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Die Krankenstation für Wildtiere

Wolfgang Stephl päppelt flugunfähige Vögel in Siegsdorf wieder auf

Wolfgang Stephl mit einem Graureiher, den er gesund pflegt.
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Wolfgang Stephl mit einem Graureiher, den er gesund pflegt.
  • Tanja Weichold
    VonTanja Weichold
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Spatzen oder Meisen im Garten sind keine Besonderheit, was aber, wenn dort ein Bussard sitzt und offenkundig Hilfe braucht? Genau das ist vor Kurzem einem Mann in Übersee passiert. Aber er fand Hilfe für das Tier. Im nahegelegenen Siegsdorf engagiert sich Wolfgang Stephl in besonderer Weise.

Übersee/Siegsdorf – Wolfgang Stephl betreibt in einem idyllischen Weiler zwischen Siegsdorf und Bergen in Eigeninitiative und voller Idealismus eine Pflegestation für verletzte Wildtiere. Er deutet auf einen Graureiher, der sich gerade am Weiher niedergelassen hat. „Viele unserer Tiere, die wir gesund gepflegt haben, kommen immer wieder zu Besuch“, erzählt der 68-Jährige beim Lokalaugenschein der OVB-Heimatzeitungen. Er ist in Übersee aufgewachsen und heiratete 1975 auf den Hof in Siegsdorf ein.

Sowohl von Ehefrau Elisabeth als auch den Schwiegereltern sei er von Beginn in seiner großen Leidenschaft für Wildtiere unterstützt worden, erzählt Stephl. „Als Erstes habe ich mir eine Fasanenvoliere gebaut und im Laufe der Zeit ist es immer mehr geworden“, blickt er zurück.

Im Ruhestand noch mehr Zeit für die Pflege der Wildtiere

Leute brachten ihm verletzte Vögel und andere Wildtiere, die er aufpäppelte und in Freiheit entließ. Seit er vor fünf Jahren in den Ruhestand gegangen ist, kann sich Stephl noch mehr seiner Leidenschaft für die Tiere widmen. Momentan sind zum Beispiel zwei junge Graureiher in Pflege. Der eingangs erwähnte Bussard aus Übersee ist ebenfalls noch da. „Er war sehr abgemagert, aber er frisst gut und ich werde ihn in zwei bis drei Wochen wieder in Freiheit entlassen können“, erzählt Stephl. Er geht davon aus, dass dem Tier die starken Regenschauer zugesetzt haben: „Da fand er wahrscheinlich nichts zu fressen, war nass, träge und flugunfähig.“

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Auf den Bäumen rund um seinen Hof hat Stephl zahlreiche Nistkästen aufgehängt, in denen er das ganze Jahr über Mehlwürmer für die Wildvögel als Futter bereit stellt. Auch verletzte Eulen und Waldkäuze versorgt Stephl regelmäßig. Dabei machte er die Erfahrung: „Die Jungtiere verlassen zeitig ihre Bruthöhle und kraxeln in den Ästen herum, sie haben noch kein Gefieder und deshalb werden sie oft von Menschen mitgenommen, weil die glauben, dass sie keine Eltern mehr haben.“

Zu Stephls Schützlingen zählen nicht nur Vögel, sondern auch Rehkitz, Iltis, Mader, Hermelin – einfach alles, was in der heimischen „Wildnis“ an Tieren lebt.

Das Wissen über sie habe er sich im Laufe der vielen Jahre angeeignet, sagt er. Außerdem ist er in engem Kontakt mit anderen Gehegebesitzern und Tierärzten in der Region. Pro Jahr gibt Stephl etwa 5000 Euro für Futter aus einem Privatbudget aus, allein etwa einen halben Zentner Mehlwürmer kauft er ein.

Gesund wieder in Freiheit entlassen

Gesund gepflegte Wildtiere werden wieder in Freiheit entlassen, daneben gibt es auf dem etwa drei Hektar großen landwirtschaftlichen Hof natürlich noch allerhand Tiere, die dauerhaft zum Hof gehören. Dazu zählen neben Hirsch samt Herde auch Ponys, Mufflons und allerhand Ziergeflügel.

