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HISTORISCHES KIRCHENGELÄUT

Wolfgang Bude zu Freyberg-Glocke in St. Salvator: „Wahre Schönheit aus der Renaissance“

Die Freyberg-Glocke wurde 1552 in München gegossen.
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Die Freyberg-Glocke wurde 1552 in München gegossen.
  • Anton Hötzelsperger
    VonAnton Hötzelsperger
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Die mittelalterliche Kirche St. Salvator im Rimstinger Ortsteil beherbergt eine Rarität aus der Freyberg-Zeit des 16. Jahrhunderts. Die historische Freyberg-Glocke ruft seit fast fünf Jahrhunderten die Gläubigen zum Gebet.

Rimsting – Bis in das 12. Jahrhundert reicht die Geschichte der Filial- und Wallfahrtskirche St. Salvator, Gemeinde Rimsting, zurück. Nach den Aufzeichnungen des Priener Historikers Dr. Peter von Bomhard wurde das sakrale Gebäude im 15. Jahrhundert als mittelalterliche Hostienkirche gebaut; 1472 wurde sie vom damaligen Bischof vom Chiemsee Bernhard von Kraiburg geweiht. Aus dieser Zeit stammt im Turm der 34 Meter hohen Kirche eine 26 Zentner schwere Glocke. Der besonderen Geschichte dieser Glocke spürte Wolfgang Bude vom Heimat- und Geschichtsverein Aschau i. Chiemgau für die Chiemgau-Zeitung nach.

Glocken-Inschrift mit Freyberg-Wappen.

„Bei dieser Glocke handelt es sich um eine der schönsten Glocken des 16. Jahrhunderts in der Erzdiözese München-Freising“, stellte Kirchenmusikdirektor Gerald Fischer vom Erzbischöflichen Ordinariat vor einigen Jahren in einem Gutachten fest. Für Wolfgang Bude hat sie auch noch eine ganz eigene Beziehung zum gesamten Priental.

Eine besondere Rarität aus der Freyberg-Zeit

An einem Samstagnachmittag um 15 Uhr, nach dem traditionellen Einläuten des Sonntags, steigt Bude in Begleitung von Mesner Wast Wimmer im Glockenturm auf. Nach drei engen Treppen und zwei steilen Leitern ist der Glockenraum erreicht.

Dort hängt sie, die Freyberg-Glocke, „eine besondere Rarität aus der Freyberg-Zeit des 16. Jahrhunderts“, sagt Bude. Gespendet habe sie Pankraz von Freyberg (1508-1565), Inhaber der Hochgerichts-Herrschaften Hohenaschau und Wildenwart (seit 1540). „Er war wohl der Bedeutendste des berühmten Adelsgeschlechts. Sein Einfluss auf die Politik im damaligen Herzogtums Bayern war maßgeblich“, so Bude. „Ein Beispiel dafür, dass er sich trotz der hohen Stellung auch um die Belange in seinem Herrschaftsgebiet kümmerte, ist diese Glocke von St. Salvator.“ Dass sie heute noch erklinge, habe mit Mut und Zufällen zu tun, betont der Historiker.

Glocken für Waffenbau eingeschmolzen

In den Aufzeichnungen von Peter von Bomhard heißt es: „1551 schlug das ‚Hochwetter’ in den Turm der Priener Pfarrkirche, erschlug den Helm und zerspaltete die große Glocke.“ Laut Bude unternahmen daraufhin die Kirchenpröpste der Pfarrkirche große finanzielle Anstrengungen, um den Gesamtschaden zu beheben und unter anderem 1552 eine neue Glocke gießen zu lassen. „Dabei mag Pankraz von Freyberg seine Unterstützung geleistet haben, wie sein Wappen und die Inschrift auf der Glocke vermuten lassen.“

Im Ersten Weltkrieg mussten zur Materialgewinnung für Waffen auch in der Priener Pfarrkirche Glocken abgebaut werden, die Freyberg-Glocke blieb dennoch an ihrem Platz. Als 1924 die Priener Pfarrkirche ein neues Geläut bekam, wurde sie an die Nebenkirche St. Salvator abgegeben und ergänzte dort zwei weitere Glocken. Diese beiden Glocken wurden im Zweiten Weltkrieg abgeliefert und eingeschmolzen – zurück blieb erneut die Freyberg-Glock.

Vor ihrem Aufstieg in den Glockenturm: Wolfgang Bude (links) und Wast Wimmer.

Glocke unter Lebensgefahr versteckt

Zu verdanken war und ist dies dem damaligen Kirchenpfleger Andreas Fischer, Schneiderbauer von Pinswang (verstorben im Alter von 98 Jahren im Jahr 1973). Er versteckte die nicht auf der offiziellen Abgabe-Liste befindliche Glocke unter Lebensgefahr im oberen Kirchturmbereich. So konnte sie am Pfingstsonntag 1945 erstmals wieder erklingen. Die alte Wetterglocke wird heute von noch zwei kleineren Glocken im Geläut ergänzt, diese wurden von der Firma Czudnochowky aus Erding gegossen.

An eine amüsante, aber auch gefährliche Anekdote erinnert Wast Wimmer, der seit 35 Jahren ehrenamtlich die Mesnerdienste in St. Salvator übernimmt. „Die Freyberg-Glocke verlor einmal in voller Aktion ihren Glockenschwängel. Der flog durchs Turmfenster und schlug unmittelbar neben der an der Kirche vorbeiführenden Straße ein.“ Zum Glück sei niemand zu Schaden gekommen. „Der Schwengel wurde durch einen etwa zehn Kilogramm leichteren ersetzt. Das wirkte sich aber nur ein bisschen auf den Klang aus.“

„Wolfgang Steger der Jüngere, goss mich in München im Jahr des Herrn 1552“

Wolfgang Bude fasst seine Eindrücke zusammen: „Die Freyberg-Glocke ist eine wahre Schönheit aus der Renaissance. Drei Bilder sind auf ihr eingegossen: ein Kreuz, eine Muttergottes und das Wappen des Pankraz von Freyberg (Aschauer Dreiberg kombiniert mit den drei Sternen der Freyberg) mit der Jahreszahl 1552. Darunter: „Pangracz von Freiberg zu Aschau und Wildenwart“. Sie wiegt 1,3 Tonnen und stammt aus der bekannten Münchner Glockengießerei Steger. Unter Kreuz und Muttergottes hat sich der Gießer verewigt: „Wolfgang Steger der Jüngere, goss mich in München im Jahr des Herrn 1552“. Die lateinische Inschrift am unteren Rand, geprägt in Großbuchstaben heißt frei übersetzt etwa: „Die mit himmlischen Segen getaufte Glocke vertreibe durch ihre göttliche Kraft alle Unwetter und Dämonen.“

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