Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Entwurf sorgt für Furore im Chiemgau

Zu modern oder stimmig? Das sagt der Architekt des neuen Malerwinkel in Seebruck

Der Entwurf für den Malerwinkel ist dem typischen Bundwerk in der Region nachempfunden und soll sogar weniger Fläche versiegeln, als das bestehende Restaurant. Brüderl
+
Der Entwurf für den Malerwinkel ist dem typischen Bundwerk in der Region nachempfunden und soll sogar weniger Fläche versiegeln, als das bestehende Restaurant.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
    schließen

Es brodelt in Seebruck: Nicht jedem gefällt der Entwurf des neuen Malerwinkel. Wir haben mit dem Architekten Schorsch Brüderl gesprochen, wie er mit der Kritik umgeht.

Seeon-Seebruck/Traunreut – Architektur ist Geschmackssache, und so verhält es sich auch mit dem Entwurf für den neuen Malerwinkel. Das hat auch Schorsch Brüderl (63) zu spüren bekommen. Die OVB-Heimatzeitungen haben mit dem Architekten über sein Projekt in Lambach, Herausforderungen zwischen Tradition und Moderne und die hohen Preise auf dem Immobilienmarkt im Chiemgau gesprochen.

Herr Brüderl, es gab auch negative Reaktionen auf Ihren Entwurf zum Malerwinkel. Wie gehen Sie damit um?

Schorsch Brüderl: Die Meinung der Öffentlichkeit ist uns wichtig, aber unqualifizierte Äußerungen von nicht-sachkundigen sind für uns zweitrangig. Ich bin ein sehr emotionaler Mensch, und natürlich entwickeln wir so etwas mit sehr viel Herzblut. Von Kollegen bekommen wir sehr gute Rückmeldungen zu dem Entwurf, und das ist viel wichtiger für uns.

Dem Investor war wichtig, dass der Malerwinkel allen Menschen zugänglich bleibt. Darauf haben wir auch bei unserem Entwurf geachtet.

Warum polarisiert Architektur so oft?

Brüderl: Menschen haben mit Veränderung oft Probleme. Und dazu gehört eben auch, wie ein Haus oder eine Fassade ausschaut. Wobei es nicht um das bloße Bauen geht oder die Frage, wie viele Zimmer man braucht. Unsere Aufgabe ist ja auch eine soziale und eine gesellschaftliche. Als Architekten müssen wir uns damit auseinandersetzen, wie jüngere Generationen leben und leben wollen. Das ist ganz wichtig bei uns. Beim Malerwinkel haben wir uns sehr genau mit Trends im Tourismus auseinandergesetzt: kürzere Urlaube, aber dann sehr hochwertig. Es gibt viele Menschen, die viel Geld für ein Wellnesswochenende in einem kleinen Boutiquehotel ausgeben und nur ein paar Wochen später auf einen Roadtrip mit dem VW-Bulli fahren. Früher wäre das undenkbar gewesen, heute ist das üblich.

Warum ist der Chiemgau da so träge?

Brüderl: Ich weiß es nicht. In anderen Regionen, etwa in Vorarlberg, ist man mutiger und sogar stolz darauf, Neues zu schaffen. Wir sind uns auf jeden Fall unserer Verantwortung bewusst. Ich bin ja selbst aus dem Chiemgau. Wir gehen sehr umsichtig, ich würde schon sagen liebevoll, mit den Gegebenheiten um. Mir imponiert Südtirol. Da werden die verrücktesten Hotels, Restaurants und Weingüter gebaut. Aber es integriert sich gut, und die Gäste wissen es zu schätzen.

Muss es immer was Neues sein?

Brüderl: Nein, im Gegenteil. Wir haben z.B. in Pittenhart eine denkmalgeschützte Zollstation originalgetreu restauriert. Auf dieses Projekt bin ich sehr stolz. Im vergangenen Jahr habe ich das Objekt sogar vom vorherigen Inhaber gekauft. Heute ist das ein Landhotel mit Traditionswirtshaus und zieht viele Menschen an. Das hat wirklich Zukunft!

