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Weitere schreckliche Details *mit Video*

Entsetzen über Tierdrama in Schleching - hetzten mehrere Wölfe die Kälber in den Tod?

Neun Jungkühe sind an der Zellerwand bei Schleching abgestürzt.
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Neun Jungkühe sind an der Zellerwand bei Schleching abgestürzt.
  • Rosi Gantner
    VonRosi Gantner
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Das Entsetzen über das Tierdrama bei Schleching ist groß: Neun Jungkühe stürzten an der Zellerwand in den Tod. Gehetzt, in Panik. Am Tag nach dem Unglück kommen nun weitere schreckliche Details ans Licht.

Schleching - Grüne Weiden, blauer Himmel, genüsslich grasende Kühe - diese Almidylle vermag die Region um die Ortschaft Schleching durchaus zu bieten. Dieser Tage ist sie allerdings mehr als gestört: Die Tiertragödie im Bereich Zellerwand bewegt den Ort und darüber hinaus. Neun Jungkühe waren offenbar in der Nacht auf Mittwoch, 8. Juni, an der Zellerwand in den Tod gestürzt. Zuvor hatten sie in Panik mehrere Zäune durchbrochen, eine weitere Almwiese durchquert und geradewegs auf ihr Unglück zugerannt.

Ortsbauer von Wolf überzeugt

Noch sichtlich geschockt ist Ralf Wegener, Ortsbauer von Mettenham im Gemeindegebiet von Schleching und bei der Bergung der verunglückten Tier mit vor Ort, da Nachbar des betroffenen Landwirts: „Es muss jetzt endlich was passieren. Ich fürchte, dass wir den ganzen Sommer keine Ruhe bekommen.“

Die Kälber hätten panisch Zäune durchbrochen, seien regelrecht durch die Alm durchgeschossen. „Wie im Formationsflug die Wand runter, die müssen aufgeschreckt worden sein“, ist sich der Landwirt sicher. Und er ist davon überzeugt: Das kann nicht nur ein Wolf gewesen sein. „Wenn da nicht zwei Wölfe beteiligt waren.“

„Einen Hund greifen Kälber an“

Die Theorie, dass ein Hund beteiligt gewesen sein könnte, wischt der Ortsbauer vom Tisch: „Bei einem großen Hund gehen die Kälber auf ihn zu, die greifen ihn an.“ Deshalb seine felsenfeste Überzeugung: ein oder mehrere Wölfe.

Neun Jungkühe sind an der Zellerwand bei Schleching abgestürzt.

Entsetzen bei Tierarzt Fischer

Eine Einschätzung, die auch der Überseer Tierarzt Robert Fischer teilt, der bereits vielfach zu Rissen mit Wolfsverdacht gerufen und zudem seine ganz eigenen Erfahrungen mit dem Jagdtier gemacht hat. Über die Tiertragödie an der Zellerwand ist Fischer bestens informiert, er hatte sogleich Kontakt mit dem betroffenen Landwirt aufgenommen: „Die Familie ist verständlicherweise völlig mitgenommen, da zieht man die Kälber mit dem Milchsauger auf, kennt sie alle beim Namen und dann sowas“, kann er die Gefühlslage des Mettenhammer Landwirts gut nachvollziehen. „Schließlich handelt es sich hier um Lebewesen.“

Neun Jungkühe sind an der Zellerwand bei Schleching abgestürzt. Hier bei der Bergung.

Waren die Jungkühe trächtig?

Was hinzukommt: Kalbinnen, die sich zu dieser Zeit auf den Almen befinden, sind in der Regel trächtig, weiß Fischer: „Das heißt, dass hier nicht nur die neun Jungkühe verunglückt sind.“ Zudem müssten die Tiere bei einem derartigen Unglück große Qualen erleiden. Vom unweit von der Zellerwand entfernten Campingplatz habe man Kuhgebrüll vernehmen können.

Kühe in den Tod gestürzt: Bilder vom Bergungseinsatz in Schleching

Kühe in den Tod gestürzt: Bilder vom Bergungseinsatz
Kühe in den Tod gestürzt: Bilder vom Bergungseinsatz
Kühe in den Tod gestürzt: Bilder vom Bergungseinsatz
Kühe in den Tod gestürzt: Bilder vom Bergungseinsatz
Kühe in den Tod gestürzt: Bilder vom Bergungseinsatz in Schleching

Mitunter deshalb seien die Landwirte alarmiert gewesen und hätten sich auf Spurensuche gemacht, berichtet der Tierarzt. Für ihn unvorstellbares Leid, das ins Bewusstsein gerückt werden müsse. „Es muss einfach bewusst werden, dass der Wolf hier ein Problem ist. Ein Zusammenleben ist nicht möglich.“ Der Wolf sei ein Jagdtier, das auch einem gewissen Jagddruck ausgesetzt werden sollte, ist Fischer überzeugt. „Man muss sich endlich von den romantischen Vorstellungen rund um den Wolf verabschieden und den Tatsachen ins Auge blicken.“

Gefahr für Bergwanderer

Eine nicht zu unterschätzende Gefahr sieht der Tierarzt auch für Bergwanderer und Touristen an sich: Sollten sich Vorfälle wie in Schleching mehren und gar untertags ereignen, dass ganze Herden in Panik über Weiden und Wege stürmen, dann würde das zur mitunter tödlichen Gefahr. „Ich weiß nicht, wo das noch hinführen soll, wenn man sich dessen nicht bewusst wird“, ist Fischer in großer Sorge.

Neun Jungkühe sind an der Zellerwand bei Schleching abgestürzt. Hier bei der Bergung mit einem Hubschrauber.

Mögliche Wolfsbeteiligung

Dass ein oder gar mehrere Wölfe in Schleching beteiligt gewesen sein könnten, zu dieser Überzeugung gelangt auch die Rosenheimer Kreisbäuerin Katharina Kern. Sie selbst hat bereits etliche Almsommer mit hochalarmierten Tieren hinter sich - „wobei es dieses Jahr hier bei uns noch ruhig ist“, spricht sie für die Region hoch über Oberaudorf, westlich des Inns. Die Schilderungen aus Schleching verbindet aber auch sie mit einer möglichen Wolfsbeteiligung. „Die Tiere müssen schon ganz schön gejagt worden sein“, ist auch sie als langjährige Almbäuerin überzeugt.

Offiziell keine Spur vom Wolf

Während die Sorge bei den Almbauern im Chiemgau weiter groß ist und immer wieder von Wolfssichtungen und Herdenunruhen zu hören ist, kommt von offizieller Seite aus dem Landesamt für Umwelt, zuständig für das Wolfmonitoring in Bayern, ein klares Nein zum Thema Wolf in der Region: Dem Bayerischen Landesamt für Umwelt sind aktuell für das Monitoringjahr 2022/2023 beginnend mit dem 1. Mai 2022 keine Nachweise von Wölfen für die Landkreise Rosenheim und Traunstein bekannt, heißt es auf OVB-Anfrage. Und weiter: Die Genanalyse des Abstriches von einem toten Reh im Landkreis Traunstein vom 14. Mai habe keinen Hinweis auf die Beteiligung eines großen Beutegreifers ergeben, wie ein Sprecher ergänzt.  

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