TV-Quizz „Wer weiß denn sowas?“

Rätselhafte Zombiebäume in Grassauer Filzn bringen Stargeiger David Garrett im TV ins Straucheln

Bei dieser Quizfrage kam David Garrett ins Zweifeln und fiel letztendlich aus der Show.
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Bei dieser Quizfrage kam David Garrett ins Zweifeln und fiel letztendlich aus der Show.

Tote Bäume, die sich trotzdem bewegen? Star-Geiger David Garrett hat nicht daran geglaubt, als er kürzlich in einer TV-Quizshow zu Gast war. Was an dem wunderlichen Phänomen aus der Grassauer Filzn wirklich dran ist.

Grassau – In der ARD-Quizshow „Wer weiß denn sowas“ kam der Promi-Geiger David Garrett ganz schön ins Schwitzen. Promis beantworten in der Sendung ungewöhnliche Fragen aus allen Lebensbereichen. Dieses Mal die Frage, nach einem besonderen Phänomen in der Fauna am Chiemsee. Zur Antwort standen „Werwolfblümchen, die nur bei Vollmond aufgehen“, „Vampirsträucher, deren Blütenstände Insekten aussaugen“ und „Zombiebäume, die sich nachts bewegen, obwohl sie tot sind“.

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Wer so was weiß, ist Stefan Kattari, Grassaus Bürgermeister und Diplom-Biologe: Die Zombiebäume gibt es wirklich im Chiemgau. „Tatsächlich ist es so, dass sich die Äste von toten Bäumen im Laufe des Tages bewegen können“, sagt Kattari.

Zufallsentdeckung im Zeitraffer

Wobei es Zufall ist, dass dies überhaupt entdeckt worden ist. Aufgefallen ist dieser kuriosen Effekt dem Filmemacher Jan Haft aus Dorfen. Für den Kinofilm „Magie der Moore“ drehte er 2013 im Chiemgau. „Wir sind in mehreren Mooren in der Region unterwegs gewesen, unter anderem auch in der Kendlmühlfilzn, wo wir Zeitrafferaufnahmen gemacht haben“, erzählt Haft. Zuhause beim Sichten des Filmmaterials dann die Überraschung: „Wir waren total erstaunt, als wir uns die Aufnahmen angesehen haben.“

Sie sind tot, aber bewegen sich aufgrund der Luftfeuchtigkeit: Die Bäume in der Kendlmühlfilzn.

Bäume, die die Arme ausbreiten

Die abgestorbenen Kiefern haben sich darauf stark bewegt – fast so, als würden sich Arme öffnen und schließen. „Selbst Moorkundler waren erstaunt über diesen Effekt“, sagt Haft. Der Filmtitel hätte besser nicht sein können. Wobei gar kein Zauber im Spiel sei, sondern ein ganz simpler, natürlicher Vorgang dahinter stecke, erklärt Kattari. Obwohl er sich bei Mooren sehr gut auskennt und dort sogar Führungen gibt, habe auch er zunächst nicht gewusst, dass die Bäume sich im Verlaufe eines Tages so stark bewegen.

Luftfeuchtigkeit Ursache

Er hat sich kundig gemacht: „Die Luftfeuchtigkeit ist in Mooren sehr hoch, besonders nachts. Dann nehmen auch tote Bäume die Feuchtigkeit auf, die sie tagsüber wieder abgeben.“ So entstünde der „Arm“-Effekt. „Nach einem ähnlichen Prinzip funktionieren auch die Zapfen von Kiefern, die sich öffnen oder schließen können“, sagt der Biologe.

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Auch das „Almbarometer“, ein angenagelter Fichtenast an der Außenwand, funktioniere so. Genau genommen sei die Frage bei „Wer weiß denn so was“ nicht ganz korrekt gestellt, schließlich habe das Phänomen weniger mit dem Chiemsee zu tun, sondern in erster Linie mit Mooren.

Heimat statt Exotik

Für Jan Haft ein Beweis, dass er als Naturfilmer nicht an exotische Orte fliegen muss, um besonderes Material zu bekommen: „In den Gebieten vor unserer Haustür gibt es genug, was fasziniert und verblüfft.“

Erst kürzlich sei sein neuer Kinofilm fertig geworden, der unter dem Titel „Heimat Natur“ eine Bestandsaufnahme von den deutschen Alpen bis an die Nord- und Ostseeküste zeigt. Wieder werden die Kendlmühlfilzn und der Chiemgau darin eine Rolle spielen. Wann der Film in die Kinos kommt, ist allerdings pandemie-bedingt noch offen. „Geplant hatten wir Ende März“, so Haft.

Schwester gibt falschen Tipp

Bekannt sind die Zombiebäume noch nicht. Auch in der Facebook-Gruppe „Chiemgau - Do bin i dahoam“ hat das Naturschauspiel nach dem Fernsehquiz zu einer großen Diskussion geführt. Viele Teilnehmer zeigten sich erstaunt und fasziniert. Eher enttäuscht als begeistert war hingegen Star-Geiger David Garrett. Der war schon auf dem richtigen Weg, setzte aber auf die Antwort seiner Schwester Elena, die er als Videojoker wählte.

Das hätte er besser nicht tun sollen, denn sie wählte die Werwolfblumen, die nur bei Vollmond blühen sollen – die falsche Antwort. Damit war das Spiel für Garrett vorbei. Selbst Moderator Kai Pflaume hatte Mitleid mit ihm: „Der Mann ist am Boden zerstört.“ Für die Chiemgau-Zeitung war der Geiger leider nicht zu sprechen, denn in der Zwischenzeit erholt er sich im Urlaub. Wohl auch von seiner Enttäuschung im TV-Quiz.

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