Was war Ihre Idee zum Malerwinkel?

Brüderl: Es wurde alles untersucht, auch eine Sanierung. Aber das war einfach nicht wirtschaftlich. Dann kamen wir ins Spiel. Regional, offen und bodenständig sollte der Entwurf sein. Ich habe selbst ein Boot auf dem Chiemsee und kann Ihnen gar nicht sagen, wie oft ich da schon gelegen bin und die unterschiedlichen Stimmungen angeschaut habe. Was ich damit meine: Wir setzen uns wirklich ganz intensiv mit dem Standort auseinander und wollen unsere Aufgabe möglichst verträglich und im Einklang mit Flora, Fauna und Habitat lösen. Wir haben weniger versiegelte Flächen, und auch die Autos verschwinden unter der Erde. Der Malerwinkel soll jeden willkommen heißen. Und so stehe ich zu 100 Prozent hinter dem Entwurf.

Eine Bäckereiverkäuferin und ein Mitarbeiter im Sicherheitsdienst tun sich sehr schwer, im Chiemgau eine bezahlbare Wohnung zu finden.

Brüderl: Das stimmt, und ich finde das dramatisch. Ich fürchte nur, dass sich dies nicht ändern wird. Ich sehe da nur eine Möglichkeit: Der Staat bietet mehr einkommensorientierte Förderung an. Solche Projekte gibt es, und sie werden auch gebaut. Anders wird es wohl nicht gehen.

Schorsch Brüderl.

Es gibt viele neue Konzepte auf dem Markt. Welche Zukunft hat das klassische Einfamilienhaus überhaupt noch?

Brüderl: Es ist aufgrund der demografischen Entwicklung mit Leerständen zu rechnen. Und dafür gibt es einen Markt. Der Druck nach Einfamilienhäusern ist zum Beispiel groß. Wir stellen fest, dass bei unserem Projekt in der Traunstorfer Straße gerade viele ältere Menschen interessiert sind. Die wollen nicht mehr die Belastung eines Hauses, sondern Komfort und den Luxus, nicht gebunden zu sein. Bei den jüngeren stelle ich aber immer noch fest, dass sie mit Familie in ein eigenes Haus ziehen wollen.

Wo wir schon beim Thema sind – wollen Sie mal aufhören?

Brüderl: Ich habe das Glück, dass beide Söhne im Unternehmen sind. Unser Unternehmen verändert sich gerade sehr stark, und wir starten wie eine Rakete durch. Aktuell haben wir 120 Mitarbeiter, aber ich könnte sofort fünf bis zehn Architekten einstellen. Wir wollen aber vor allem die Möglichkeit nutzen, in der Qualität und in den Aufgaben zu wachsen – und da haben wir einfach wahnsinnig tolle Projekte. Da wird man einfach nicht alt! Für das Unternehmen ist es ein Vorteil, dass ich schon so viele Projekte gemacht habe und sehr viel Erfahrung einbringen kann. Bis 2030 werde ich auf jeden Fall da sein. Aber ich kann auch total loslassen und mir macht es nichts aus, wenn meine Söhne das anders machen. Da bin ich sogar stolz drauf.

Hintergrund: Bartlweber zufrieden

„Mir gefällt der neue Entwurf für „Der Malerwinkel“ und ich bin sehr zufrieden, dass wir als Gemeinde immer in den Prozess integriert waren und uns einbringen konnten“, sagt Martin Bartlweber, Bürgermeister in Seeon-Seebruck. Tatsächlich hängen viele Urlauber und Einheimische so sehr am Malerwinkel, dass sich viele vorab im Rathaus erkundigt haben, wie es dort weitergehen soll, erzählt der Rathauschef. „Das Projekt ist sehr hochwertig, aber der Chiemgau und die Gemeinde stehen für Qualität und eine gute Mischung an Betrieben. Insofern passt das sehr gut.“