Inklusion

Wohnen und Arbeiten: In Unterwössen entsteht ein Modellprojekt der Lebenshilfe Traunstein

Ein Blick auf das Inklusionsprojekt der Lebenshilfe Traunstein in Unterwössen. Das niedrige Gebäude im Vordergrund ist der Wohntrakt, das höhere Gebäude birgt die spätere Kochwerkstatt. Im Hintergrund entsteht parallel das Wohnprojekt für genossenschaftliches Wohnen der MARO mit drei Gebäuden.
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Ein Blick auf das Inklusionsprojekt der Lebenshilfe Traunstein in Unterwössen. Das niedrige Gebäude im Vordergrund ist der Wohntrakt, das höhere Gebäude birgt die spätere Kochwerkstatt. Im Hintergrund entsteht parallel das Wohnprojekt für genossenschaftliches Wohnen der MARO mit drei Gebäuden.
  • vonLudwig Flug
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Wohnen und Arbeiten für Menschen mit Behinderung: Die Lebenshilfe Traunstein baut an einem ambitionierten Projekt in Unterwössen. Für über sieben Millionen Euro entstehen dort bis Ende 2021 Wohngebäude und eine Kochwerkstatt. Der geplante Inklusionsbetrieb soll künftig auch Wössner Einrichtungen beliefern.

Unterwössen– Erstmals plant die Lebenshilfe Traunstein einen eigenen Inklusionsbetrieb mit Kochwerkstatt und Café. Begonnen im März, ist der Rohbau hinter dem Unterwössner Rathaus nun unter Dach und Fach. Ende 2021 soll alles fertig sein. Auf dem Gelände der ehemaligen Holzhandlung Döllerer entsteht das ambitionierte Wohn- und Beschäftigungsprojekt. Parallel werden Bewohner und Arbeitskräfte gesucht.

Wohnraum mit 23 Plätzen entsteht

Die Lebenshilfe Traunstein erbringt Leistungen für Menschen mit geistiger Behinderung oder Schädelhirnverletzungen. „Obwohl im gesamten Landkreis Traunstein zuständig, liegen die Einrichtungen der Lebenshilfe im nördlichen Landkreis, im südlichen klafft bislang eine Lücke“, so Lebenshilfe Geschäftsführerin Annemarie Funke.

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„In Unterwössen entsteht daher ein echtes Modellprojekt.“ Grundlage ist eine Kooperation mit der Gemeinde und dem Verein Wössner Regenbogen, für den der Inklusionsbetrieb künftig Speisen zubereiten wird. „Das gastronomische Angebot reicht von kleineren Speisen bis zu Abo-Essen, spannt sich vom Café-Betrieb mit kulturellen Events in den Sommermonaten hin zum klassischen Catering“, beschreibt Funke. Wenn alles glatt laufe, sollen die Betriebe im November 2021 ihren Betrieb aufnehmen.

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Zugleich entsteht Wohnraum mit 23 Plätzen für gemeinschaftliches Wohnen, zwei Wohntrainingsplätze und vier Wohnungen für Menschen mit und ohne Behinderung im geförderten sozialen Wohnungsbau. Das Projekt hilft der Eingliederung von Menschen mit Behinderung in besonderen Wohnformen mit zwei Gruppen von je acht Bewohnern, einer Wohngruppe mit sieben Bewohnern. „Vom jungen Erwachsenen bis zum Senior sollen sie in Unterwössen ihren Lebensmittelpunkt finden“, stellt man sich bei der Lebenshilfe vor: „Tagsüber besuchen die Bewohnerinnen und Bewohner vorwiegend die Werkstätten in Traunstein, Oderberg oder Traunreut.“

Sieben Millionen Euro

Die Kosten: 7,1 Millionen Euro. Der Freistaat fördert mit Mitteln aus dem bayerischen Wohnungsbauprogramm. Nach dem Bundesteilhabegesetz haben die Bewohner in den insgesamt zwölf Wohnheimen der Lebenshilfe in Traunstein, Traunreut, Waging, Altenmarkt, Großornach, Seeon und Oderberg ein Wunsch- und Wahlrecht, wo und wie sie wohnen und leben.

Die Lebenshilfe bewirbt zurzeit ihre beiden neuen Wohnheime, neben Unterwössen auch in Waging. „Erkennbar punktet die Gemeinde Unterwössen als ein Ort, der alle infrastrukturellen Voraussetzungen mitbringt und einen hohen Freizeitwert hat“, freut man sich auch in der Gemeinde. 13 Umzüge seien bereits geplant, weiß Annemarie Funke. Auch die für das Wohntraining vorgesehenen Wohngemeinschaften hätten bereits Bewerber. Von den vier Wohnungen des sozial geförderten Wohnungsbaues seien drei bereits vergeben.

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Arbeitskräfte aus der Region willkommen

Zusätzlich entstehen Arbeitsplätze im Gruppendienst für Fach- und Hilfskräfte sowie im hauswirtschaftlichen und Reinigungsdienst. Auch werden noch Fachkräfte gesucht, etwa Heilerziehungs- und Altenpfleger oder Erzieher. „Im Laufe des kommenden Jahres werden die Stellen ausgeschrieben“, so Funke, „wir freuen uns, wenn auch der Region Bewerbungen eingehen.“ Ihr ist es wichtig, mit dem Projekt die modernen Möglichkeiten des seit 2017 geltenden Teilhabegesetzes auszuschöpfen.

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