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Nachruf

Zum Tod von Hans-Jürgen Schuster aus Prien: Einer, der immer alles gegeben hat

Hans-Jürgen Schuster (links) wurde 2020 die Ehrenbürgerwürde für Prien von Bürgermeister Andreas Friedrich verliehen.
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Hans-Jürgen Schuster (links) wurde 2020 die Ehrenbürgerwürde für Prien von Bürgermeister Andreas Friedrich verliehen.
  • Elisabeth Sennhenn
    VonElisabeth Sennhenn
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  • Tanja Weichold
    Tanja Weichold
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Hans-Jürgen Schuster ist mit 77 Jahren gestorben. Er war unermüdlich im Einsatz für soziale Zwecke. Priens ehemaliger Zweiter Bürgermeister, der in Urschalling daheim war, prägte die Ökumene in der Marktgemeinde und setzte sich mit viel Herzblut für den Ambulanten Ökumenischen Sozialdienst ein.

Prien – Die Marktgemeinde Prien muss sich von einem äußerst engagierten Menschen verabschieden: Der frühere Zweite Bürgermeister und Ehrenbürger Hans-Jürgen Schuster aus Urschalling verstarb in der Nacht zum Montag. Er wurde 77 Jahre alt. Die vergangenen zwei Jahre kämpfte er gegen ein schweres Krebsleiden an.

„Enorme positive Energie“

Priens Erster Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) würdigt den Verstorbenen auf Nachfrage der Chiemgau-Zeitung als eine Persönlichkeit, die mit „enormer, positiven Energie“ sehr viel Gutes für die Menschen in Prien und der Umgebung erreicht habe. Mit Schuster habe er „einen Freund verloren“, so Friedrich. „Seit meinem Amtsantritt habe ich mich immer wieder gern mit ihm auf einen Kaffee getroffen und ihn um seine Meinung und Einschätzung gebeten“, sagt Friedrich. Die Marktgemeinde werde ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren.

Zeitlebens Einsatz für die Ökumene

Bestürzung hat Schusters Tod auch bei Friedrichs Amtsvorgänger Jürgen Seifert ausgelöst: „Hans-Jürgen Schuster war ein Mensch, der sich immer selbstlos für andere eingesetzt hat, vor allem für die Schwachen und Hilfsbedürftigen in unserer Gesellschaft“, erinnert er sich. Dabei habe er „nach alten Werten und christlichen Grundsätzen, mit einem unglaublichen Pflichtbewusstsein und enormer Verlässlichkeit“ gelebt. Seifert sagt über Schuster, mit dem ihn zuletzt eine „tiefe und ehrliche Freundschaft“ verbunden habe, dass er seinen „grenzenlosen Optimismus“ bewundere, mit dem er sein Schicksal bis zuletzt getragen habe: „Ich werde ihn in bester Erinnerung behalten und bin dankbar, dass ich ihn ein Stück auf seinem Lebensweg begleiten durfte.“

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Die vergangenen zehn Jahre war der Verstorbene Vorsitzender des Diakonievereins und Gesellschafter der Ökumenischen Sozialstation. Deren Geschäftsführerin Beate Bolz beschreibt Schuster als „Motor für die paritätische Zusammenarbeit zwischen Diakonieverein und Caritas“ und schildert, wie sich Schuster mit Nachdruck für diese Zusammenarbeit eingesetzt hat: „Sein Motto war stets: `Wenn wir das wirklich wollen, dann schaffen wir das!´“, erzählt sie, und wie viel Energie er in das rechtlich komplexe Vorhaben gesteckt habe, aus dem ältesten ambulanten Pflegedienst in der Region in eine gGmbH umzugestalten.

