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Vier-Punkte-Plan im Gemeinderat

Wölfe im Chiemgau – Grassau legt eigenes Konzept vor

Die Risse an Nutz-und Weidetieren durch Wölfe haben im vergangenen Jahr für Aufruhr im Chiemgau gesorgt
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Die Risse an Nutz-und Weidetieren durch Wölfe haben im vergangenen Jahr für Aufruhr im Chiemgau gesorgt
  • VonTamara Eder
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Auch wenn der Chiemgauer „Problemwolf“ in Tschechien getötet wurde, so lässt das Thema Wolf die Region nicht los. In der jüngsten Gemeinderatssitzung wurde in Grassau darüber debattiert und einstimmig einem Vier-Punkte-Plan zugestimmt. Was die Grassauer vorhaben.

Grassau – „Wir wollen alle unsere Kulturlandschaft erhalten und alles dafür tun unsere Landwirte bestmöglich zu unterstützen“, sagte Bürgermeister Kattari (SPD) in der Sitzung. Zu den vielen Besuchern im Saal sagte er, dass es in einer Marktgemeinderatssitzung keine öffentliche Diskussion gebe. Sofern gewünscht, werde es aber noch eine öffentliche Veranstaltung geben.

Exponentielles Wachstum bei Wölfen

Jochen Grab wird künftig Risse im Chiemgau begutachten und informierte den Gemeinderat zu vielen Detailfragen rund um den Wold.

Zunächst informierte der regionale Wolfsbeauftragter Jochen Grab über den aktuellen Sachstand. Im Jahr 2000 wurde das erste Rudel Wölfe in Bayern festgestellt. Nach zehn Jahren erkannte man ein exponentielles Wachstum, was eine völlig normale Entwicklung sei. Mittlerweile seien zehn Rudel nachgewiesen. Wichtig seien alle Hinweise, um Wölfe nachweisen zu können.

Laut Grab sei damit zu rechnen, dass es zu weiteren Wolfssichtungen komme. „Irgendwann wird einer hier hängen bleiben“, vermutet der Experte.

Zu den Hauptkonfliktfelder zählte er Wolf und Nutztiere, aber auch Wolf und Jagd sei ein Spannungsfeld und verwies er auf die Rotwildfütterung und das Wintergatter. Schließlich bestehe ein Konflikt zwischen „Wolf und Mensch“, wobei zwischen normalen und unerwünschten, oder auffälligem Verhalten des Wolfes unterschieden werden müsse. „Wir brauchen eine faktenbasierte Diskussion mit effektiver Informationsstruktur und müssen ein Vertrauensmanagement pflegen und zusammen Verantwortung übernehmen“, betonte Grab.

Keine gefährlichen Begegnungen

Mehdi Akbari (UGL) interessiert, wie sich der Mensch bei einer Begegnung mit dem Wolf verhalten solle. „Tatsache ist, dass es in den letzten 20 Jahren keine gefährlichen Mensch-Wolf Begegnungen gegeben hat“, sagte er.

Klaus Noichl (CSU) fragte, warum die Population des Wolfes in Schweden auf 300 begrenzt werden, obwohl viel mehr Platz für den Wolf sei. Grab informierte, dass Schweden, obwohl es in der EU ist, andere Kriterien und eine andere FFH- Richtlinie (Flora-Fauna Habitate) habe.

Hauptsächlich Wild als Beute

Nach dem klassischen Wolfsmanagement erkundigte sich Thomas Göls (CSU). Solange das Tier nicht auffällig werde, gebe es keine weiteren Managementmaßnahmen erklärte der Experte. Zeigt das Tier auffälliges Verhalten, werde versucht es zu vergrämen. Sollte dies alles nichts nützen, werde das Tier entnommen. Auch informierte der Experte, dass Nutztiere nur zu ein bis zwei Prozent als Beute eine Rolle spielen. Hauptbeute sei Rot- und Rehwild.

Franz Pletschacher, Bauernobmann und Marktgemeinderat, schilderte die Probleme der Landwirte. Man könne im Weidegebiet die Förderung eines Zaunes beantragen,, wobei die Förderung eingeschränkt sei. „Wir bräuchten 100 Prozent Kostenerstattung und wollen nicht in Vorleistung gehen für den gesellschaftlich gewünschten Wolf, der nicht geschossen werden darf“, sagte er. Das zweite Problem seien die Almen, die teils nicht einzuzäunen sind. „Wir sind eine Urlaubsregion und die Gäste freuen sich auf die Kälber“, sagte er.

Der vorgestellten Resolution zur Unterstützung der Landwirte stimmte der Marktgemeinderat einstimmig zu. Kattari wurde beauftragt, diese Resolution den politischen Entscheidungsträgern vorzutragen und sich für eine zeitnahe Umsetzung einzusetzen.

Vier Punkte zur Unterstützung der Landwirte

Grassau möchte die Landwirte unterstützen und habe gemeinsam mit den Landwirten eine Resolution mit vier wesentlichen Punkten erarbeitet, erklärte Kattari. „Wichtig ist die Einrichtung eines aktiven Wolfmanagements mit einer dauerhaften Personalstelle im Landratsamt oder Landwirtschaftsamt“, so Kattari. Dieser Fachmann soll Weidetierhalter beraten, bei Förderanträgen unterstützen, unverzügliche Risse begutachten und bei der Beantragung von Ausgleichsleistungen unterstützen. Kattari konnte sich hier eine übergreifende Zusammenarbeit mit den Nachbarlandkreisen vorstellen.

Angesichts der Förderbedingungen fordert Kattari eine Änderung. Zum einen müssen die Förderrichtlinien vereinfacht werden und eine Zwischenfinanzierung aus öffentlichen Mitteln erfolgen. Zudem sollen alle Maßnahmen zur Errichtung und Unterhaltung des Herdenschutzes, auch die Arbeitskosten zu 100 Prozent gefördert werden.

Als dritten Punkt wies Kattari darauf hin, dass Landwirte von der Haftung bei wolfsbedingtem Herdenausbruch befreit werden müssen, sofern nachgewiesen wurde, dass der Herdenausbruch trotz Schutzmaßnahmen durch den Wolf bedingt war. Man wünscht sich zudem eine staatlich finanzierte Haftpflichtversicherung für Weidetierhalter, die für Schäden, die flüchtenden Tiere verursacht haben und die an den flüchtenden Weidetieren entstehen, aufkommt.

Auch müssen die Halter von Herdenschutzhunden haftungsrechtlich abgesichert werden, sollten die Hunde unvorhergesehene Übergriffe auf Menschen ausüben.

Als vierter Punkt muss eine Anpassung der Bedingungen für ökologische Weidetierhaltung erfolgen. Zum einen sollen die Tiere geschützt im Stall stehen, zum anderen ist in der Biolandwirtschaft aber die Weidehaltung notwendig.

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