Zehn Jahre Notruf 112 in Traunstein

Rettungshubschrauber Christoph 14 bei einem Brandeinsatz. re
  • vonMartin Tofern
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Die integrierte Leitstelle feiert Geburtstag. Sie hat sich bewährt und in den Jahren seit ihrer Inbetriebnahme zwei Millionen Notrufe entgegengenommen.

Traunstein – Im Juni 2010 haben die Behörden die Notrufnummer 112 auf die neue Integrierte Leitstelle Traunstein (ILS), eine von 26 in Bayern, geschaltet. Geschäftsführer Josef Gschwendner war von Anfang an dabei und hat in dieser Zeit schon viele „Sonderlagen“ wie Sturm oder Hochwasser erlebt. Doch keine war so neu und herausfordernd wie die Corona-Zeit.

Bei Corona deutlich weniger Einsätze

„Das hört sich erst einmal paradox an, aber die letzten Wochen und Monate waren sehr spannend und gleichzeitig sehr ruhig“, erklärt Gschwendner. Recht schnell habe er mit seinen Mitarbeitern das normale Notrufprotokoll auf Fragen zu einem Corona-Verdacht angepasst und ausreichend Schutzkleidung beschafft. Außerdem hätten sie schon Feldbetten eingelagert für den Fall, dass die Corona-Lage explodiert und Mitarbeiter Sonderschichten fahren müssten. „Gleichzeitig stagnierte das normale Tagesgeschäft, wir hatten 30 Prozent weniger Einsätze“, so Gschwendner.

Am Telefon: Geschäftsführer Josef Gschwendner.

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Die Bevölkerung hielt sich in den vergangenen Monaten mit „normalen“ Notrufen zurück. „Die Vollkaskomentalität der Menschen war wie weggeblasen“, schwärmt Gschwendner im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Corona sozusagen als Weckruf für das Verantwortungsbewusstein. Viele Bürger wollte es auch tunlichst vermeiden, ins Krankenhaus zu gehen.

Mehr als zwei Millionen Notrufe

Vor zehn Jahren war von einer solchen Pandemie noch nicht die Rede. Aber die Zeit für die Schaffung einer Integrierten Leitstelle war reif. Feuerwehren und Rettungsdienste mussten noch mit der Telefonnummer 19222 gerufen werden. „Alle Rettungsleitstellen waren damals noch in der Hand des Roten Kreuzes, erzählt Gschwendner. Die ersten Grundsatzentscheidungen des Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Traunstein wurden zwar bereits 2006 getroffen, doch erst vier Jahre später ging die neue Leitstelle in Betrieb.

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In den nunmehr 10 Jahren seit Gründung hat Integrierte Leitstelle Traunstein mehr als zwei Millionen Notrufe angenommen. Sie führten zu circa 720 000 rettungsdienstlichen Einsätzen, davon war mehr als 150 000 mal ein Notarzt beteiligt, und zu knapp 60 000 Feuerwehreinsätzen.

Die Arbeit der Leitstelle sieht so aus: Auf Grundlage der jeweils vom Anrufer geschilderten Notsituation erarbeitet der Disponent das sogenannte „Meldebild“, welches dann gegebenenfalls zu einem Feuerwehr- und/oder Rettungsdiensteinsatz führt.

Mitarbeiter haben zwei Ausbildungen

Jeder der 30 Mitarbeiter braucht zwei Berufsausbildungen (Feuerwehr und Rettungsdienst). Normalerweise arbeiten sechs Mitarbeiter in einer Schicht, nachts sind es drei. Doch für Sonderlagen gibt es weitere Notrufplätze: „Theoretisch können 70 Notrufe gleichzeitig eingehen, In der Volllast können 16 Mitarbeiter zur Notrufannahme eingesetzt werden“, erklärt Gschwendner.

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Das Sonderlagenkonzept hat die Leitstelle in den vergangenen zehn Jahre mehrfach angewendet (siehe Infobox), zuletzt wegen Corona. Die Pandemie bereitet Gschwendner Sorgen, weil er befürchtet, dass viele Menschen heuer im Chiemgau Urlaub machen, weil sie nicht ins Ausland fahren können oder wollen. Schon jetzt spiele die Bergrettung eine exponierte Rolle. Das sei „ein Bereich, der inflationär zunimmt.“ Die Menschen wollten in ihrer Freizeit mehr erleben, immer schneller, höher, weiter. „Die Rettungseinsätze binden viele Kräfte“, sagt Gschwendner.

Doch seine Arbeit sei für ihn trotzdem weniger Job, mehr Berufung. Die Arbeit in der Leitstelle sei für ihn und seine Mitarbeiter „ein Privileg, das wir sehr schätzen“.

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