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„Er war sehr charmant und wohlwollend, hielt die Gesprächspartner immer auf Augenhöhe.“ Er sei herzensgut gewesen, jemand, „der selbst viel gibt, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten.“ So habe er sogar in finanziell schwierigen Anfangszeiten der gGmbH private Mittel locker gemacht, um das Vorhaben zu stützen. Für andere habe er stets ein offenes Ohr gehabt, hatte die Gabe, „jeden in seiner individuellen Persönlichkeit zu sehen und anzunehmen.“

Sogar im Rollstuhl zu wichtigen Terminen

Selbst als er in seinen letzten Lebenswochen, geschwächt von der Krankheit, nur noch im Rollstuhl sitzen konnte, sei er mit der Aktentasche unterm Arm zu allen wichtigen Terminen erschienen.

Seine Tochter habe ihn dabei unterstützt und ihn überall hingefahren. „Er hat Monate vorausgedacht und hat bis zuletzt ein enormes Arbeitspensum an den Tag gelegt“, sagt Bolz bewundernd, „es konnte sein, dass er selbst nach einem Sitzungsmarathon noch bis Mitternacht Bilanzen geprüft hat und trotzdem am nächsten Tag in der Früh pünktlich zu einem Termin erschien. Er hatte eine Lebensenergie, da könnte selbst einem fitten 30-Jährigen schwindelig werden.“

„Unzählige Projekte gestemmt“

Unermüdlich habe er sich eingesetzt, wenn es darum ging, Förderer für soziale Projekte zu finden, weiß auch Pfarrer Karl-Friedrich Wackerbarth zu berichten. In den 1960er Jahren habe Schuster den Diakonieverein mitgegründet: „Wir haben unzählige Projekte gestemmt, die wir ohne sein zupackendes und betriebswirtschaftliches Geschick niemals hätten umsetzen können“, so Wackerbarth. Aus der langen Liste hebt er der den Priener Kinderhort Marquette, den Neubau des Gemeindezentrums, sowie den Dietrich-Bonhoeffer-Bildungscampus in Bad Aibling hervor.

Seine Familie bedeutete für den Verstorbenen alles. Er galt als liebevoller Opa, der sich regelmäßig um seine Enkel kümmerte.

Ihm zu Ehren findet am Freitag, 9. Juli, um 18.30 Uhr in der Urschallinger Kirche ein Sterberosenkranz statt.

Berufstätig bis ins hohe Alter

Hans-Jürgen Schuster wurde am 4. Oktober 1943 im niedersächsischen Wesendorf im Landkreis Gifhorn als viertes von fünf Kindern geboren. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg zog die Familie nach Urschalling. Mit nur zehn Jahren verlor er den Vater. Von seiner Mutter Marieluise hat er das große soziale Engagement und den Dienst am Nächsten übernommen, erinnert sich Tochter Claudia Lermer gegenüber der Chiemgau-Zeitung.

Die Religionslehrerin arbeitete auf der Fraueninsel und brachte sich sehr bei der evangelischen Kirchengemeinde ein. Sie war Trägerin des Bundesverdienstkreuzes. Nach der Mittleren Reife absolvierte Schuster bei der Firma Dunlop in Hanau eine Lehre zum Industriekaufmann. 25 Jahre lang war er dort, zuletzt als Vertriebsleiter.

Als das Unternehmen verkauft wurde, übernahm er es als geschäftsführender Gesellschafter. Dieser beruflichen Tätigkeit ging er noch bis vor drei Jahren nach. Aus der Ehe mit Gisela Schuster gingen Tochter Claudia und Sohn Michael hervor, die ihm insgesamt sechs Enkelkinder schenkten, an denen er sehr hing und wo er eine Woche vor seinem Tod noch die Erstkommunion mitfeiern konnte. Schuster war begeisterter Fuß- und Handballer.

Im Juni 2020 verlieh im Bürgermeister Andreas Friedrich die Ehrenbürgerwürde. Seit Dezember 2001 saß Hans-Jürgen Schuster für die CSU im Marktgemeinderat, von 2014 bis 2020 war er Zweiter Bürgermeister. Die Liste seiner Ehrenämter in der Marktgemeinde ist lang.

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