, beim Blick auf die schlafende Hannah hellen sich ihre Züge schnell wieder auf.

Termine für Taufe sind schwer zu kriegen

Eine große Herausforderung war es für beide Familien, einen einigermaßen zeitnahen Termin für die Taufen ihrer Töchter zu bekommen. In der katholischen Pfarrei Mariä Himmelfahrt Prien ist Terminstau, unter anderem, weil Corona-bedingt Kommunion und Firmungen verschoben und die Feiern in kleine Gruppen aufgeteilt wurden.

Katrin Wallner war bei ihrer Anfrage der 12. Dezember als nächstmöglicher Tauftermin angeboten worden. Weil ihr Mann gut mit Pater Virgil (Steindlmüller) befreundet ist, der aus dem benachbarten St. Salvator stammt, bekamen die jungen Eltern bei ihm noch einen Termin Mitte Oktober in Wildenwart.

Bei den Fischers war es ähnlich. Nur weil Pater Joshy von der Priener Pfarrei die Taufe der kleinen Marlene an eine andere Feier dranhing, bekamen sie noch einen Termin im Oktober. Sonst hätte Marlene bis kurz vor Weihnachten warten müssen.

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