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Personalfrage schnell geklärt

Wohnanlage von Leben mit Handicap in Prien hat neue Geschäftsführerin gefunden

Hermann, die Betonfigur am Eingang der Wohnanlage für Behinderte in Stauden neben dem König-Ludwig-Saal, hat Besuch bekommen. Günther Bauer, Vorsitzender des Vereins Leben mit Handicap (rechts), Schatzmeisterin Monika Hahn und Hausverwalterin Hildegard Maier-Salmen freuen sich, dass mit Jeanette Gerlings (von links) eine neue Geschäftsführerin gefunden ist.
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Hermann, die Betonfigur am Eingang der Wohnanlage für Behinderte in Stauden neben dem König-Ludwig-Saal, hat Besuch bekommen. Günther Bauer, Vorsitzender des Vereins Leben mit Handicap (rechts), Schatzmeisterin Monika Hahn und Hausverwalterin Hildegard Maier-Salmen freuen sich, dass mit Jeanette Gerlings (von links) eine neue Geschäftsführerin gefunden ist.
  • Dirk Breitfuß
    VonDirk Breitfuß
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Zum Jahreswechsel stand der Verein Leben mit Handicap plötzlich ohne Geschäftsführer für seine Wohnanlage für 30 behinderte Menschen in Stauden da. Um den Betrieb am Laufen zu halten, musste Vorsitzender Günther Bauer improvisieren. Dank der OVB-Heimatzeitungen ist die Stelle wieder besetzt.

Prien Jeanette Gerlings heißt die neue Geschäftsführerin, die derzeit noch in ihre Aufgabe eingearbeitet wird. Ihr Vorgänger war krankheitsbedingt kurzfristig vorzeitig in den Ruhestand gegangen. Bauer und seine Vorstandsmannschaft mussten vorübergehend selbst die Aufgaben wahrnehmen.

Der Posten hat nur wenig gemein mit der Geschäftsführung in einer „normalen“ Firma. Die Wohnanlage wird von der „Leben mit Handicap Prien GmbH & Co KG“ betrieben. Dahinter stehen sozusagen als Teilhaber in erster Linie die Eltern der zumeist jungen und unterschiedlich stark eingeschränkten Bewohner.

Bayernweit Neuland betreten

Die Konstruktion der Betreibergesellschaft und das Modell der individuellen Betreuung aller Bewohner durch einen ambulanten Pflegedienst waren vor zehn Jahren eine Herausforderung, als der eigens dafür gegründete Verein Leben mit Handicap bayernweit Neuland betrat. Die Unterstützung behinderter Menschen finanziell und rechtlich auf sichere Beine zu stellen, kann sich auch im Einzelfall schnell zu einer bürokratischen Herkulesaufgabe auswachsen, was alle Beteiligten nur zu gut wissen.

Die Eltern, die sich mit Einlagen beteiligten und im Gegenzug ein Wohnrecht in einem der 30 Appartements erwarben, trieb das Ziel an, ihren behinderten Kindern ein Leben in Selbstständigkeit außerhalb des „Hotel Mama“ zu ermöglichen, soweit es die jeweiligen Einschränkungen zulassen.

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Damit der Betrieb reibungslos läuft und weil es das Gesetz in Deutschland ausnahmslos für jede Gesellschaft verlangt, suchte sich der Trägerverein einen Geschäftsführer. Weil die Arbeit keine Vollzeitstelle erfordert und die finanziellen Mittel des Vereins begrenzt sind, wurde eine Stelle für einen Minijobber geschaffen. 20 bis 25 Stunden pro Woche fallen im Schnitt an.

Als die OVB-Heimatzeitungen über die personelle Misere berichteten, meldeten sich beim Vorsitzenden Bauer eine Reihe von Interessenten. Schnell habe sich heraus kristallisiert, dass Jeanette Gerlings genau die Richtige sei, berichtete Bauer. Die 67-Jährige hatte sich von der Stellenbeschreibung gleich angesprochen gefühlt. Gerlings war selbstständige Physiotherapeutin in Baden-Württemberg und hatte im Rahmen dieser Arbeit oft mit behinderten Menschen zu tun, erzählte sie im Interview. Ende 2020 war sie in Ruhestand gegangen.

Sie war erst vor wenigen Monaten nach Grassau in die Nähe der Familie ihres jüngsten Sohne gezogen und suchte eine neue Aufgabe. „Ich hatte so etwas noch nie gelesen, dass Eltern für ihre behinderten Kinder einen Wohnplatz schaffen. Ich fand das Konzept sehr schlüssig“, erinnert sich die neue Geschäftsführerin an ihre spontanen Eindrücke bei der Lektüre.

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In ihrer Einarbeitungszeit warten gleich größere Herausforderungen auf Gerlings. Die Fassade der Anlage muss zehn Jahre nach der Fertigstellung des Gebäudes neu gestrichen werden und sie muss Angebote einholen. Bauer rechnet mit Kosten von 35 000 Euro.

Reparaturarbeiten seien inzwischen öfter zu erledigen, bestätigt Hausverwalterin Hildegard Maier-Salmen. Die Urschallingerin hatte die Betreuung der Anlage vor vier Jahren übernommen. Sie kümmert sich um Buchungen, Abrechnungen, Reparaturen und einiges mehr. Maier-Salmen fungiert außerdem als Prokuristin der GmbH & Co KG.

Wechsel im Kreis der Bewohner

Die neue Geschäftsführerin muss auch gleich in ihrer Anfangszeit einen Mieterwechsel begleiten. Ein Autist, der zwei der 30 Appartements belegt hatte, ziehe aus und die beiden frei werdenden Appartement-Plätze müssen zeitnah vergeben werden, weil der soziale Wohnungsbau, als der die Anlage realisiert worden war, keine längeren Leerstände erlaube, erklärt Vorsitzender Bauer. Für das Wohnrecht führt der Verein eine Warteliste, aber sie ist nicht das einzige Vergabekriterium. Die Neuzugänge müssen auch zu den angestammten Bewohnern passen, die etagenweise in Wohngruppen zusammenleben und sich unter anderem Küchen und Gemeinschaftsräume teilen. Da muss die Chemie stimmen.

Einen Schub zur Realisierung der Wohnanlage hatten 2008 auch die Leser der OVB-Heimatzeitungen gegeben. 200 000 Euro kamen im Rahmen der Weihnachtsspendenaktion für das Projekt zusammen. Die Eltern der künftigen Bewohner hatten mit ihren finanziellen Einlagen - in der Summe 1,5 Millionen – ein Drittel der Gesamtkosten selbst getragen. Am 5. Oktober dieses Jahres jährt sich die Einweihung des viergeschossigen Gebäudes zum zehnten Mal.

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