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Marianne Fischer macht Ärger via Facebook Luft

Diebstahl im Hofladen: So wird eine Bäuerin in Prien betrogen

„Bitte werfen Sie das Geld für den Käse in die Kasse gegenüber. Danke!“ Bäuerin Marianne Fischer ärgert sich darüber, dass zuletzt immer öfter Kunden den Hinweis ignorieren und sich bedienen, ohne zu bezahlen.
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„Bitte werfen Sie das Geld für den Käse in die Kasse gegenüber. Danke!“ Bäuerin Marianne Fischer ärgert sich darüber, dass zuletzt immer öfter Kunden den Hinweis ignorieren und sich bedienen, ohne zu bezahlen.
  • Dirk Breitfuß
    VonDirk Breitfuß
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Hofläden ohne Personal sind Vertrauenssache. Landwirte verlangen angemessene Preise für regionale Qualität, Kunden zahlen selbstständig die ausgezeichneten Beträge. In Prien-Ernsdorf verschwindet derzeit das Vertrauen einer Bäuerin in einige ihrer Kunden.

Prien – Landwirtin Marianne Fischer vom Regerlhof in Prien-Ernsdorf ist „enttäuscht über Leute, die bei uns am Automat Ware stehlen oder völlig unzureichend bezahlen. Nicht mal eine Kamera schreckt manche Personen ab. Schade für alle ehrlichen Kunden! Honig gibt es ab sofort nur noch, wenn ihr euch bei uns persönlich meldet.“

So hat die Bäuerin auf Facebook ihrem Ärger Luft gemacht. Marianne Fischer und ihr Mann Peter, ÜWG-Gemeinderat, haben vor Jahren in einem Raum an ihrem Hof Priens ersten Rohmilchautomaten in Betrieb genommen. Gegen Münzeinwurf kann jeder Kunde dort frische Milch selber zapfen.

Im Laufe der Jahre kamen selbstgemachte Käsesorten, Honig von einem Nachbarhof, wo ein Imker zuhause ist, und Säfte zum Angebot hinzu. Die Kunden bedienten sich selbst und warfen das Geld in einen Kasten, der an die Wand geschraubt ist. Fünf Jahre lang funktionierte das auch im Großen und Ganzen gut. Aber seit Ende vergangenen Jahres nicht mehr, erzählt Fischer im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen.

Als sich die Fälle häuften, dass Besucher Ware mitnahmen ohne zu bezahlen oder nur einen Teil des Preises zahlten, installierten die Fischers für teures Geld sogar eine Überwachungskamera in ihrem kleinen SB-Laden.

Einen Hofladen, in dem zu bestimmten Öffnungszeiten jemand hinter dem Tresen steht, um Kundschaft zu bedienen und zu kassieren, wollen die Fischers nicht. Sie haben so schon genug zu tun mit ihrem Hof.

Aber jetzt ist ein Punkt erreicht, an dem Marianne Fischers Toleranzgrenze überschritten ist: 25 Cent für ein Glas Honig von Imker-Landwirt Wolfi Perl hatte zum Beispiel ein unbekannter Kunde zurückgelassen. Vom selbstgemachten Aroniasaft der Schwägerin, den die Fischers auch anbieten, habe zuletzt jemand vier Flaschen mitgenommen, ohne einen Cent zu zahlen. Mit einem Glas Honig dazu war das allein ein Diebstahl im Gegenwert von 50 Euro.

Marianne Fischer hat Anzeige erstattet. Die Ermittlungen wegen Diebstahl dauern noch an, die Kamerabilder werden ausgewertet, sagt Priens Polizeichefin Karin Walter auf Nachfrage.

Einmal habe sie schon einen der unehrlichen Kunden erkannt, verrät Fischer. Oft jedoch sind die Übeltäter auf den Kameraaufzeichnungen nicht zu identifizieren. Das wird ab dem Frühjahr wieder einfacher, wenn die Leute sich nicht alle mit Mützen und Schals vermummen.

Inzwischen denkt Fischer vor dem Eindruck der jüngsten, negativen Erfahrungen darüber nach, ob sie überhaupt weitermacht, bekennt sie im Gespräch.

Bis zur Polizei dringen Fälle von schlechter Zahlungsmoral in Selbstbedienungs-Hofläden nicht oft vor, berichtet PI-Leiterin Walter. Sie ist aber auch überzeugt, dass die Dunkelziffer sehr hoch ist und die Geschädigten ihren Ärger meistens runterschlucken. Walter hat selbst eine gute Bekannte, die Eier anbietet und bei der immer wieder welche weg kommen.

Das passiert auch immer wieder bei Maria Riepertinger. Die Chefin vom Wastlhof in Prien-Elperting setzt trotzdem von jeher auch auf Selbstbedienung. Honig, Nudeln, hausgemachte Fruchtaufstriche und Käse ergänzen auf dem Wastlhof das SB-Angebot. „Die meisten Kunden wissen die gute regionale Qualität zu schätzen“, kommentiert Riepertinger die weit überwiegend gute Zahlungsmoral. Aber „ein paar schwarze Schafe“ gibt es in ihrem Laden auch. Dass es in Elperting nicht mehr sind, die in Versuchung geraten, liegt vielleicht auch daran, dass ein Familienmitglied tagsüber, wenn geöffnet ist, immer ein waches Auge auf den Laden hat – sozusagen als lebende Überwachungskamera. Das schreckt möglicherweise einige ab, die mit dem Gedanken spielen, zu betrügen.

In ihre Preiskalkulation hat Riepertinger den illegalen Schwund nicht einberechnet. Sie toleriert auch, wenn ein Kunde mal nicht die passenden Münzen für den exakten Preis in der Hosentasche hat und ein paar Cent fehlen.

Ihr Credo ist: „Wir arbeiten unzählige Stunden mit Herz und Verstand für ein gutes Produkt aus und für die Region. Dafür wollen wir mit Ehrlichkeit belohnt werden.“

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