Zehn günstige Reihenhäuser für Priener Familien: Pläne für Jugendherbergsareal reifen

Die alte Jugendherberge ist weitgehend entkernt. Riesige weiße Säcke mit Abfall liegen zum Abtransport bereit. Der eigentliche Abriss des Gebäudes beginnt voraussichtlich im September.
+
Die alte Jugendherberge ist weitgehend entkernt. Riesige weiße Säcke mit Abfall liegen zum Abtransport bereit. Der eigentliche Abriss des Gebäudes beginnt voraussichtlich im September.

Junge Familien können sich Hoffnungen machen, in absehbarer Zeit die Chance auf eigene vier Wände in ihrem Heimatort zu bekommen, die auch bezahlbar sind. Auf dem Gelände der früheren Jugendherberge werden zehn Reihenhäuser entstehen, die der Markt Prien im Einheimischenmodell vergeben wird,

Von Dirk Breitfuß

Prien –In der jüngsten Sitzung hat der Marktgemeinderat einen großen Schritt in Richtung Baubeginn getan. Das Gremium hat den Bebauungsplan Birkenweg nach dem Aufstellungsverfahren verabschiedet. Er muss nur noch durch das Landratsamt genehmigt werden, bevor der Eigentümer des 5000-Quadratmeter-Areals daran gehen kann, einen Bauantrag vorzubereiten.

30 Wohnungen für Eigentümer in drei Gebäuden

Heinz Wittmann, Geschäftsführer der Chiemgau Residenzen mit Sitz in Rosenheim, geht aber wegen der Verfahrensfristen nicht davon aus, dass heuer noch mit dem Bau der Tiefgarage begonnen werden kann. Voraussichtlich im September sollen die Abrissarbeiten an der ehemaligen Jugendherberge weitergehen. Wittmann hatte das Gelände roden und das Gebäude größtenteils entkernen lassen, weil das zugewachsene und von außen nicht mehr einsehbare Gelände zu einem illegalen Treffpunkt geworden sei, erklärte er im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung.

In den drei Mehrfamilienhäusern auf der Westseite des Grundstücks sollen etwa 30 Eigentumswohnungen mit 60 bis 180 Quadratmetern Grundfläche entstehen, so Wittmann.

Lesen Sie auch Gemeinderat geht auf Nummer sicher

An der Ostseite, zum Birkenweg hin, sind zehn Reihenhäuser vorgesehen. Als das Deutsche Jugendherbergswerk nach dem Scheitern eines Neubaus an der Osternacher Straße in einem Bürgerentscheid sein altes Grundstück für kolportierte drei Millionen Euro auf dem freien Markt anbot, erließ der Markt Prien eine Veränderungssperre, um die Kontrolle über die Entwicklung des Areals zu behalten. Mit dem neuen Eigentümer, den Chiemgau Residenzen, kam dann offenbar der jetzigen Kompromiss zustande, von dem beide Seiten profitieren.

Weil Baugrund immer teurer geworden ist, wurde auch die Liste der Bewerber für Einheimischengrund im Rathaus immer länger. Derzeit sind es laut Klaus Dingler von der Verwaltung 145. Er und seine Kolleginnen müssen gerade alle diese Interessenten nach einem Punktesystem neu bewerten. Erst vor einem Monat hatte der Marktgemeinderat Änderungen der Vergaberichtlinien durchgewunken. Bisher war nach Ansicht von Juristen der dauerhafte Arbeitsplatz im Vergleich zum Wohnsitz zu wenig bei der Beurteilung des Anspruchs gewichtet worden. Beide Kriterien werden jetzt nur noch höchstens fünf Jahre bei der Punktevergabe berücksichtigt. Neu ist eine Einkommensgrenze von 51.000 Euro pro Person oder 102.000 Euro pro Paar. Auch das Vermögen wird ab sofort berücksichtigt. Soziale Kriterien bekommen mehr Gewicht.

Lesen Sie auch Mehrheit lehnt neue Jugendherberge ab

Nach der Neubewertung werden alle Bewerber auf der Warteliste angeschrieben, um das aktuelle Interesse abzufragen und sie über die geänderte Sachlage zu informieren. Die Vergabe der zehn Reihenhäuser wird dann streng nach dem neuen Punktekatalog erfolgen, betonten Dingler und Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG). Die Reihenhäuser sollen nach Angaben des Gemeindeoberhaupts auch vom Bauträger bis zum Rohbau fertiggestellt und dann an die Einheimischen verkauft werden, die den Zuschlag erhalten.

Fehler beim Link: Auslegung wurde wiederholt

Das Bebauungsplanverfahren, das im Gemeinderat abgeschlossen wurde, war sehr zeit- und arbeitsaufwändig. Durch einen technischen Fehler war der Link auf der Gemeindehomepage auf die Planunterlagen nicht aktiv. Deshalb musste die Bauverwaltung einen zweiten Anlauf zur öffentlichen Auslegung nehmen. Innerhalb der Frist gingen dann vor allem von Anliegern zahlreiche Briefe ein, die in den Sitzungsunterlagen mehr als 50 Seiten füllten.

Bauamtsleiter Thomas Lindner fasste die wesentlichen Punkte zusammen, die wiederholt genannt worden waren. Mehrere Nachbarn erinnerten an eine Jahrzehnte alte Zusage, dass die Bebauung zum Birkenweg hin abfallend gestaltet werden soll. Lindner argumentierte, dass genau das mit dem Bebauungsplan erreicht werde, denn die Reihenhäuser würden niedriger als die Wohnblöcke mit vier Vollgeschossen westlich daneben.

Eine befürchtete Verkehrszunahme sah der Bauamtsleiter nicht und bezog sich bei dieser Einschätzung auf die erwartbaren Fahrten der Eigentümer der geplanten 60 Tiefgaragenplätze. Dies würde in der Relation zum Verkehr im ohnehin dicht bebauten Viertel kaum ins Gewicht fallen. Der Erhalt der 19 oberirdischen Stellplätze an der Carl-Braun-Straße soll durch einen Vertrag zwischen Gemeinde und Bauherr gesichert werden. Nur die Anordnung soll sich ändern.

Kommentare