„Die Natur ist für mich einer der wichtigsten Aspekte im Leben“, erklärt Stephl. Um sein Haus herum pflanzt er Blühwiesen und Hecken für Bienen und Insekten, fährt zugunsten des Klimaschutzes nur dann mit dem Auto, wenn es notwendig ist. Aufs Fliegen verzichtet er inzwischen aus Überzeugung komplett.

Waldkäuze sitzen nachts am Balkon

Seinen Wohnort und sein Lebenswerk auf dem Hof bezeichnet er als einen „Traum“. Jeden Morgen kümmert er sich etwa zwei Stunden lang erst einmal um die Versorgung der Tiere. Aufgrund der Lage mitten im Wald statten Wildtiere dem Hof oft einen Besuch ab, wie Stephl erzählt. Er berichtet zum Beispiel von Waldkäuzen, die auf dem Balkon sitzen, oder von Füchsen und Mardern, die hier übrig gebliebenes Futter fressen. Stephl freut das alles. Das Leben im Einklang mit der Natur ist für ihn das Schönste. Und so wird er auch weiterhin tatkräftig helfen, wo Wildtiere verletzt sind.

Bei Verletzungen brauchen Greifvögel, Reh und Igel die Hilfe des Menschen

Wann sollen sich Menschen eines Wildtieres annehmen? Diese Frage beantwortet Jenifer Calvi, Pressereferentin der Deutschen Wildtierstiftung aus Hamburg, folgendermaßen: „Immer dann, wenn ein Tier ganz offensichtlich Hilfe braucht, etwa, weil es verletzt ist. Das gilt für den Igel, der zum Beispiel vom Mähroboter erfasst wurde, genauso wie für das Reh, das von einem Auto angefahren wurde und auf der Straße liegen bleibt.“

Oder Eichhörnchen, die apathisch im Gras sitzen und sich nicht bewegen. Die Bitte der Wildtierstiftung lautet: „Unbedingt alle Fallen im Garten für Igel und Eichhörnchen beseitigen, Regentonnen, Teiche und Kellerschächte gut präparieren.“ Wer sich mit Wildtieren aus Beobachtungen heraus gut auskenne, der wisse, wann Hilfe angebracht sei. Und wohin mit einem verletzten Tier? Dazu Calvi: „Es gibt zahlreiche Anlaufstellen, die Hilfe bieten, etwa Eichhörnchen-und Igelhilfestationen.“ Seien ein Reh, ein Hirsch oder ein Fuchs auf der Landstraße verletzt, müsse der Jäger kommen, der über die Polizei verständigt werden könne.“ Er kann sich dem Tier annehmen und kennt auch immer einen Tierarzt vor Ort“, so Calvi.

Handle es sich um einen verletzten Greifvogel, solle man sich nach Wildtierstationen – wie die von Wolfang Stephl eine ist – erkundigen – oft könnten die örtlichen Tierheime Auskunft geben, manchmal auch Zoos. Wer einen Igel oder einen Vogel sichern wolle, solle das Wildtier mit Handschuhen anfassen und in eine mit einem Tuch abgedeckten Kiste setzen, bis professionelle Hilfe eintreffe.

Der verletzte Bussard ist gesund und wird entlassen.

Ereignisreicher Tag

Nach dem Interview mit den OVB-Heimatzeitungen folgte für Wolfgang Stephl in seiner Tierpflegestation in Siegsdorf noch ein ereignisreicher Tag, wie am nächsten Morgen berichtete. Unmittelbar nach dem Termin sei er von einem Tierarzt aus Traunstein angerufen worden, dass ihm ein Bussard gebracht worden sei, der in ein Auto geflogen war.

„Den holte ich gegen Mittag ab“, so Stephl. Er erzählt weiter: „Dann brachte eine Frau aus Hammer einen verletzten Waldkauz, der in ein Nylonnetz geflogen war.“ Nachmittags habe eine Frau aus Traunstein einen jungen Turmfalken gebracht, der in eine Fensterscheibe geflogen war. Möglicherweise war von den den Wellensittichen im Käfig hinter der Fensterscheibe angelockt worden. Stephl weiter: „Am Abend kam noch eine junge Türkentaube dazu, die aus dem Nest gefallen war. Ich hoffe ich kann alle Tiere wieder gesund in die Freiheit entlassen.“

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