Zeitreisende trotzen Corona: So macht die Museumstour in Ruhpolding dennoch Spaß

Auf einen historischen Ratsch sitzen hier quasi Helga Bauerdorf (links) und eine Foto-Silhouette einer Bäuerin an einem Tisch in einer Kuchl mit großem Herd. Bauerdorf
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Auf einen historischen Ratsch sitzen hier quasi Helga Bauerdorf (links) und eine Foto-Silhouette einer Bäuerin an einem Tisch in einer Kuchl mit großem Herd. Bauerdorf

Das Ruhpoldinger Holzknechtmuseum zeigt seinen Besuchern das historische Leben im einstigen Salinengebiet. Und zeigt: Auch mit Corona-Auflagen kann es Spaß machen, Kultur zu genießen.

Ruhpolding– Vor 32 Jahren öffnete erstmals das Holzknechtmuseum Ruhpolding seine Pforten. Das Spezialmuseum widmet sich dem Leben und Arbeiten der Holzknechte (Waldarbeiter, Forstwirte) im ehemaligen Salinengebiet Traunstein. Dass es eines Tages entlang von Absperrbändern zu besichtigen ist, konnte sich bis zur Corona-Pandemie niemand vorstellen. Doch durch die Auflagen, damit die Institution für Urlauber und Einheimische wieder öffnen konnte, hat – insbesondere im Innenbereich – seinen rustikalen Charme nicht verloren. Kirsten Bauerdorf unternahm für die OVB-Heimatzeitungen einen corona-konformen Rundgang.

Masken und offene Türen

Als Besucher spürt man gleich beim Betreten des Museums die Begeisterung von Museumsleiterin Magister Dr. Ingeborg Schmid. Sie leitet seit zwei Jahren mit Herzblut das Holzknechtmuseum. Alle Türen der verschiedenen Museumsbereiche stehen weit offen, was den überwiegend hölzernen Exponaten nicht schade und zugleich dem Besucher stets frische Luft garantiere. Bauerdorf: „Mittlerweile ist man das Maskentragen bereits gewohnt. Auch das Desinfektionsmittel im Eingangsbereich mutet regelrecht vertraut an.“

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Doch dort, wo früher ein Tisch mit Infomaterial zum Schmökern bereitstand, herrscht jetzt aufgrund der Corona-Vorschriften gähnende Leere. „Die Flyer sind derzeit nur auf Nachfrage an der Kasse erhältlich“, erläutert Dr. Ingeborg Schmid.

„Keine leichte Aufgabe“

An der Kasse sitzen Museumsmitarbeiter, die trotz Maskierung den Besuchern freundlich Auskunft geben. „Keine leichte Aufgabe, sieht man schließlich das Lächeln hinter der Maske nicht“, findet Bauerdorf. Alles sei für die Museumsbesucher jetzt auf die neue Corona Situation abgestimmt. Wie? Im Untergeschoss macht sich die Coronazeit mit rot-weißen Plastikabsperrbändern bemerkbar. In den Toilette-Bereichen ist damit stets jeweils eine der beiden WC-Türen versperrt, sodass die jeweils andere gereinigt werden kann.

Auch im Medienraum im Untergeschoss, wo stündlich eine Filmvorführung zu Leben und Arbeit der Holzknechte läuft, werden statt der normalerweise 100 aufgestellten Stühlen wegen der nötigen Distanz gerade nur neun Sitzgelegenheiten mit großem Abstand vor der Leinwand positioniert.

Von Hütte zu Hütte

Ansonsten bleibt es dabei, dass der Mittelpunkt der musealen Präsentation im Ausstellungsgebäude der Holzknecht bildet, der in vielen Bereichen seiner mühsamen Arbeit gezeigt wird. Auf mehreren Stockwerken werden Geschichte, Lebens- und Arbeitsbedingungen und die Entwicklung der Werkzeuge und Methoden zur Holzbringung gezeigt. Tonbeispiele und Szenarien mit lebensgroßen Figuren verdeutlichen die thematischen Schwerpunkte. Die beiden Häuser im Eingangsbereich des Museums sind im Stil der kurfürstlich-königlichen Salinenverwaltungsgebäude neu gebaut. Das Aufnehmen dieses Baustils erinnert an die Zeit der Saline Traunstein (1619 bis 1912), als hier große Mengen Holz geschlagen wurden, die zur Befeuerung der Saline gebraucht wurden.

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Die Besucher, die derzeit auf maximal 100 Personen für den Außen- und Innenbereich reduziert sind, kommen sich nicht in die Quere, da die Abstände von Hütte zu Hütte weitläufig sind, und jeder selbst darauf achtet, dass wirklich nur die vorgegebene Besucheranzahl in den Holzbehausungen eingehalten wird.

Das Spielzeug muss noch warten

Im drei Hektar umfassenden Freigelände des Museums, sind die Einschränkungen durch Corona kaum spürbar. Dort stehen weitläufig, um ein Wiesenoval, herumgruppiert, der Museums- und Verwaltungsbau, das Wasserrad und 15 Holzknecht-Hütten. An jeder Behausung verweist am Eingang ein Hinweisschild, darauf, dass jeweils nur zwei Personen, zur gleichen Zeit in der Hütte verweilen können.

Im Ausstellungsbereich, sowie im Museumsaußenareal gibt es den Kinderparcours mit Entdeckungspfad, der die Geschichte der Holzknechte erzählt. „So kann man in einer Hütte, in der Spielzeug ausgestellt wird, weder mit den Würfeln spielen noch Klänge mit den Suppenlöffeln verursachen, da diese Objekte coronabedingt entfernt wurden“, beschreibt Bauerdorf.

Warnhinweise vor jeder Hütte ermahnen, dass jeweils nur zwei Personen sich im Inneren aufhalten dürfen und stets eine Maske getragen werden muss.
Kirsten Bauerdorf unternahm im Selbstversuch einen corona-konformen Museumsrundgang.

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