Ein Leben für den Sport

Wolfgang Schnaiter aus Bernau: Rund eineinhalb mal auf Langlauf-Skiern um die Welt

Mit seinen 72 Jahren läuft Wolfgang Schnaiter jetzt nur noch zum Vergnügen in der Spur, an Wettkämpfen nimmt er nicht mehr teil. Seine sportliche Lebensbilanz ist beachtlich.
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Mit seinen 72 Jahren läuft Wolfgang Schnaiter jetzt nur noch zum Vergnügen in der Spur, an Wettkämpfen nimmt er nicht mehr teil. Seine sportliche Lebensbilanz ist beachtlich.
  • Anton Hötzelsperger
    vonAnton Hötzelsperger
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Der 72-Jährige Wolfgang Schnaiter legte in seinem Leben bislang 68.000 Renn- und Trainingskilometer auf Langlaufskiern zurück.

Bernau – In Bernau ist Wolfgang Schnaiter als Ballonfahrer-Unternehmer, Blasmusikant und Vereinstrainer kein Unbekannter. Weniger bekannt sind seine eigenen sportlichen Aktivitäten. Als Ski-Langläufer war er weltweit erfolgreich unterwegs. Zweimal war er erfolgreicher Teilnehmer der Worldloppet-Läufe und dreimal meisterte er die Europpet-Läufe. Jetzt hat der 72-Jährige mit den internationalen Wettbewerben aufgehört und blickt auf eine beachtliche Bilanz als Volksski-Langläufer zurück.

Lauf nördlich des Polarkreises

Beendet hat Wolfgang Schnaiter seine Aktivität als Skirennläufer Nordisch nach rund 68.000 Renn- und Trainingskilometern. Er nahm zum Beispiel am Murmansker Skimarathon in Russland 300 Kilometer nördlich des Polarkreises teil. „Begonnen habe ich im Jahr 1956 als achtjähriger Bua bei einem Ski-Wettbewerb mitten im Ort Bernau oberhalb des Gasthauses Kampenwand.“

Beim Wasalauf in Schweden.

Als beachtenswert blieb ihm ein vierter Platz bei den Bayerischen Meisterschaften im 50-Kilometer-Langlauf in Erinnerung. „Da habe ich viele Staatsprofis von Zoll, Bundeswehr und Grenzpolizei in Grund und Boden gelaufen“, erzählt Schnaiter.

Quer über den Erdball unterwegs in Langlaufloipen

Zu den eher unbekannten internationalen Wettkämpfen zählten die Wordloppet-Läufe, die in freier Technik Skating oder in klassischer Nordic-Technik zu absolvieren sind. Diese Serie führte ihn durch Europa und die Welt, etwa zum Dolomitenlauf nach Österreich (65 Kilometer), „Jzerska Padesatka“ nach Tschechien (50 Kilometer) und „Marcialonga“ in Italien (70 Kilometer). Auch die USA, Kanada und Schweden stehen auf der Liste. Der zweimalige „Mister Worldloppet“ ist auch dreifacher „Mister Euroloppet“, als solcher war er zum Beispiel bei „Biela Stoppa“ in der Slowakei, beim Gommerlauf in der Schweiz und beim Murmansk Marathon in Russland.

Als Achtjähriger beim örtlichen Nachwuchs-Wettbewerb Feuer gefangen

Zur Bilanz fügt Schnaiter das bayerische Sprichwort hinzu: „Aus is‘ und gor is‘ und schod is‘, das‘ wor is.“ Schnaiter ist seinen Unterstützern und Wegbegleitern dankbar, allen voran Adi Strohmeier, Hans Pertl, Sepp Leitner senior, Lothar und sein Bruder Günther Obermaier, Hans-Jörg Decker und dem Matzad Erhard.

Als Bub beim Start in Bernau.

Diese Freundschaften entwickelten sich von der ersten Teilnahme als Achtjähriger beim örtlichen Nachwuchs-Wettbewerb, gefestigt wurden sie beim Bernauer Ski-Club und bei der aus diesem hervorgegangenen Ski-Läufer-Vereinigung. Mehrere Jahrzehnte war Wolfgang Schnaiter Trainer, Übungsleiter und Langlauflehrer, eine kurze Zeit war er sogar Langlauf-Lehrer in einer Ski-Schule in St. Johann in Tirol.

„In den 50er-Jahren waren Langläufer noch Exoten“

Zum Vorbild nahm sich Schnaiter nach eigener Beschreibung den bekannten Chiemgauer Ziachspieler und Ski-Sportler Hermann Bosch. Als er ihn im Fernsehen gesehen hatte, habe er sich gesagt: „Was der `Boschei kann, das kann ich auch.“ So habe er sich an das Training gemacht. Er denke oft daran, dass in den 50er- und 60er-Jahren Langläufer eher Exoten im Wintersport gewesen seien. „Heute kommen sogar ganze Familien allein schon wegen der Kosten im Vergleich zum Alpinen Sport zur Langlauf-Entscheidung. Und momentan ist es wegen Corona ja die einzige Möglichkeit, auf geordneten Bahnen Ski-Sport zu betreiben“.

Viele Pokale als Erinnerung.

In Kanada fast die Ohren abgefroren

Der Wasalauf in Schweden – immer am ersten Sonntag im März – ist Schnaiter besonders in Erinnerung geblieben. „Dreimal war ich dabei. Am Lauf selbst nehmen 15 700 Läufer und an den Wettbewerben der Wasa-Woche insgesamt 38.000 teil. Das waren unglaubliche Erlebnisse.“ Ebenso wenig vergesse er, als ihm in Kanada bei 42 Grad unter Null fast die Ohren abgefroren wären.

Dankbar für die stets gesunde Rückkehr

Er zeigt sich dankbar, dass er stets gut heimgekehrt sei. Neben den sportlichen Erlebnissen prägten sich viele weitere Eindrücke ein. Dazu zählt er das Indianermuseum in Ottawa, abgestorbene Bäume im polnischen Riesengebirge auf 1100 Metern aufgrund der Kohlenverfeuerung oder ein Rieseneinkaufszentrum in den USA mit einem Volksfest mittendrin.

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