Zahl der Wiesenbrüter im Irschener Winkel geht massiv zurück

Der Irschener Winkel des Chiemsees bei Bernau gilt als Rückzugsgebiet für seltene Vogelarten. re

Bernau – In der Jahreshauptversammlung der Ortsgruppe des Bund Naturschutz berichtete Vorsitzende Pia Ostler über die Aktivitäten des vergangenen Jahres.

Unter anderem habe man sich beim Volksbegehren Artenvielfalt mit Flyern und Infoständen engagiert und zu dem Erfolg von 20,4 Prozent Unterschriften in Bernau beigetragen.

Im Ausblick auf das laufende Jahr verwies Ostler auf die offenen Stammtische, die an jedem zweiten Montag im Monat stattfinden. Am 29. Juni werde es wieder den vom Bund Naturschutz organisierten Flohmarkt der Vereine geben.

Augenmerk auf artenreiche Wiesen

Im Hinblick auf den Verkauf des Hitzelsbergs durch die Gemeinde an einen Priener Immobilienentwickler, der dort eine Hotelanlage plant (wir berichteten), werde man ein besonderes Augenmerk auf die „wertvollen und außerordentlich artenreichen Wiesen am Südhang“ legen und sich für deren Schutz einsetzen.

Hauptthema des Abends war der Irschener Winkel, wo man ebenfalls noch zahlreiche Tier- und Pflanzenarten vorfinden könne. Der Gebietsbetreuer Chiemsee, Dirk Alfermann, schilderte anschaulich die biologische Vielfalt auf den Feuchtflächen und Streuwiesen rund um die Mündung der Bern auer Ache in den Chiemsee. So habe man im Jahr 2018 30 verschiedene Brutvogelarten gezählt, darunter die seltene Rohrweihe und Bekassine und zahlreiche Wasservögel. Andererseits seien seit etwa 20 Jahren massive Rückgänge der Wiesenbrüter zu verzeichnen, manche Arten seien überhaupt nicht mehr anzutreffen. Dazu gehören etwa der Große Brachvogel, das Braunkehlchen, der Wiesenpieper und der Kiebitz.

Die Ursachen für den Rückgang sind laut Alfermann komplex. Zu nennen seien die intensivere Landwirtschaft, die Entwässerung der Wiesen, Ver buschung, die Jagd auf Singvögel sowie zu viele störende Einflüsse durch Spaziergänger und Hundehalter. Naturschutzprogramme böten eine Möglichkeit für die Landwirte, ihre Wiesen naturnah zu bewirtschaften.

Der Landkreis sei ebenfalls bemüht, Flächen für den Naturschutz zu kaufen und diese ökologisch aufzuwerten. Um Wiesenbrüter wie den Kiebitz wieder anzusiedeln und noch vorhandene Vogelarten zu schützen, sollen beispielsweise kleine flache Tümpel, sogenannte Seigen, geschaffen werden, in denen die Vögel Nahrung finden, kündigte der Gebietsbetreuer an.

Um Spaziergänger und Hundehalter aufzuklären, hat Manuela Müller von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt, wie sie erzählte, rund um die sensiblen Wanderwege Schilder aufgestellt, die über die Gefahren für die Vögel informieren und die Hundehalter zu Rücksicht aufrufen sollen. Die Schilder sollen nach der Brutzeit Ende Juni wieder entfernt werden.

An zwei Terminen bietet Alfermann jeweils zweistündige Exkursionen in den Irschener Winkel an, bei der er die Besonderheiten und den Artenreichtum vor Ort erklären wird: am Mittwoch, 22. Mai, um 18 Uhr, und Donnerstag, 25. Juli, um 17.30 Uhr.

Treffpunkt für beide Termine ist jeweils die Klinik Medical Park (am Ende der Birkenallee).

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