JÜRGEN HINGSEN UNTERSTÜTZT BERNAUER INITIATIVE

Zahngold für Schule in Nepal

Diese Schule im Dorf Kristi in Nepalentstand auf Initiative des Bernauers Markus Wössner.
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Diese Schule im Dorf Kristi in Nepalentstand auf Initiative des Bernauers Markus Wössner.

„Gold für Kristi“ heißt ein wohltätiges Projekt, in dem jetzt der frühere Weltklasse-Zehnkämpfer Jürgen Hingsen und der Bernauer Mountainbiker Markus Wössner gemeinsame Sache machen.

Bernau – Gold – Das verbindet man mit Edelmetall, Zahngold, Schmuck. Aber wer oder was ist Kristi? Kristi ist ein nepalesisches Dorf, vier Stunden Fußmarsch entfernt von Pokhara, der zweitgrößten Stadt des Landes am Annapurnamassiv.

Dort stürzte bei schlechtem Wetter vor knapp 15 Jahren ein Flugzeug ab. Alle Insassen starben, darunter auch die Priener Lehrerin Renate Rockstroh, geborene Wössner.

Um aller 17 verunglückten Insassen zu gedenken, hat ihr Bruder Markus erst einen Gedenkstein errichtet, dann einen knappen Kilometer von der Absturzstelle entfernt den Grundstein für eine Schule gelegt.

So weit, so gut. Aber was verbindet nun diesen wohltätigen Zweck mit Mountain biken und Zehnkampf? Hier muss man weiter ausholen. Der Fachjournalist und passionierte Hobby-Mountainbiker Markus Wössner hatte gerade seine Studiengänge Jura und Wirtschaftsmarketing beendet, als seine Schwester im Sommer 2002 bei dem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Er sattelte um – und das nicht nur im beruflichen Sinne. Zweimal reiste er nach Nepal, dann stand sein Entschluss fest, sich zum Andenken an seine Schwester die „New Social English School“ zu gründen.

Viele in seiner Familie sind Lehrer, und für seine verstorbene Schwester, die Lehrerin „mit Leib und Seele“ war, wie er im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung sagt, will er Bildung weitergeben. „Bildung ist ein wertvolles Geschenk, das jedem Kind, egal welchen Geschlechts, welcher Herkunft, ob gesund oder behindert, zustehen soll“, so Wössner. Über persönlich geführte Mountainbike-Touren in verschiedene Länder und seine Bernauer Firma „Chiemgau-Biking“ begann er, Gelder zu sammeln. Und über die interna tionale Stiftung „Zahnärzte ohne Grenzen“ (Die Stiftung leistet in benachteiligten Ländern ehrenamtlich humanitäre und zahnmedizinische Hilfe) kamen ihm weitere Ideen. Dentalhygiene für „seine“ nepalesischen Kinder ist das eine, Gelder in Form von Altgold-Spenden zu sammeln das andere.

Und Zahngold ist hier im wahren Sinne des Wortes „Gold wert“. Und ab hier, mehr als ein Dutzend Jahre später kommt Jürgen Hingsen ins Spiel. Hingsen, ehemaliger Zehnkämpfer, dreimaliger Weltrekordhalter, mehrfacher Medaillengewinner bei Olympia, Welt- und Europameisterschaften, kam, während er auf Reha am Chiemsee weilte, auch in das Mountainbike-Geschäft von Markus Wössner. Hingsen bot spontan seine Unterstützung für das Projekt an.

Der Zufall wollte es, dass Hingsen auch noch Zahnprobleme bekam und sogleich sein explantiertes Zahngold zur Verfügung stellte. „So einfach kann Helfen sein“, sagt Markus Wössner, dessen Herzensprojekt die Entwicklung der Schule in Kristi ist. Bildung, das bedeute Zugang zu einem besseren Leben, aber das heiße in dem armen Land auch, dass man sich um alles kümmern muss, sei es das Gebäude, Schulmaterialien, Lehrer-Gehälter, eine Wasserleitung oder Gelder für Mittagspausenbrote.

Wegen Streit der Verwaltungen Schule geschlossen

Selbst das verheerende Erdbeben von 2015 konnte der Schule nichts anhaben, pro Jahr haben bis zu 120 Kinder die Schule besucht, die Gelder für ein höherwertiges Dach anstatt des bisherigen Welldachs stehen bereit, aber jetzt steht Wössner vor dem nächsten Problem. Die Schule liegt, wie eine Nachvermessung des Landes gezeigt hat, exakt mittig zwischen zwei Gemeinden – und auf einmal sind sich die Verwaltungen nicht einig, wem die Pacht des bebauten Schulareals zusteht. Und so ist seit zirka zwei Quartalen die Schule geschlossen. „Bislang habe ich alles 1:1 direkt investiert, die Gelder persönlich abgegeben, kein Bakschisch gezahlt, das werde ich auch noch schaffen“, zeigt sich Wössner zuversichtlich, auch dieses Problem zu lösen. Und wer ihm zuhört, der weiß, dass Wössner das auch stemmen wird. Im Herbst will er wieder nach Nepal, vielleicht kann er das Grundstück ja doch noch mit Hilfe eines Sponsors kaufen. „Der Unterricht sollte schnellstmöglichst weitergehen“, so die Parole des Chiemgauers.

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