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Zufriedene Imker aus Bernau: „Regionaler Honig ist zum Glück keine Mangelware“

Im Bienenhaus mit Georg Leidel und Sepp Seiser: Die von Menschenhand gepressten Wachsplatten bauen die Bienen um als Brutwaben oder Nahrungsspeicher.
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Im Bienenhaus mit Georg Leidel und Sepp Seiser: Die von Menschenhand gepressten Wachsplatten bauen die Bienen um als Brutwaben oder Nahrungsspeicher.
  • Ulrich Nathen-Berger
    VonUlrich Nathen-Berger
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Bernau – In Oberbayern sind Bienen und Landwirtschaft schon seit jeher eng miteinander verbunden, denn die Bienenhaltung hat hier eine uralte Tradition. In früheren Zeiten gab’s auch im Chiemgau nahezu auf jedem Bauernhof und in jedem Obstgarten Bienenstöcke oder ein Bienenhaus. Nicht nur für die Honiggewinnung: Wichtig war und ist auch die Bestäubungsarbeit der wertvollen Insekten, um den Fortbestand von Wild- und Nutzpflanzen zu erhalten.

Dies machen die Bernauer Sepp Seiser (82) und Georg Leidel (54) im Interview mit der Chiemgau-Zeitung deutlich. Seit Jahrzehnten pflegt Seiser sein Imker-Hobby im eigenen, großen Bienenhaus in Farbing; Leidel ist sozusagen „Untermieter“.

Landauf landab gab’s heuer viele Klagen über eine schlechte Honigernte. Wie ist es Ihnen ergangen?

Georg Leidel: Der erste Blütenhonig ist heuer für uns völlig ausgeblieben, den haben die Bienen selbst als Nahrung nutzen müssen. Wir hatten dann im Juni besseres Wetter, denn drei Wochen lang gab es ideale Bedingungen für unsere Bienen. Das hat uns einen sehr schönen und guten – und auch nicht zu wenigen – Sommerhonig beschert, mit relativ viel Waldanteil.

Wie bewerten Sie die Erträge im Vergleich zu früheren Jahren ?

Leidel: Wir haben in unserem Stand heuer richtig Glück gehabt im Vergleich zu anderen Jahren. Seit 2019 habe ich 16 Völker, 13 davon sind Wirtschaftsvölker, drei waren eher schwächer. In einem guten Jahr kann ich pro Volk etwa 30 bis 40 Kilo Honig ernten. Dafür sorgen pro Stock im Sommer etwa 50 000 bis 80 000 Bienen. Vor drei Jahren war der Sommer sehr gut, da konnten wir dreimal Honig schleudern: Frühtracht, Sommerhonig und Ende Juli, Anfang August noch einmal.

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Was hören Sie von den Imkerkollegen in der Region? Ergeht’s denen eher schlechter?

Leidel: In einem Zeitungsbericht haben sich zum Beispiel Halfinger Imker vor Kurzem zufrieden mit den Erträgen geäußert. Weiter im Norden, wo überwiegend Mais und Getreide auf den landwirtschaftlichen Flächen angebaut wird, sieht’s spärlicher aus mit dem Honig. Auch in meiner Verwandtschaft in der Freisinger Gegend wird geimkert, dort hat es während der Rapsblüte den Hauptertrag ergeben, danach nichts mehr. Auf den Feldern herrscht für die Bienen Nahrungsmangel, denn die Landwirtschaft ist nicht auf Blühwiesen angewiesen. Da dreht sich alles nur ums Grün der Pflanze, und für den Anbau wird regelmäßig gesät.

Blick in einen geöffneten Bienenstock: Emsiges Treiben herrscht auf den senkrecht angeordneten Wabenwänden.

Daraus lässt sich ableiten, dass regionaler Honig zur Mangelware wird?

Leidel: Nein, regionaler Honig wird aus meiner Sicht nicht zur Mangelware. Die Anzahl der Imker hat in den vergangenen Jahren zugenommen, viele von ihnen haben zwei bis drei Völker. Für uns gibt es eigentlich nur zwei Honigsorten: Den hellen Frühlingshonig oder Blütenhonig, der vorwiegend von Apfel, Birne, Zwetschge und Löwenzahn stammt, zudem den Sommerhonig, der durch höheren Waldanteil zunehmend dunkler geworden ist. Letztes Jahr war der Waldertrag geringer, weil es zu trocken war. Immer wieder hat es schwere Unwetter mit Starkregen gegeben, der die Läuse rausgeschwemmt hat. Deshalb ist mir vom Waldhonig im vergangenen Jahr wenig geblieben.

Was ist der Unterschied zwischen Waldhonig und anderen Sorten?

Sepp Seiser: Waldhonig entsteht nicht aus Blütennektar. Insekten wie Blattläuse, Blattflöhe oder Zikaden saugen zum Beispiel an den Nadeln von jungen Fichtentrieben. Sie entziehen diesem Pflanzensaft einen Teil der Nährstoffe und scheiden eine zuckerhaltige Substanz aus, den sogenannten Honigtau. Den nehmen die Bienen auf. Sie haben einen normalen und einen Honigmagen, in dem wird diese Substanz – wie auch der Blütennektar – zu Honig umgebaut. Den bringen die Bienen in ihre Waben als Nahrungsquelle für die Brut und für sich selbst ein.

Leidel: Im Bau selbst wird der Honig oftmals noch umtransportiert, sodass er beim Herauswürgen aus dem Honigmagen erneut mit Enzymen versetzt wird. Die geben ihm die Farbe, den Geschmack und die gesunden Inhaltsstoffe. Enthalten sind Spuren von dem antibakteriell wirkenden Propolis - unter anderem auch als Bienenharz bezeichnet. Damit halten die Bienen ihren Stock sauber und gesund.

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Welchen Stellenwert hat die Honigbiene für unsere Natur?

Seiser: Wenn man die Imkerei grundsätzlich betrachtet, steht nicht der Honig im Vordergrund, wie viele meinen. Ihre wichtigste Rolle spielen die Honigbienen als Bestäuber von Wild- und Nutzpflanzen. Sie sind im Vergleich zu anderen Insekten artentreu. Das heißt: Wenn ein Zwetschgenbaum blüht und Bienen aus einem Volk ihn gefunden haben, fliegen sie ihn solange an, bis der Nektar abgeerntet ist und die Blüten bestäubt wurden. Erst dann geht’s weiter zum nächsten Baum. Üppiges Wachstum und reiche Ernten zum Beispiel beim Obst- oder Pflanzenanbau hängen stark von den Bienen ab.

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