Wohnraum und ein Fußgänger-Steg für Seeon-Seebruck

Mitten in der Corona-Krise wurde Martin Bartlweber neuer Bürgermeister in Seeon-Seebruck.
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Mitten in der Corona-Krise wurde Martin Bartlweber neuer Bürgermeister in Seeon-Seebruck.

Seeon-Seebruck – Der Bürgermeister der Gemeinde Seeon-Seebruck ist seit Mai Martin Bartlweber von den Freien Wählern. Im Interview spricht er über die ersten Monate in seinem neuen Amt.

von Martin Tofern

Herr Bartlweber, waren Sie gut auf das Amt des Bürgermeisters vorbereitet, oder gab es Überraschungen?

Martin Bartlweber: Nach sechs Jahren im Gemeinderat hatte ich einen guten Einblick. Dass ein Virus die ganze Welt lahmlegt, damit konnte keiner rechnen. Ich war bestimmt nicht der Einzige, der von dieser Entwicklung überrascht wurde.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat?

Bartlweber: Wir haben einen sehr lebendigen Gemeinderat, der gerne in die Diskussion geht. Aber dadurch erreichen wir sehr gute Ergebnisse, wie ich finde. Ich bin sehr dankbar, so ein engagiertes Team zu haben, das sich zum Wohl der Gemeinde engagiert.

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Haben Sie schon etwas von dem angehen können, was Sie sich vorgenommen haben?

Bartlweber: Auf jeden Fall, wenn auch durch Corona nicht die Menge, die ich mir gewünscht hätte. Aber wir konnten einiges auf den Weg bringen.

Voraussichtlich im Frühjahr beginnt das Bauamt mit der Sanierung der Brücke in Seebruck. Wahrscheinlich ist während des ganzen Sommers die Überfahrt mit dem Auto nicht möglich. Aber es wird einen Steg für Fußgänger und Radfahrer geben. Erst mal provisorisch, wobei wir auf einem guten Weg für eine langfristige Lösung sind.

Auch Seeon-Seebruck verfügt über zu wenig bezahlbaren Wohnraum. Wie wollen Sie das ändern?

Bartlweber: Ein Lösungsansatz ist die Innenraumverdichtung. Hier gibt es noch Bauland und Möglichkeiten, Wohnkonzepte umzusetzen. Und die Gemeinde will Mehrfamilienprojekte wie in Ischl, aber auch klassische Einfamilienhäuser in den anderen Ortsteilen realisieren. Weiterhin werden wir Gespräche mit Grundstücksbesitzern führen. Das dauert alles seine Zeit, aber es bleibt ein fester Bestandteil unserer Aufgabenliste, weil der Wohnraum einfach dringend gebraucht wird.

Welche Themen stehen sonst noch auf der Agenda?

Bartlweber: Die Liste ist lang: Infrastrukturelle Maßnahmen im Bereich Wasserversorgung, die Sanierung der Pattenhamer Straße in Truchtlaching, der Breitbandausbau, Hafensanierung, die ISEK-Umsetzung (Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept) in Seebruck, der Feuerwehrhausneubau in Seeon, um nur einige zu nennen.

Welche Rolle spielt der Umweltschutz in Ihrer Politik?

Bartlweber: Wie man an dem Thema Kiesabbau in Seeon gesehen hat, ist der Umweltschutz ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit. Wir leben da, wo andere Urlaub machen. Urlauber kommen nur dann, wenn es schön bleibt. Gleichzeitig darf der Tourismus nicht belastend sein für diesen Ort. Es ist unsere Verantwortung, unsere ländlich geprägte Gemeinde zu schützen und für die Generationen nach uns zu erhalten. Dieser Verantwortung sind wir uns bewusst.

Wie wollen Sie die Zusammenarbeit mit den Vereinen verbessern?

Bartlweber: Unsere Ortsvereine haben immer schon einen hohen Stellenwert in der Gemeinde. Ich sehe die Vereine als wichtigen Partner, zum Beispiel in der Jugendarbeit. Es ist ein „Geben und Nehmen“. Als aktuell große Aufgabe sehe ich die Alternativlösung bei den Lagerkapazitäten für die Vereine, da uns die Lösung mit dem „Vereinsstadel“ in Ischl weggefallen ist.

Wie wichtig ist der Fremdenverkehr für Ihre Gemeinde?

Bartlweber: Die Gemeinde lebt mit und vom Fremdenverkehr. Für unsere Beherbergungsbetriebe und Gastronomen ist das touristische Angebot überlebensnotwendig. Derzeit stellt uns der hohe Besucherandrang aber auch vor neue Herausforderungen, die bewältigt und gelenkt werden müssen. Insbesondere die Verkehrssicherheit auf Straßen und dem Wasser beschäftigt uns derzeit sehr.

Interview: Martin Tofern

„Auf einer Wellenlänge“

Der 2. Bürgermeister Norbert Maier (Parteifreie Wählerschaft Truchtlaching) zeigt sich zufrieden mit Bartlweber: „Bis jetzt klappt das hervorragend.“ Mit Bartlweber sei er vertraut, da die beiden schon im Gemeinderat gut zusammengearbeitet hätten. Er schätzt an ihm, dass er für viele Themen offen und ein Teamplayer sei. Das werde für die Zukunft auch nötig sein: „Mit Corona wird das Geld knapper – auch bei uns.“

Das Wahlergebnis:

Mit 53,6 Prozent der Stimmen setzte sich Martin Bartlweber im ersten Wahlgang gegen Amtsinhaber Bernd Ruth von der CSU durch. Der 40-jährige Vater von drei Kindern war bereits seit 2014 im Gemeinderat und ab 2016 Fraktionsvorsitzer der FWG Seeon.

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