Zentrum wird zur Open-Air-Galerie: In Prien gibt es diesen Sommer Kunst "to go"

Dieses Dirndl-Bild von Katharina Schmidmayer aus Bad Endorf ist eines der vielen Exponate, die bei der „KunstZeit 2020“ im ganzen Ort verteilt zu sehen sein werden. Prien Marketing GmbH
  • Dirk Breitfuß
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Das Priener Zentrum wird ab 12. Juni zur großen Open-Air-Galerie. Weil die zweite Kunstnacht ausfallen muss, wird der ganze Sommer zur Kunstzeit erklärt. Die Besucher erwartet „Kunst auf Schritt und Tritt“ an 70 Schauplätzen.

Prien – Die Marktgemeinde hat schon immer eine pulsierende Kunstszene. Berühmte Chiemseemaler sind hier verwurzelt. Die erste Kunstausstellung in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg fand in der Chiemseemetropole statt. Der gute Ruf trug 2019 Früchte, als die erste Priener Kunstnacht zum vollen Erfolg für die Priem Marketing GmbH (PriMa) und ihre Mitstreiter wurde.

Auf der Suche nach Exponaten offene Türen eingerannt

Die Weichen für eine Neuauflage 2020 waren schnell gestellt. Dann kam Corona und irgendwann war klar: Die zweite Kunstnacht, wieder am Freitag nach Fronleichnam geplant, muss ausfallen. Praktisch aus der Not heraus entstand die Idee, Priens ganzes Zentrum zur Open-Air-Galerie zu machen.

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Als Kuratorin Inge Fricke vor Wochen anfing, bei Künstlern anzuklopfen, ob sie Exponate beisteuern möchten, rannte sie viele offene Türen ein. Ihr Handy lief heiß, aber das Ergebnis ist beeindruckend: 70 Schauplätze wird es geben, an denen Besucher ab Freitag, 12. Juni, Chiemgauer Kunst in vielfacher Ausprägung zu sehen bekommen. Zu den Höhepunkten gehören zweifellos Skulpturen von Andreas Kuhnlein im Wendelsteinpark und von Franz Xaver Angerer vor der Galerie im Alten Rathaus. An öffentlichen Plätzen werden unter anderem auch Werke von Professor Heinrich Kirchner, Katharina Klampfleuthner-Kirchner und Greta Fischer zu sehen sein.

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Ganze 49 Ladenbesitzer machen in ihren Schaufenstern Platz für „Kunst im Shop“. An der Alten Rathaus. und der Bernauer Straße sowie den abzweigenden Straßen und Plätzen entdeckt der Kunstfreund Gemälde verschiedenster Stilrichtungen, Skulpturen, Zeichnungen und Fotografien.

Ausstellung heuer erstmals online

Wer nichts übersehen möchte, besorgt sich am besten den kostenlosen Flyer der PriMa zur „Kunstzeit 2020“ und stellt fest, dass zum Beispiel auch das Hauptgebäude der Schön-Klinik-Verwaltung und das Casino des Unternehmens an der Seestraße einen Abstecher wert sein können.

In die „Kunstzeit“ eingebettet wird ab Ende Juli auch die traditionelle Sommerausstellung des emsigen Kulturfördervereins Prien „Kunst im Chiemgau“ – allerdings in einer bisher unbekannten Form, wie Vorsitzender Dr. Friedrich von Daumiller im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung ankündigt. „Die Bilder werden online zu sehen sein.“ Weil nicht nur viele Besucher, sondern auch zahlreiche Mitglieder der Jury, die die Werke auswählt, altersbedingt zur Risikogruppe gehören, sein diese Lösung schon allein ein „Gebot der Vorsicht“. Andere geplante Ausstellung wie „Kunst im Licht“ zum 75. Jahrestag der ersten deutschen Kunstausstellung nach dem Krieg in Prien, mussten PriMa und Kulturförderverein schweren Herzens verschieben - erstmal auf unbestimmte Zeit.

Sonderausstellung im Kronasthaus

Von Daumiller sieht die „Kunstzeit 2020“ ganz pragmatisch auch als Chance, mit der reichhaltigen Kultur das gebeutelte Gewerbe am Ort zu unterstützen. Vielleicht lockt ein ansprechendes Gemälde im Schaufenster auch die Kunden in die Läden. „Es wird ein aktuelles Bild unserer Kunstszene von sechs bis 94 Jahren, von den jungen Wilden bis zu den guten Alten“, kündigt Fricke an, dass ein weiter Bogen gespannt wird.

Für nicht ganz so Kunstkundige Spaziergänger sollen die Werke Fricke zufolge mit Infotafeln erklärt werden.

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Das Kronasthaus auf dem Marktplatz, das kurz nach Umbau und Wiederöffnung wegen der Corona-Pandemie schon wieder dicht gemacht werden musste, wird an bestimmten Öffnungstagen, abgestimmt mit den Bistrobetreibern im Erdgeschoss, durch eine Sonderausstellung mit Werken von Ekaterina Zakharova aufgewertet. Im ersten Stock verwaltet die PriMa ohnehin eine große Sammlung mit Werken von Chiemseemalern aus einer Schenkung des Priener Ehepaars Abé.

Die Verantwortlichen unter Federführung von PriMa-Geschäftsführerin Andrea Hübner haben mit der „Kunstzeit 2020“ planerisch noch längst nicht abgeschlossen. In Gedankenspielen reifen zum Beispiel Kinderworkshops und die ein oder andere musikalische oder Theater-Veranstaltung im erlaubten Rahmen, mit denen die Wochen garniert werden sollen. Erste Gespräche mit Kirchenmusiker Bartholomäus Prankl oder dem Chiemgau-Orchester hat es schon gegeben.

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